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Full text of "Oxforder Benedictinerregel"

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VERZEICHNIS 

DER 


DOCTOREN 

WELCHE 

<  DIE  PHILOSOPHISCHE  FACULTÄT 

DER 

KÖNIGLICH  WÜRTTEMBERGISCHEN  EBERHARD-KARLS-UNIVERSITÄT 
IN  TÜBINGEN 

IM  DECANATSJAHRE   1886  -1887 

ERNANNT   HAT. 


BEIGEFUGT  IST  EINE  ABHANDLUNG  : 


OXFORDER    BENEDICTINERREGEL 

HERAUSGEGEBEN 


DR.  EDUARD  SDÜVERS 

ORDENTLICHEM   PROFESSOR   DER    GERMANISCHEN   PHILOLOGIE 


-  K===r33og:cS5=:=3S 


TUBINGEN 

L.  FR.  FUES'SCHE  BUCHDRUCKEREI 

(FUES  &  KOSTENBADER) 
1887. 


Unter  dem  Decanat  des  Professors  Dr.  Eduard  Sievers  1886/1887 
wurden  unter  43  Bewerbern  folgende  28  zu  Doctoren  der  Philosophie 
ernannt : 


Friedrich  Christoph  aus  Regensburg 
Friedrich  Hefti  aus  Bempflingen   . 
Karl  Bohnenberger  aus  Riedbach  . 
Heinrich  Savelsberg  aus  Aachen  . 
Ernst  Kapff  aus  Sanct-Gallen      .     . 
Martin  Hoppe  aus  Collmen    ... 
Richard  Graupe  aus  Reinickendorf 
Karl  Heinrich  Grotz  aus  Münsingen 
Ernest  Chatelanat  aus  Begnins 
Karl  Josef  Späth  aus  Aulendorf 
Friedrich  Paret  aus  Möckmühl 
Maximilian  Schnepf  aus  Rohrenfel 
Heinrich  Adams  aus  Göppingen 
Otto  Köhler  aus  Ringelheim     . 
Theodor  Saarmann  aus  Hoerde  .  « 
Johannes  Käselitz  aus  Hornburg 
Georg  Abegg  aus  Rüppur       .     . 
Ernst  Wetzstein  aus  Damascus 
Karl  Kieser  aus  Winnenden 


13.  Mai. 
13.  Mai. 
27.  Mai. 
27.  Mai. 

8.  Juli. 
22.  Juli. 
22.  Juli. 
29.  Juli. 
29.  Juli. 

7.  August. 
12.  August. 
12.  August. 

12.  August. 

13.  August. 
2.  December. 
2.  December. 

16.  December. 
16.  December. 
16.  December. 


1887 

Nicolaos  G.  Philippides  aus  Milorista 3.  Januar. 

Bernhard  Haeeing  aus  Bubsheim 13.  Januar. 

Friedrich  Lauer  aus  Schussenried '.....  13.  Januar. 

Eduard  Teichmann  aus  Niederorschel        17.  Februar. 

Josef  Roth  aus  Steinbach 3.  März. 

Max  Ziegler  aus  Stuttgart 3.  März. 

Hugo  Richter  aus  Stuttgart 3.  März. 

Hermann  Losch  aus  Murrhardt 15.  März. 

Wilhelm  Wendlandt  aus  Tranquebar 21.  März. 

Erneuert  wurden  die  vor  fünfzig  Jahren  erteilten  Doctordiplome 
den  Herren  Gustav  Weil  in  Heidelberg  am  1.  Juli  1886,  Gustav  Peizer  in 
Stuttgart  und  Adolph  Poppe  in  Würzburg  am  11.  Juli  1886,  Jacob  Auerbach 
in  Frankfurt  a/M.  am  21.  Juli  1886,  Eduard  Zeller  in  Berlin  am  25.  August 
1886.  —  Honoris  causa  wurde  zum  Dr.  philos.  ernannt  der  Baron  Antonio 
Manno  in  Turin,  am  23.  Juli  1886. 


OXFORDER  BENEDICTINERREGEL 


HERAUSGEGEBEN 


Eduard  Sievers. 


13er  Sammelband  Cod.  Laud.  Mise.  237  der  Bodleiana  zu  Oxford,  der 
sich  aus  Stücken  des  zwölften  bis  vierzehnten  Jahrhunderts  zusammensetzt, 
enthält  als  ersten  Abschnitt  die  nachfolgend  mitgeteilte  Bearbeitung  der 
Benedictinerregel  für  Nonnenklöster.  Den  gesammten  Inhalt  des  Codex  ver- 
zeichnet H.  Coxe,  Catalogus  codicum  manuscriptorum  bibliothecaeBodleianaell,  1 
(Qxonii  1858),  200  ff.  An  Deutschem  enthält  die  Handschrift  ausser  unserm 
Texte,  der  von  einer  Hand  des  vierzehnten  Jahrhunderts  geschrieben  ist,  nur 
noch  den  in  Müllenhoff  und  Scherer's  Denkmälern2  626  gedruckten  Judeneid  '), 
und  auf  den  Rändern  von  Blatt  205b  und  2io,b — 222a  Bruchstücke  ver- 
schiedener, teils  sachlich,  teils  alphabetisch  geordneter  lateinisch-deutscher 
Vocabularien.  Von  allen  diesen  Stücken  habe  ich  im  Winter  1870  Abschrift 
genommen  2). 

In  dem  folgenden  Abdruck  ist  die  handschriftliche  Lesung  im  allgemeinen 
getreu  wiedergegeben,  bis  auf  die  stillschweigends  durchgeführte  Regelung  der 
u  und  v,  i  und  j  sowie  der  Interpunction,  und  die  Hinzufügung  der  im 
Originale  mangelnden  Capitelzahlen  am  Rande.  Alle  andern  Abweichungen 
sind  ausdrücklich  verzeichnet.  Meist  betreffen  dieselben  Störungen  des  Sinnes, 
doch  habe  ich  zur  Bequemlichkeit  des  Lesers  auch  hie  und  da  orthographische 
Eigentümlichkeiten,  die  auf  den  ersten  Blick  einen  lästigen  Anstoss  bieten 
könnten,  in  die  Noten  verwiesen,  natürlich  ohne  sie  dadurch  als  'Fehler'  be- 
zeichnen zu  wollen.  Fetter  Druck  deutet  Rotschrift  an,  aufgelöste  Ab- 
kürzungen sind  durch  Cursivschrift  ausgezeichnet.  Ganze  Wörter  in  Cursiv 
sind  von  mir  ergänzt. 

Unsere  Bearbeitung  gibt  die  Regel  nicht  in  ihrem  ganzen  Umfang  wieder. 
Von  den  Capiteln  8 — 19,  welche  von  den  Bestandteilen,  der  Einteilung  und 
der  Zeit  des  Chorgebetes  handeln,  ist  nur  das  allgemeiner  gehaltene  Capitel  16 
aufgenommen    (vgl.  J.  B.    Troxler    im    Geschichtsfreund  xxxix,  7   über   Ähn- 


1)  In    den    Denkmälern2  625  f.  versetzt    Scherer    die    Laudsche    Handschriftensammlung   irrig 
nach  London. 

2)  Aus  dieser  stammen    auch  die   Citate   bei  Lexer  Bd.   II  f.     (Ebenda  II,  V    ist  im  Quellen- 
verzeichnis  'cod.  Lund.'  in    'cod.  Laud.'  zu  bessern). 

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liches  in  der  Engelberger  Regel  und  sonst).  Ausserdem  fehlen,  als  für  Nonnen- 
klöster nicht  geeignet,  die  Capitel  i:  De  generibus  monachorum,  60:  De 
sacerdotibus  qui  in  monasterio  habitare  voluerint,  und  62 :  De  sacerdotibus 
monasterii.  Capitel  37  erscheint,  nicht  einmal  durch  einen  grossen  Anfangs- 
buchstaben ausgezeichnet,  als  Anhang  zu  Capitel  36. 

Die  Uebersetzung  ist  ziemlich  ungelenk  und  häufig  schleppend.  Es  mag 
auch  hier  eine  alte  interlineare  Uebersetzung  zu  Grunde  liegen  (vgl.  Schönbach 
in  den  Wiener  Sitzungsberichten  XCVIII,  973.  977).  Ob  unser  Text  direct 
nach  dem  Lateinischen  gearbeitet  ist,  oder  etwa  eine  Umarbeitung  einer  älteren 
deutschen  Fassung  für  Mönchsklöster  darstellt,  wird  sich  schwerlich  entscheiden 
lassen.  Auf  das  einmalige  munche  22,  14  hin  möchte  ich  jedenfalls  die  letztere 
Ansicht  nicht  bestimmt  vertreten.  Sicherlich  aber  ist  unsere  Handschrift  nicht 
Original ;  darauf  deuten  die  ziemlich  zahlreichen  Fehler,  welche  sich  nur  durch 
"Verlesen  einer  schriftlichen  Vorlage  erklären  lassen,  namentlich  die  mehrfachen 
wan  die  für  wände  26,  11.  36,  26.  37,  4,  oder  des  bozen  für  der  bnzen  6,  14, 
worte  der  heiigen  für  vorte  der  hellen  8,  1,  oder  bygen  für  äugen  30,  28,  wo 
die  Vorlage  doch  wol  die  Form  oygen  darbot.  Ebenso  auch  das  Neben- 
einander verschiedener  Dialektformen,  wie  vorteil  und  vochten  für  'fürchten', 
das  in  einem  Original  nicht  wol  denkbar  ist. 

Nähere  Beziehungen  zu  den  sonst  bekannten  Verdeutschungen  der  Regel 
fehlen ;  dergleichen  directe  Hinweise  auf  den  Ursprung  unseres  Textes.  Doch 
lässt  sich  derselbe  mit  ziemlicher  Sicherheit  feststellen. 

Eine  Durchsicht  des  Verzeichnisses  der  Laud'schen  Handschriften  ergibt, 
dass  wesentlich  drei  deutsche  Orte  zu  dem  Bestände  der  Sammlung  bei- 
gesteuert haben:  Würzburg,  Mainz  und  Eberbach  (jetzt  Erbach)  im  Rhein- 
gau J);    vereinzelt    begegnen    ausserdem    Worms   (Mise.  519),   Nürnberg 


1)  Aus  Würzburg  stammen  laut  handschriftlichen  Vermerken  die  Codices  Lat.  41.  42.  92. 
96.  100.  101.  115.  Mise.  92.  96.  120.  124.  126.  135.  139.  256.  271.  275.  341.  425.  638.  Das 
Karthäuserkloster  auf  dem  Michelsberg  bei  Mainz  hat  geliefert  die  Nummern  Lat.  23 — 25.  29.  30, 
37  (zweite  Hälfte).  40.  110.  Mise.  22.  32.  41.  44.  68.  69  (erste  Hälfte).  75.  80.  81.  87.  103 
113.  116.  142.  173.  179.  181.  183  —  186.  189 — 192.  195.-  203.  208.  221.  224.  227.  228.  312 
3!3-  3'7-  318-320.  323—325.  348.  352.  369.  378.  380.  386.  387.  390.  400.  405.  40S.  410 
411.  456-  472-  473-  477-  478.  53°-  540.  555.  574.  584-  629  (erste  Hälfte).  650.  677.  738 
sammen  85).  Als  erbachisch  sind  beglaubigt  die  Codices  Lat.  14.  20.  27.  32.  37  (erste  Hälfte) 
47.  97.  105.  107.  Mise.  69  (zweite  Hälfte).  72.  88.  89.  102.  107.  125.  130.  132.  133.  137. 
141.  143-  146.  147-  150-  158.  220.  230.  234.  236.  251.  265.  278.  287.  293.  294.  307.  346.  350. 
377-  379-  396.  43°-  431-  437-  462-  502.  510.  541.  561.  562.  604.  629  (zweite  Hälfte).  721.  727 
736,  zusammen   56  Nummern. 


(Mise.  199),  Engelszeil  (Mise.  175.  272),  Pöhlde  (Mise.  633).  Von  diesen 
können  aus  sprachlichen  Gründen  nur  Mainz  und  Eberbach  in  Betracht 
kommen;  allenfalls  Worms,  doch  wäre  auch  dies  für  den  Dialekt  unserer 
Handschrift  wol  etwas  zu  südlich.  Wiederum  verbietet  sich  die  Anknüpfung 
einer  Nonnenregel  an  das  Mainzer  Karthäuserkloster  von  selbst,  da  Kar- 
thäuserinnen in  Deutschland  nicht  vorkommen.  Dagegen  stimmt  alles  vor- 
trefflich bei  der  altberühmten  Cistercienserabtei  Eberbach,  die  seit  der  Mitte 
des  dreizehnten  Jahrhunderts  an  zwanzig  Frauenklöster  unter  ihrer  Oberauf- 
sicht vereinigte:  Altemünster,  Weissenfrauen,  S.  Agnesen ,  Marien-Dalheim  in 
und  bei  Mainz,  Gottesthal,  Aulenhausen  oder  Marienhausen  und  Tiefenthal  im 
Rheingau,  Gnadenthal  im  Unterlahngau,  Marienmünster  bei  Worms,  Marien- 
kron,  Rosenthal,  S.  Johann,  Sion,  Comeda,  Katharinenthal  bei  Kreuznach, 
Weydas  und  Deynbach  in  der  Pfalz  '). 

Ueber  die  Wegführung  der  ungemein  reichhaltigen  Klosterbibliothek  von 
Eberbach  im  dreissigjährigen  Krieg  sind  wir  durch  die  Mitteilungen  unter- 
richtet, welche  S.  Widmann  in  den  Annalen  für  nassauische  Altertumskunde 
und  Geschichtsforschung  XVII  (1882),  2,  31  aus  Pater  Bär's  handschriftlicher 
Abtschronik  gegeben  hat.  Glücklicherweise  aber  besitzen  wir  noch  ein  älteres 
wertvolles  Zeugnis  über  den  Bestand  der  Sammlung.  Das  als  Oculus  memoriae 
bekannte  Copialbuch  von  Eberbach  enthält  in  seinem  zweiten  Teile  ein  aus- 
führliches Verzeichnis  der  Handschriften ,  welches  im  Jahr  1 502  unter  Abt 
Martin  Rifflinck  von  Boppard  aufgenommen  ist  (K.  Rössel,  Urkundenbuch  der 
Abtei  Eberbach  I,  Wiesbaden  1862,  S.  Vii;  vgl.  auch  S.  Widmann  a.  a.  O.). 
Dank  der  Liberalität  der  Direction  des  Königlichen  Staatsarchivs  zu  Wies- 
baden, welchem  der  zweite  Teil  des  Oculus  memoriae  jetzt  angehört,  ist  es 
mir  möglich  gewesen,  dieses  Verzeichnis  hier  genau  durchzugehen.  Dasselbe 
umfasst  nicht  weniger  als  753  Nummern.  Die  Handschriften  waren  in  zwei 
Säle  verteilt  2),  eine  liberaria  maior  und  eine  liberaria  minor.    Innerhalb  jedes 


1)  Der  Liste  von  H.  Bär,  Diplomatische  Geschichte  der  Abtei  Eberbach  im  Rheingau  II 
(Wiesbaden  1858),  155  habe  ich  oben  das  Kloster  Gnadenthal  eingefügt  aufGrund  der  im  Anhange 
abgedruckten  Eberbacher  Visitationsurkunde  über  dies  Kloster  vom  Jahre  1458,  welche  in  dem  aus 
Eberbach  stammenden  Cod.  Laud.  Mise.  132  eingeheftet  ist.  G.  Jongelin,  Notitia  abbatiarum 
ordinis  Cistertiensis  II,  42  ff.  nennt  ausserdem  noch  'Vallis  Angelorum  iuxta  Ingelheim  ...  et  alia 
plura  quae  ad  notitiam  meam  nondum  devenerunt.'  Genaueres  wird  wol  erst  der  zweite  Theil  von 
L.  Janauschek's  Origines  Cistercienses  bringen  (ebenda  I,  21  die  Literatur  über  Eberbach  bis  zum 
Jahre   1877). 

2)  Rössel  gibt  a.  a.  O.  irrtümlich  an,  das  Verzeichnis  enthalte  Blatt  107  — 11 1  die  'Bibliotheca', 


Saales  waren  die  Handschriften  sachlich  geordnet,  ihre  Plätze  durch  Buchstaben 
und  Ziffern  (Ai,  A2  etc.)  bezeichnet.  Die  grössere  Bücherei  enthielt  504  Hand- 
schriften, verteilt  auf  24  Ordines  (die  Buchstaben  A  bis  Z  und  ein  am  Schluss 
angefügtes  Zeichen,  das  etwa  wie  ein  nach  links  gekehrtes  F  aussieht);  die 
kleinere  ist  im  Verzeichnis  nur  mit  8  Ordines  (A — H)  vertreten.  Das  Register 
selbst  bricht  am  Schlüsse  von  H  mitten  auf  einer  Spalte  ab  ohne  irgend  ein 
Schlusszeichen,  und  es  folgt  noch  ein  leeres  Blatt.  Es  ist  also  wol  möglich, 
dass  das  Verzeichnis  nicht  vollständig  ist.  Ob  S.  Widmann,  der  am  an- 
geführten Orte  das  Register  schlechthin  'unvollendet  geblieben'  nennt,  für 
diese  Ansicht  noch  andere  Gründe  gehabt  hat,  weiss  ich  nicht. 

Unsere  Regel  findet  sich  nun  freilich  in  dem  Verzeichnis  nicht.  Das 
darf  aber  auch  nicht  Wunder  nehmen.  Abgesehen  davon,  dass  eine  Nonnen- 
regel, wenn  auch  in  Eberbach  entstanden,  doch  schwerlich  zu  dauernder  Auf- 
bewahrung in  der  Bibliothek  niedergelegt  worden  wäre,  fehlt  in  dem  Ver- 
zeichnis auch  jeder  Nachweis  über  vorhandene  Exemplare  des  lateinischen 
Originals,  welches  das  Kloster  doch  besessen  haben  muss.  Stücke,  welche 
wie  die  Ordensregel  zum  täglichen  Hausgebrauch  bestimmt  waren,  werden 
eben  in  Eberbach  so  wenig  wie  anderswo  den  für  das  gelehrte  Studium  be- 
stimmten Bücherschätzen  eingereiht  worden  sein. 

Dagegen  ist  ein  grosser  Teil  des  übrigen  Inhaltes  unserer  Handschrift, 
die  bereits  oben  als  Sammelband  bezeichnet  wurde,  in  dem  Eberbacher  Catalog 
vertreten.  No.  2,  ein  Elucidarius,  erscheint,  freilich  ohne  die  folgenden 
kleineren  Stücke  3 — 5,  unter  S  11  der  grösseren  Bücherei  als  Lucidarius. 
Initiiim:  Sepius  rogatus  a  condiscipulis.  Ferner  finden  wir  No.  6,  Excerpte 
aus  den  Vitaepatrum,  alsT6:  Exccrpta  de  vitas  patrum.  Item  omelia 
Innocentü  pape  ad  religiosos  et  quedam  alia.  Initium:  Interrogavit  quidam 
abbatein  .     No.  7 — 11,  welche  nach  dem  Oxforder  Catalog  einen  ursprünglich 


Bl.  III  — 113  'Libri  diversarum  facultatum'.  Der  wahre  Sachverhalt  ergibt  sich  aus  den  beiden 
Ueberschriften  Bl.  107  und  luv.  Die  erstere  lautet:  Libri  diversarum  facultatum  una  cum  diversis 
traetatibus  sanetorum  eximiorumque  doctorum  sicut  infra  offendes  ordinati  et  locati  sunt  in  liberaria 
maiori,  seeundum  ordinem  alphabeti  numero  eifare  cuilibet  apici  adiecto,  industria  exaetoque  labore 
devotorum  et  religiosorum  fratrum  Nicolai  de  Altavilla  supprioris  et  Johannis  de  Sancto  Goare  cap- 
pellani  abbatis ,  artium  liberalium  determinatorii,  tempore  regiminis  reverendi  in  Christo  patris  et 
domini,  domini  Martini  dicti  Rifflinck  de  Bopardia,  huius  monasterii  Ebbirbacensis  abbatis  numero 
vicesimi  quarti,  anno  salutis  millesimo  quingentesimo  seeundo.  Laus  deo,  ast  eius  genetrici  haut 
nee  advocatisse  Katherineque.  amen.  Die  zweite  lautet  wörtlich  ebenso,  nur  dass  es  statt  liberaria 
maiori  nun  liberaria  minor!  heisst  und  die  Namen  der  beiden  Bearbeiter  fortgelassen  sind. 


selbständigen  Teil  des  Bandes  bilden  (es  sind  die  Blätter  168 — 202),  vermag 
ich  in  dem  Eberbacher  Catalog  nicht  nachzuweisen.  Dagegen  waren  die 
Stücke  12 — 14,  des  Johannicius  Isagoge  in  Galeni  artem  minorem,  Hippo- 
crates'  Aphorismen  und  Prognosticorum  liber,  in  gleicher  Reihenfolge  auch 
in  Eberbach  vorhanden.  Die  Handschrift  P  21  enthielt  Isagoge  Johannicii 
tegni  Galieni.  Item  commentum  vale  (?)  super  tegni.  Item  liber  amphoris- 
morum.  Item  regimentum  acutorum.  Item  commentum  pronosticorum. 
Initium:  Medicina  dividitur.  No.  15,  Theophili  Protospatharii  de  urinarum 
differentia  liber,  fehlt  wieder,  könnte  aber  leicht  in  einem  der  andern  medi- 
cinischen  Codices  enthalten  gewesen  sein,  deren  die  Ordines  P  und  Q  der 
liberaria  maior  eine  ganze  Anzahl  enthalten,  z.  B.  P  3  Ysagogici  Johannici 
tegni  Galieni  et  quedam  alia  medicinalia.  Initium:  Medicina  dividitur  in 
duas  partes,  oder  P  5:  Liber  medicinarum.  Initium:  Incipiunt  p'sagoge  (?) 
Johannicii,  oder  Q  8 :  Breviarium  mediane.  Initium:  Quicquid  ait  Tttllius. 
No.  16,  eine  Brandanlegende ,  kehrt  wieder  in  der  Handschrift  G  22  der 
kleineren  Bibliothek:  Gesta  Barlaam  et  Josaphat.  Item  navigatio  sancti 
Brandani.  Item  Hilarius  de  fide.  Item  (Iter  Hs.J  liber  Hilarii  ad  Constan- 
tinum  imperaiorem.  Initium:  Cum  cepissent  monasteria.  Das  letzte  Stück 
endlich,  De  inventione  capitis  sancti  Johannis  Baptistae,  kann  ich  wieder  nicht 
nachweisen. 

Dass  die  hier  als  übereinstimmend  hervorgehobenen  Stücke  identisch 
gewesen,  lässt  sich  natürlich  nicht  behaupten.  Der  Oxforder  Catalog  zerlegt 
die  Handschrift  in  4  einst  getrennte  Stücke,  deren  zweites  den  Handschriften 
S  11  und  T  16  entsprechen  müsste,  während  das  vierte  den  Hauptinhalt  von 
P  21  und  ein  vereinzeltes  Stück  des  Inhaltes  von  G  22  der  kleineren  Bibliothek 
darbietet.  In  der  Oxforder  Handschrift  erscheint  also  untrennbar  vereinigt, 
was  in  Eberbach  getrennt  war,  und  ebenso  findet  sich  in  den  einzelnen  Ab- 
schnitten resp.  Handschriften  ein  Mehr  des  Inhalts  bald  auf  der  einen,  bald 
auf  der  andern  Seite.  Immerhin  bleibt  das  Zusammentreffen  so  vieler  Stücke 
auffallend.  Insbesondere  möchte  ich  dabei  nochmals  die  gleiche  Reihenfolge 
der  medicinischen  Schriften  12 — 14  betonen.  Einen  Zusammenhang  irgend 
welcher  Art  wird  man  also  nicht  ableugnen  mögen.  Derselbe  kann  freilich 
verschiedener  Art  gewesen  sein.  Ich  sehe  dabei  ab  von  der  angedeuteten 
Möglichkeit,  dass  der  Bestand  der  kleineren  Bibliothek  nur  unvollständig  auf- 
gezeichnet ist,  denn  ich  halte  es  nicht  gerade  für  wahrscheinlich,  dass  z.  B. 
neben  den  5  Exemplaren  der  Isagoge  des  Johannicius,  welche  der  Eberbacher 


Catalog  in  der  grösseren  Bibliothek  aufweist  (Handschrift  P  3,  P  5,  P  18,  P  21, 
Q  7),  ein  der  Handschrift  P  21  wesentlich  gleiches  Exemplar  auch  noch  in 
der  kleinen  Bibliothek  vorhanden  gewesen  sei.  Vielmehr  möchte  ich  eher 
glauben,  dass  unsere  Handschrift  Doubletten  enthielt,  welche  dem  Kloster,  für 
welches  die  Nonnenregel  bestimmt  war,  zum  Gebrauche  überlassen  waren  und 
später,  nach  dem  Entstehungsjahre  des  Eberbacher  Catalogs,  in  den  Besitz 
von  Eberbach  zurückgelangten.  Es  ist  mir  diese  an  sich  gewiss  nicht  allzu  nahe 
liegende  Annahme  deswegen  glaublicher,  weil  eine  andere  Handschrift  der 
Sammlung  ein  gleiches  Geschick  gehabt  zu  haben  scheint,  die  bereits  oben 
S.  V  erwähnte  Handschrift  Mise.  132,  welche  Augustin's  Enarratio  in  Psalmos 
CXVIII— CXXXIII  enthält,  und  offenbar  mit  dem  Codex  B  11  der  kleineren 
Bibliothek  identisch  ist.  Dieselbe  trägt  auf  Bl.  i*  die  Aufschrift  Liber  sanete 
Marie  virginis  in  Everbach.  Concessus  sanetimonialibus  in  Dalen  (nicht  con- 
cessis  und  in  Duley,  wie  Coxe  druckt).  Die  Handschrift  war  also  mindestens 
zeitweilig  im  Besitz  des  Klosters  Dalheim  (oben  S.  v),  und  doch  erscheint 
sie  mit  den  übrigen  Eberbacher  Handschriften  in  Oxford.  Soll  man  nun  an- 
nehmen, dass  auch  die  Bibliothek  des  Dalheimer  Klosters  gleichzeitig  mit  der 
von  Eberbach  und  der  des  Karthäuserklosters  geplündert  worden  ist?  Möglich 
ist  das  gewiss,  aber  die  andere  Annahme  scheint  doch  näher  zu  liegen.  Ent- 
scheiden würde  sich  die  Frage  eher,  wenn  das  Alter  jener  Aufschrift  fest- 
stünde. Denn  aus  dem  Umstände,  dass  der  Handschrift  eine  für  Gnaden- 
thal, nicht  Dalheim,  bestimmte  Eberbacher  Urkunde  von  1458  vorgebunden 
ist,  muss  doch  (vorausgesetzt  dass  diese  Vereinigung  von  Urkunde  und  Hand- 
schrift alt  ist)  geschlossen  werden,  dass  sie  nach  jener  Zeit  noch  oder  wieder 
in  Eberbach  war  und  dass  sie  dort  mindestens  bis  zum  Jahre  1502  verblieb, 
wo  sie  in  den  Eberbacher  Catalog  aufgenommen  wurde.  Aber  leider  gibt 
weder  Coxe  etwas  über  diesen  Punkt  an,  noch  habe  ich  mir  selbst  seiner 
Zeit  darüber  eine  Notiz  gemacht.  Hier  wird,  wie  bezüglich  des  Codex  237, 
erst  eine  erneute  Untersuchung  ein  sichereres  Urteil  gestatten.  Für  die  Frage 
nach  der  Herkunft  unserer  Regel  ist  es  übrigens  ziemlich  gleichgültig,  wie 
die  Handschrift  in  den  Besitz  des  Erzbischofs  Laud  gekommen  ist,  wenn  einmal 
die  Beziehung  zu  Eberbach  feststeht  oder  sich  wahrscheinlich  machen  lässt. 
Auch  darüber,  wie  und  wann  die  vier  Stücke  der  Handschrift  237  zu- 
sammengekommen sind,  wird  sich  kaum  etwas  Genaueres  ermitteln  lassen. 
Der  dritte  Abschnitt,  dessen  Inhalt  sich  in  der  Eberbacher  Bibliothek  nicht 
nachweisen  lässt,  könnte  allenfalls  erst  in  England  eingefügt  sein.     Denn  ganz 


gewöhnlich  sind  ursprünglich  getrennte  Handschriften  jetzt  in  der  Laud'schen 
Sammlung  zusammengebunden.  So  enthält  der  Codex  Lat.  20  die  Handschriften 
D  37  und  A  15  der  kleineren,  Lat.  107  die  Handschriften  A  5  der  kleineren 
und  D  6  der  grösseren,  Mise.  88  die  Handschriften  D  24  der  kleineren  und 
H  14  der  grösseren  Bibliothek,  u.  s.  w.  Ja  es  fehlt  nicht  an  Beispielen,  dass 
Eberbacher  Handschriften  mit  solchen  aus  dem  Mainzer  Karthäuserkloster 
vereinigt  sind  (Lat.  37.  Mise.  69.  629). 

Ich  halte  es  hiernach  für  sehr  wahrscheinlich,  dass  unsere  Übersetzung 
auf  Eberbach  oder  doch  auf  den  mit  diesem  verbundenen  Kreis  von  Frauen- 
klöstern zurückgeht.  Nur  wird  man  aus  sprachlichen  Gründen  die  südlicheren 
von  diesen  wieder  ausschliessen  müssen.  Soweit  sich  überhaupt  hier  Grenzen 
ziehen  lassen,  trägt  unser  Text  das  Gepräge  der  Sprache  des  südlichen 
und  mittleren  Nassau. 

Eines  der  charakteristischesten  Wörter  unseres  Textes  ist  das  Wort 
oder.  Neben  dieser  häufig  belegten  schriftdeutschen  Form  stehen  weiterhin 
aber  4,  24.  38,  1,  abc  32,  22.  35,  6.  37,  25,  obe  8,  1.  17,  14.  19,  3.  24,  18. 
25,  3  (2).  10  (2).  33,  16.  34,  6.  11.  35,  1.  7.  36,  22.  39,  3.  4.  7.  25,  ob  33,  5. 
35,  7.  36,  29  (2).  37,  9.  19.  27.  38,  13.  25.  39,  25  (2),  obir  2,  13,  ober  3,  28  (2). 
15,  8  (2).  17,  21.  24,  2.  25,  8  (2).  9  (3).  29,  20.  35,  25.  Von  diesen  sind  abe,  ob, 
obe,  ober,  obir  meines  Wissens  bisher  nicht  nachgewiesen.  Sie  sind  auch  ur- 
kundlich sehr  selten  und  mir  nur  in  Nassau  und  der  Wetterau  begegnet. 
Ein  obir  neben  mehreren  obe  zeigt  eine  katzenellenbogische  Urkunde  von  13 18 
bei  Wenck  I,  141  (hernach  herscht  in  Katzenellenbogen  das  schriftdeutsche 
oder);  ein  obe  eine  vermutlich  in  Runkel  a.  Lahn  ausgestellte  Urkunde  Hein- 
rich's  von  Westerburg  bei  J.  G.  Lehmann,  Geschichte  der  Dynasten  von 
Westerburg  (Wiesbaden  1866),  S.  119;  viermal  steht  ob  in  einer  Westerburger 
Urkunde  von  133 1  bei  Günther  III,  171.  Ausserdem  finde  ich  noch  obir  in 
Giessen-Marburg,  Wyss,  Hess.  Urk.  II,  664,  und  in  Schiffenburg  bei  Giessen, 
ib.  II,  394.  Im  nördlicheren  Nassau  und  linksrheinisch  finden  sich  von  ent- 
sprechenden Formen  bekanntlich  nur  ove  und  of  resp.  ave  und  af. 

Ein  weiteres  Hauptkennzeichen  der  Mundart  der  Regel  ist  das  Fehlen 
des  r  in  der  Gruppe  rht,  die  hier  durch  vochte  und  Ableitungen  vertreten 
ist:  vocht  13,  15.  17,  voclite,  -en  13,  16.  31.  25,  21.  27,  27.  34,  30.  35,  10.  37,  10. 
38,  15;  vochlicheme  13,  7;  vochten  7,  7.  16,  3.  39,  17,  fliehten  27,  1,  vochtent 
5,  35.  10,  7.  36,  24,  vochtende  18,  I;  daneben,  vermutlich  aus  der  Vorlage  über- 


nommen,  Formen  mit  rt:  2,  20.  5,  30.  6,  15.  8,  1.  10.  10,  3.  13,  13.  35,  23.  Der 
Ausfall  des  r  erstreckt  sich,  soweit  die  Urkunden  dies  erkennen  lassen,  über 
die  Wetterau  bis  nach  Hessen  hinein,  südlich  über  den  Rheingau  nach  Rhein- 
hessen. Der  nordwestlichste  Punkt  den  ich  nachweisen  kann,  ist  Wester- 
burg:  Behte  Baur  I,  560  (mit  einem  späten  focht  in  Bacharach  [1558]  Weist.  II, 
225  mein  einziges  Zeugnis  für  Nassau,  vom  Rheingau  abgesehen),  der  nord- 
östlichste Kirchhain  bei  Marburg:  Bechthohis  Wyss  II,  906,  Behtmanshtcsen 
ib.  946.  Für  Schiffenburg  bei  Giessen  belegen  ferwoith  Wyss  II,  741,  vir? 
wochte,  virwocht  ib.  668,  in  die  Alsfelder  Gegend  führt  Behtolt  von  Merlaüwe 
ib.  979  {Bechte  von  Mirlauwe  Baur  I,  1091);  nach  der  Gegend  von  Büdingen 
Bechtuld  von  Eschbach,  foiclit  Weist.  III,  432  ;  vgl.  ferner  Bechtolt  Langensel- 
bold  Weist.  III,  418,  Bcchtol  Ettersheim  bei  Flörsheim  ib.  I,  558.  Der 
äusserste  Punkt  nach  Osten  scheint  R  i  e  n  e  c  k  bei  Gemünden  am  Main  zu 
sein:  Bechtolff,  Bechtelt  Weist.  III,  518.  Der  südlichste  Punkt  auf  hessischem 
Gebiet  ')  ist  Bechtheim  (östlich  von  Alzei)  Baur  III,  1363.  1454.  V, 
294.  522,  Behteim  II,  742,  Bechtem  IV,  28  (früher  Berchtheim,  z.  B.  Baur  II, 
714.  744.  797,  Beriheim  II,  747.  III,  987).  Nicht  viel  nördlicher  liegt  Bech- 
t  o  1  s  h  e  i  m ,  ursprünglich  Berlitoldishcim  ;  r-lose  Formen  in  mannigfaltigster 
Orthographie  findet  man  z.  B.  bei  Baur  I,  362,  Note.  686.  II,  658.  755.  761. 
921.  III,  1051.  1067.  1083.  1100.  1126.  1199.  1254.  1268.  1363.  1396.  Weitere 
Belege  für  Rh  ei  nhessen:  Begtolfi  Baur  II,  893,  Be(c)htolf  etc.  ib.  III,  1158. 
1219.  1302.  1313.  1412.  V,  385.  436.  440,  BetholflW,  1294,  Bechtolfen  Frey  und 
Remling,  Urkundenbuch  von  Otterburg  320.  458,  Bechtoldus  etc.  Baur  III, 
1062.  V,  393.  474,  Bechte  V,  473;  Behtdrade  V,  368,  vgl.  auch  Hcinrici 
dicti  Sartwochc,  d.  h.  Sarwochte  Baur  II,  784.  Für  Oberhessen:  Be(c)hte 
Baur  I,  560.  944.  981.  1020.  1027.  1034.  1070,  Befcjhto/d  etc.  I,  519.  854.  883 
(vgl.  Wenck  I,  220.  II,  317).  886.  926.  1027.  1107.  1135.  V,  462,  Bechdult 
I,  907,  Bechtuld  I,  10 16,  Beth(t)old  I,  637,  Bechtram(es)  I,  1040.  V,  274, 
Betram{e)  I,  816.  984,  Bethtrath  I,  769,  Bechtraid  I,  910.  Für  Eltville 
zeugt  die  Familie  Bechtelmünz ,  Bodmann,  Rheing.  Alt.  134  ff.,  für  Eberbach 
selbst  Baur  III,  12 19,  wahrscheinlich  auch  noch  1168.  1302.  Im  Starkenbur- 
gischen fehlen  dagegen  Belege  für  die  Formen  ohne  r  fast  ganz.  Die  Ur- 
kunde Baur  I,  657  mit  Bechtoldo  de  Rauensburg  ist  wol  von  einem  Wormser 


I)  Weiter  nach  Süden  habe  ich  die  Erscheinung  nicht  verfolgt,  da  die  südlicheren  Gebiete  für 
meine  Zwecke  nicht  in  Betracht  kommen.  Das  Speyerer  Urkundenbuch  kennt  nur  Berhtoll  etc., 
keinen   Bechtolt,  doch  scheint  diese  Form  in  Niederelsass  wieder  aufzutreten. 


Schreiber  geschrieben;  dagegen  finden  wir  einen  Bechtolten  Leysten  im  Weis- 
tum  vom  Landsberg  bei  Heppenheim,  Weist.  I,  469.  Im  Gebiet  des  Mosel- 
fränkischen habe  ich  nur  ein  isoliertes  focht  im  Weistum  von  Rimsbach  bei 
Merzig  a.  Saar  igefunden,  Weist.  III,   750  '). 

Von  den  durch  diese  beiden  Eigentümlichkeiten  abgegrenzten  Gebieten 
sind  nun  die  Wetterau  und  Rheinhessen,  letzteres  mit  Ausnahme  des  Streifens 
unmittelbar  südlich  vom  Rhein,  wieder  auszuschliessen.  Diese  Gebiete  kennen 
für  sehen,  geschehen,  jehen  etc.  nur  die  Contractionsformen  scn,  gesehen,  Jen, 
nicht  aber  sien,  geschien,  gien,  welche  die  BR.  mit  den  nördlicheren  mittel- 
fränkischen Dialekten  gemein  hat:  sien,  sin  etc.  2,  I.  10.  10,  11.  13,  ig.  22,  2. 
23,  28.  26,  26.  37,  24.  25,  geschie  6,  23.  23,  18.  38,  20,  geschin  23,  20, gescin  33, 
30 ;  begien  10,  17  neben  begenc  12,  10,  seilen  22,  8  und  stets  zelten  40,  18, 
zehende  12,  28,  czenden  26,  21  neben  zegene  14,  24  statt  des  zu  erwartenden 
zien  'zehn'  2).  Es  bleibt  also  wieder  nur  das  südlichere  Nassau  übrig.  Für 
Eberbach  ist  sihen  durch  Baur  III,  1103  belegt. 

Neben  schriftdeutschem  mit  1,  3.  2,  8.  9  etc.  erscheint  dialektisches  bit 
nicht  selten:  r,  4.  5,  10.  8,  7  etc.  Für  bis  3,  20.  14,  25  etc.  steht  einmal  noch 
unverschobenes  bit  34,  28  und  einmal  mit  22,  21.  Letzteres  ist  besonders 
beachtenswert.  Als  eberbachisch  ist  es  in  der  Gnadenthaler  Visitationsurkunde 
41,  8.  12.  22.  43,  7.  11.  20  neben  bit  42,  13.  43,  26  belegt;  sonst  finde  ich  es  nur 
noch  in  der  Lebensbeschreibung  Ludwigs  III  von  Arnsburg,  Nass.  Arch.  XVIII, 
2S5   (vgl-  ein  linksrheinisches  mis  a.   1327  bei  Höfer  II,   121). 

Von  Einzelheiten  hebe  ich  noch  hervor  die  Einschiebung  des  g  in  siegen 
'ziehen'  27,  19,  zegene  'zehn'  14,  24  (vgl.  rügen  'ruhen'  26,  5;  über  funfsegisten 
38,  16  s.  dieAnm.  zur  Stelle);  dazu  urkundlich  siege  unten  41,  10.  24,  zugit  'zieht' 
Baur  III,  12 19;  Praet.  lachte  16,  25,  Part,  gelacht  24,  23  =r  gelacht  Baur  III,  12 19; 
Fartgesatzit^,  12. 13.  25.4,21  etc. oft (nebengesatzt  10, 2.26,17  etc.,gesatzi$,  19)  = 
gesatzit  Baur  I,  543  (die  Form  ist  auch  sonst  in  der  Mainzer  Gegend  nicht  selten). 

Zu    dem    durch   diese   Einzelerwägungen   gewonnenen   Resultate   stimmt 

1)  Keiner  der  Urkundenbelege  ist  älter  als  der  Anfang  des  14.  Jahrhunderts.  In  der  Literatur 
aber  sind  die  Belege  für  den  Verlust  des  r  bereits  früher  vorhanden  (Deutsches  Wb.  IV,  695, 
Lexer  III,  469  f.  600.  Weinhold  2  S.  210).  Sie  beginnen  mit  vokte  in  den  alten  Tundalusfrag- 
menten  und  erstrecken  sich  über  die  wetterauische  Elisabeth  und  Erlösung,  verschiedene  Frankfurter 
Schriftstücke,  Eberhard  Windeck's  Spottgedicht  von  den  Mainzer  Unruhen,  endlich  den  Morolt 
(worüber  demnächst  vielleicht  Näheres  an  einem  andern  Orte). 

2)  seit  'sieht'  17,6  halte  ich  für  blossen  Schreibfehler,  und  habe  desswegen  auch  beiget  12,  8 
in  begiet  und  nicht  in  begeit  corrigiert. 


vollständig  die  Stellung  des  Denkmals  in  Bezug  auf  den  Stand  der  Lautver- 
schiebung. 

Auslautendes  b  bleibt  oder  wird  zu  p:  lob  2,  23,  Hb  7,  7,  Urlaub  9,  4, 
werkwib  31,  3,  ob  'ob'  1,  17  u.  o.,  'oder'  oben  S.  IX;  irhup  9,  21,  orlaup  23,  17, 
grupheide  30,  7,  lipnarungen  27,  14.  Inlautend  finden  sich  einige  z>:  gehevet 
6,  8,  streven  6,  12,  inleven  8,  14,  sehen  37,  21.  In-  und  auslautendes  ^,/wird  nie 
durch  3  vertreten,  was  in  den  Eberbacher  Urkunden  allerdings  bisweilen  der 
Fall  ist:  zwivel  5,  28  etc.,  duvel  16,  4  etc.,  ^rz^*?  33,  29,  bysschove  35,  6,  fo7/<?  29, 
23.  33,  \,geprufet  17,  17,  brief  ^2,  17.  19,  brifiS,  27. 

P  erscheint  unverschoben  im  Anlaut  (18,  8.  17.  20,  16.  22,  21  f.  24,  8.  29, 
12.  30,  18)  und  in  der  Gemination  (n,  4.  13,  26.  22.  9.  31,  17.  37,  9.  39,  28); 
nur  das  Fremdwort  opfern  schwankt  zwischen  pp  (27,  21.  32,  31.  33,  2.  11)  und 
pf  (27,  17.  33,  5.  11).  Ferner  steht  unverschobenes  /  durchweg  in  scharp  und 
Ableitungen,  3,  13.  5,  1.  16,  28.  17,  23.  31,  25.  38,  II.  Auch  dies  ist  völlig 
correct  und  keine  Ausnahme  von  der  Lautverschiebung.  Denn  wie  die  ober- 
deutsche Form  scharpf  zeigt,  liegt  ein  Stamm  skarppo-  zu  Grunde.  In  der 
Elisabeth  191 5  reimt  scharp:  erstarp  (Rieger  S.  32).  An  urkundlichen  Belegen 
führe  ich  an  Scharpenstein  bei  Kiedrich,  Rössel  6.  70.  90  etc.  (28mal  gegen  vier 
Scarphenstein  155.  158.  160.  252;  die  drei  ersten  Urkunden  in  dem  früh  durch 
hochdeutsche  Einflüsse  berührten  Mainz  ausgestellt);  ferner  Baur  I,  8.  29.  412. 
538.  596.  620  650.  III,  1065.  im.  1149.  1357.  1369,  Note.  1377.  1418.  1436. 
1507.  1564.  IV,  178.  V,  411.  453,  dagegen  Scharphenstein  I,  583  (die  Urkunde 
ist  von  einem  Notar  Fridericus  dictus  Ebernandus  clericns  Constantiensis  aus- 
gestellt und  zeigt  auch  sonst  südlichere  Sprachformen)  und  ähnlich  in  Mainzer 
Urkunden  I,  497.  II,  285.  III,  1153.  V,  38;  vgl.  auch  I,  980  Note.  Ferner 
Scharppinecke  (Frankfurt)  Böhmer  767  ') ;  Scherpclin,  Richter  in  Mainz,  Höfer 
183.  Rössel  722.  772.  Baur  II,  707  etc.  III,  928  etc.  (sehr  oft;  ich  habe  50  Belege 
notiert,  welche  bei  weitem  nicht  erschöpfen;  einmal  erscheint  der  Name 
unverändert  sogar  in  einer  Speyrer  Urkunde,  Hilgard  253,  22);  ferner  scharp- 
richtcr  Berncastel  Weist.  IV,  749.  Ebenso  werden  natürlich  auf  rheinfränkischem 
und   hessischem    Gebiet   auch    die   übrigen   hochdeutschen   rpf  =   germ.   rpp 


I)  Dagegen  haben  Scharfenberg  bei  Annweiler  und  Scharfeneck  bei  Dernbach  (Bergzabern) 
durchgehends  /  oder  fh  (vgl.  die  Belege  bei  Hilgard,  Urkunden  zur  Geschichte  der  Sladt  Speyer 
S.  545,  ferner  Baur  I,  182.  II,  22.  V,  276  resp.  I,  65.  66.  74.  209),  liegen  also  südlich  der  Ver- 
schiebungsgrenze. Nur  in  Urkunden,  die  weiter  nördlich  ausgestellt  sind,  wird  bisweilen  das  p  ein- 
geführt, vgl.  z.  B.   Baur  III,  961.   1324.     Günther  III,  528. 


behandelt:  Conrad  (Kunce  etc.)  Karpe  Wyss  II,  786.  795.  Baur  I,  833.^484; 
Hancmanni  dicti  Karpe  Baur  1,  373,  Nicoiao  dicto  Karpe  Baur  III,  1041,  Note; 
Harpern  gidtsmedcs  Wyss  II,  849  1),  Erpesfort  Rössel  24,  Hernie  Erpe  Weist.  III, 
422,  Henrich  von  Erpe  Günther  III,  322,  Erpilshcim  Baur  II,  787  (dagegen 
Peter  Erpfe,  Erphe  in  einer  Urkunde  von  Babenhausen,  Baur  I,  700,  die  auch 
anlautend ph  hat,  und  Erphe  von  Wingarten  bei  Germersheim,  Hilgard  S.  562); 
vgl.  ferner  Sygele  dictits  Schirpe  Wyss  II,  745,  Heinrich  Schirppc  Lehmann  a.  a. 
O.  S.  202,  auch  wetterauisch  (16  Jahrh.)  scharp,  schl'örpt  im  Arch.  f.  hess.  Gesch. 
XV,  3 82.  3 S7. 

Sehr  auffällig  sind  zwei  anlautende  j  für  g:  iude  =  mhd.  gnote  4,  11 
(welches  vielleicht  nach  dem  vorhergehenden  iungersen  verschrieben  ist,  da  die 
Handschrift  solche  Fehler  oft  macht)  und  ierent  35,  21;  denn  eine  Anknüpfung 
an  die  Gebiete  welche  jetzt  j  bieten  (Wenker ,  Sprachatlas  I,  1)  ist  unmöglich. 
Urkundlich  finde  ich  nur  viel  nördlicher  in  der  Gegend  von  Maxsayn  ein  solches 
j  in  iode  =  gnote  Höfer  II,  1 5  8. 

Ausfall  von  inlautendem  g'mgesenit  16,  7,  mede  33,  1.  8,  kestiungen  15, 
17,  fast  regelmässig  in  geht  nebst  Ableitungen  (Ausnahmen  13,  28.  33,  3), 
und  von  ch  in  notdurfteclic,  letzteres  ebenso  Erweichung  des  ch  voraussetzend, 
wie  die  häufige  Anwendung  des  g  in  mehrsilbigen  Formen  von  welch,  wie  28,  11. 
34,  14.  36,  24  etc.  2).  Inlautend  ch  für  g  nur  in  nnmaniche  12,  33,  -echen  13,  I, 
■che  31,   19;  auslautend  auch  fast  nur  in  Adjectiven  auf  -ic :  6,   13  (2).    10,    13. 

II,  8.  13,  7.  9.  15,  9.  18,  1.  37,  13,  neben  -ig:  10,  27.  11,  16.  12,  20,  13,  6 
etc.,   und  -ic:   10,  5   (?) ,    18,   12.   35,   5.   7.  37,   1.     Sonst   noch  ch    in  trachkeit 

3,  19  und  mach  14,  23.  Auslautend  c,  k  für  g  sonst  nur  nach  n:  3,  26.  9, 
16.    19.   10,   16.   14,  4.    18,  2.    14.    19,  3.  23,  26.   33,  29  (daneben    auch  -ng: 

4,  10.  10,  30.  16,  24  etc.).  Fest  ist  k  für  g-\-h  in  den  Ableitungen  auf  -ekeit 
(nur  2 mal  -igheid  24,  3.  39,  23,  -echeide  38,  2)  und  c  für  g  in  i(e)clich  4, 
23.  29.  S,  17  etc.  und  den  Adjectivis  auf  -eclich:  3,  12.  7,  2.  12,  32.  20,  21. 
27,  2.   12  etc.     Etwas  besonders  Charakteristisches  liegt  hierin  nicht;    das  ge- 

1)  Als  zweifelhaft  lasse  ich  bei  Seite  den  Namen  Harpelo  Baur  I,  483.  589,  Harpele  I,  982, 
Herpelo  III,    1041,    Note  (vgl.    auch   Herppen   von   Vechinheim  I,  982);    Herpein,    -e/e  Weist.   I,  482. 

III,  45 1 :  denn  obwol  ein  Frauenname  Harpfa  bei  Dronke  belegt  ist  (Förstemann  I,  636),  so  ist 
doch  Harpelo  vielleicht  Deminutiv  zu  Hartberaht  (vgl.  auch  Harpirshuscn,  -er  Baur  I,  589  mit  Harp- 
perathusin  I,   5 79)- 

2)  Diese  Erweichung  besteht  noch  jetzt  wenigstens  in  einem  Teile  der  sprachverwanten  Ge- 
biete. In  Niederhessen  herscht  nicht  nur  inlautendes  j  in  den  Adjectiven  auf  -lieh  (also  -lije  etc.), 
sondern  auch  nach  /  und  r :  weife,  kirje,  lerje  =  welche,  kirche,  lerche  etc. 


sammte  Gebiet  des  Moselfränkischen  zeigt  etwa  gleiches  Verhalten  (vgl.  nament- 
lich auch  das  siebenbürgische  iklijenr  Beitr.  XII,  156).  Erst  auf  ripuarischem 
Boden  erscheint  auch  vor  h  und  /  die  Spirans  als  Regel. 

Für  auslautendes  k  steht  g  in  strig  11,  31,  rog  30,  5  (vgl.  gestregtemc 
.28,  23),  starg  5,   14,  werg  12,   14,  27,  6;  ch  in  werch  8,  9,  nach  32,  8. 

Abgesehen  von  bit,  mit  (oben  S.  XI)  und  einem  dat  9,  8  ist  germ.  t 
ganz  verschoben  wie  gemeinhochdeutsch.  Auffälligerweise  kein  dit,  nur  diz 
20,  12.  Fest  bleibt  natürlich  wie  auf  dem  ganzen  Gebiet  auch  des  Rhein- 
und  Mittelfränkischen  germ.  t  in  fällen  wie  winters  30,  5,  bitter-  4,  32.  39,  9, 
gehitert  11,  30.  31,  bespottet  32,  13,  matte  30,  20,  und  wo  es  für  altes  ht  steht, 
in  vorte,  vorteil  'Furcht,  fürchten'  oben  S.  IX  f.  1),  und  den  flectierten  Formen 
von  ambct  23,  15.  25,  9.  27,  3  etc.  Ebenso  meist  das  t  der  Fremdwörter 
die  nach  der  Lautverschiebung  aufgenommen  sind:  gctcmperet  3,  29,  vgl.  22, 
27-  35>  3°i  tercien  26,  20,  tafole  19,  3;  prophete  2,  13  etc.,  completen  13,  23 
etc.,  nature  3,  7,  convente  14,  9,  elter{e)  32,  17.  33,  2,  seltere  40,  28,  porten 
{-ersen)  37,  5.  7;  mettenien)  13,  22.  24.  20,  9  Ueberschr.  Schwanken  hier 
nur  in  eppetcn  35,  6  und  einmaligem  aptissen  15,  18  neben  gewöhnlichem 
ebdisseiii)  4,  10  u.  o.,  prcdigadyn  2,  24  und  arzides  16,  12,  gearzediet  17,  4 
neben  arcctisse  17,  3.  —  Vertretung  von  anlautendem  germ.  /V  durch  </r  fehlt: 
trenc(ii)  7,  14.  14,  8.  28,  10,  getruwen  10,  27.  21,  21.  22,  8.  30,  ^getroste 
38,  6,  ftr^r  18,   1.  27,  4.  40,  6. 

Germ,  thw  erscheint  auch  hier  fest  als  tiu:  twingen  5,  8.  26,  9.  37,  13, 
getwatic  3,    14.  21,  4,  twelen  19,  26,  fttvw  20,   2.  29,   5. 

Genaueres  Eingehen  verlangt  die  Behandlung  des  germ.  d,  da  dessen 
Verschiebung  im  Rheinfränkischen  und  den  Nachbarmundarten  bisher  in  einem 
Punkte  nicht  genau  genug  dargestellt  worden  ist. 

Anlautendes  d  vor  Vocalen  ist  nie  verschoben;  die  Gruppe  dr 
schwankt  zwischen  dr-,  wie  16,  21.  18,  5.  22.  20,  1.  21.  22,  14.  24,  19.  33, 
14.  23.  37,  2.  39,  8,  und  tr-\  betrüben  etc.  17,  26.  18,  18  f.  34,  3.  36,  3.  38, 
10,  betrogen  33,  9. 


I)  Höchst  sonderbar  setzt  Roediger  im  Anz.  f.  d.  Altert.  I,  83  den  Reim  forhtcn:  porten  im 
Vorauer  Alexander  210,  25  in  die  Formen  fönten:  forden  um,  offenbar  nach  dem  bewährten 
Recept:  hochdeutsch  t  =  niederrhein.  d.  Auch  sadde  für  satte  ebenda  S.  82  (bei  dem  sich  Roediger  doch 
schwerlich  auf  die  trügerische  Orthographie  des  Trierer  Psalters  gestützt  hat)  ist  eine  für  einen  Germanisten 
recht  merkwürdige  Form.  Ob  nicht  auch  mancher  der  Studenten,  deren  sich  Roediger  laut  Anz.  XI,  116  zur 
Aufführung  seiner  kritischen  Opferfeste  bedient,  über  derartige  Stücklein  sein  Haupt  schütteln  würde  ? 


Geminiertes  d  wird,  wie  bis  an  die  Grenze  des  Ripuarischen  über- 
haupt, stets  verschoben ■.  dritte  u,  15.  21,  24.  26.  32,  19,  bette  14,  21.  15,  15 
26,  6.  30,  18,  mitternach  13,  25.  Das  ^  unseres  Textes  wie  ähnlicher  Denk- 
mäler steht  nur  für  einfaches  d.  Wie  s?dde  17,  26,  midde  20,  22.  28,  7.  31, 
12,  bedden  'beten'  18,  22.  31,  18,  &y&ä?  Subst.  32,  15.  33,  11,  veddere  39,  7. 
28.  40,  24  ist  natürlich  auch  bidden  5,  1.  18,  22.  21,  7  zu  beurteilen,  d.  h. 
es  entspricht  dem  hochd.  biten,  nicht  dem  hochd.  bitten. 

Inlautendes  d  von  Stammsilben1)  ist  nach  Vocalen  und  /  nur 
ausnahmsweise  verschoben,  nach  n  niemals.  Zur  Bezeichnung  des  verschobenen 
Lautes  dient  meist  t:  ziten  1,  9.  8,  15,  rate  6,  19,  noten  6,  26,  verbieten  9,  n, 
muterliche  34,  18,  gotc(s)  1,  20.  8,  25,  gebute  10,  5;  otmudkcitc  7,  32;  »»Zfe 
2,  8,  behalten  16,  4;  seltener  th  :  finthe  2,  2S,  gebet/iet  16,  17,  gebothe  15,  10; 
endlich  ztf,  abgesehen  von  fritdag  22,  24  nur  in  nebentonigen  Silben:  .ravr- 
mutdigenß,  26,  otmutde  etc.  8,  30.  9,  20.  29  (2).  12,  18.  Für  /«'zVr<?  9,  25.  29, 
leiternbeume  9,31  wird  man  auf  die  zu  Grunde  liegende  Gruppe  dr  zurück- 
greifen, d.  h.  die  durchgehende  Verschiebung  dem  Einfluss  des  /'  zuschreiben 
müssen.  Nicht  hierher  gehören  ziteliche  etc.  25,  17.  29,  10.  36,  1  {zitheliche 
26,  7)  und  gutelicken  33,  21.  Hier  stehen  die  /  eigentlich  im  Silbenauslaut 
und  das  in  der  Schrift  eingeschobene  e  ändert  daran  nichts  (vgl.  nooh  geiste- 
liche(n)  7,  25.  27,  22.  32,  28,  iinverdruszeliche  7,  26,  zuchteliche(ii)  34,  15.  38, 
16  und  überhaupt  die  auf  dem  Gesammtgebiete  des  Moselfränkischen  häufigen 
ikelick,  gehenkenisse  u.  dgl.). 

In  stärkerem  Masse  ist  das  d  der  schwachen  Praeterita  und 
Participia  verändert.  Neben  -ede  8,  3.  30.  11,  29.  13,  16.  24.  28,  23.  34,  9. 
35,  20  stehen  inspannete  9,  21,  genengetim  13,  5,  lobete  13,  20,  irbarmete  16, 
25,  deilite  19,  20;  neben  virsmedin  4,  7  steht  a/ate«  2,  28.  In  den  synko- 
pierten Formen  steht  ausser  einem  isolierten  sande  8,  17  stets  t:  bekanten 
2,  24,  santte  11,  14,  vorzaltes  4,  16;  ferner  irvertin  1,  16,  horte{ii)  3,  4.  7,  29. 
35,  33,  genedirtin  13,  8.  Die  letztere  Regel  gilt  für  die  gesammte  Urkunden- 
masse des  Hessischen  und  des  Fränkischen  bis  zur  ripuarischen  Grenze,  und 
Ausnahmen  sind  höchst  selten.  Da  aber  die  Gedichte  oft  Reime  wie  kande, 
sande:  lande;  besekeinde: geinde  'Gegend'  bieten  (vgl.  Rieger,  Elisabeth  S.  33), 
und  später  Formen  wie  zalte  auch  in  Ripuarien  auftreten  2) ,    so  wird  es  frag- 


1)  üeber  die  von  den  Grammatikern  wenig  beachtete  Notwendigkeit  der  Scheidung  zwischen 
Stamm-  und  Ableitungssilben  s.  Rieger,  Elisabeth  S.   33. 

2)  Nur  rjiuss  man  da  sicher  einen  grossen  Teil  der  zahllosen  vorgenante  etc.   ausnehmen,  die 


*—      XVI      — 

lieh  bleiben  müssen,  ob  es  sich  nicht  teilweise  wenigstens  mehr  um  eine 
Schreibgewohnheit  handelt  (die  sich  die  zahlreichen  Praeterita  mit  lautgesetz- 
lichem t  nach  stimmlosen  Consonanten  zum  Muster  nahm) ,  als  um  einen 
eigentlichen  Verschiebungsact. 

■Regelmässig  ist  dagegen  die  Gruppe  rd  verschoben ,  ausser  in  (nur 
schwach)  nebentonigen  Silben.  Die  Belege  sind:  worte  etc.  I,  20.  4,  12.  13 
5,  7  etc.  (oft),  umgorten  2,  9,  gegortet  15,  1,  gortcln  15,  1,  gurte l  30,  23 
karte{n)  5,  8.  31,  24.  38,  8,  (vollen)hirtin  etc.  3,  20.  11,  22.  15,  15.  16,  2 
31,  17.  26.  38,  5,  kirtin,  -en  5,  30.  16,  23,  herte{n)  5,  18.  16,  26.  17,  13.  35 
28,  garten  13,  4.  25,  9.  37,  14,  warten  19,  5.  23,  4,  ot>ä?  37,  21 ;  hartdis 
4,  13;  warthet  2,  30.  Ebenso  im  Compositum  orteil,  urteil  4,  1.  5.  5,  28 
30,  und  ortdeil,  urtdeil  etc.  6,  16.  7,  6.  27.  13,  7.  27.  15,  17.  18,  9.  34,  5 
37,  4.  Ausnahmen  nur  herden  'Herde'  4,  4  und  hirderse(n)  'Hirtin'  4,  2 
In  nebentonigen  Silben  herscht  dagegen  Schwanken.  Regelmässig  t  hat  antworte 
nebst  Ableitungen,  2,  15.  30.  18,  16.  20,  3.  30,  11.  17.  32,  19.  37,  6.  8.  9. 
11.  40,  15  (dazu  anwirthest  2,  2),  dagegen  heisst  es  wederwurdigen  11,  20, 
-2VA  15,  9,  wederwurdikeit  11,  24,  geinwordich  etc.  10,  13.  13,  7.  24,  7.  32,  16, 
33,  3  und  nur  je  einmal  gegenwortig  10,  27  und  gegemvurtdigen  9,  24. 

Der  hier  an  einem  Beispiele  belegte  und  für  die  Classificierung  der 
fränkischen  Mundarten  höchst  bedeutungsvolle  Verschiebungsact  scheint  von 
den  Gelehrten  die  sich  in  neuerer  Zeit  mit  der  Erforschung  dieser  Mundarten 
eingehender  beschäftigt  haben,  nicht  bemerkt  worden  zu  sein.  Weder  bei 
Weinhold,  noch  bei  Müllenhoff,  Braune,  Heinzel,  Busch  finde  ich  einen  Hin- 
.  weis  darauf,  obschon  bereits  im  Jahre  1868  Rieger  a.  a.  O.  die  betreffende 
Regel  für  die  Elisabet  erkannt  und  angedeutet  hatte  ').  Die  Verschiebung 
von  rd  zu  rt  aber  ist  ein  gemeinsames  Merkmal  aller  'chattischen'  Mundarten 
im  Gegensatz  zu  den  'ripuarischen',  welche  das  rd  beibehalten.     Es  wird  eine 


zwar  in  unsern  Urkundendrucken  zu  finden  sind,  aber  den  Originalen  gewiss  nicht  angehören.  Ich 
kann  wenigstens  nicht  glauben,  dass  cölnische  Schreiber  z.  B.  in  ein  und  derselben  Urkunde  ad 
libitum  zwischen  vurgenoimde  und  vurgenante  abwechseln,  wie  das  in  den  Urkundenbüchern  oft  genug 
der  Fall  ist,  sondern  sehe  in  den  letzteren  Formen  lediglich  falsche  Auflösungen  der  so  gewöhn- 
lichen Abkürzung  vurg   seitens  der  Herausgeber. 

1)  Er  sagt:  'd .  .  .  wird  ...  für  hochdeutsches  t  gebraucht  ...  im  Inlaut  nach  /  und  n, 
denen  tönender  Vocal  vorausgeht,  und  nach  tönenden  Vocalen  selbst',  schliesst  also  die  Gruppe  rd 
bewusst  aus.  Neuerdings  ist  dann  dieser  Punkt  von  A.  Wyss  gestreift  worden,  der  in  der  Einleitung 
zu  seiner  Ausgabe  der  Limburger  Chronik  (1883)  S.  19  sagt  't  steht  gern  nach  r,  z.  B.  antworten, 
genwortig,  orte,  worie,  huiswertes,  garte,  geborten''. 


Hauptaufgabe  für  die  Specialforschung  sein  müssen,  die  Nordgrenze  (oder 
genauer  Nordwestgrenze)  dieser  Verschiebung  festzustellen  und  die  Reime  der 
Dichtungen  auf  ihr  Verhalten  in  dieser  Beziehung  zu  untersuchen.  Einiges 
Nähere  hoffe  ich  bald  in  einer  besondern  Abhandlung  bringen  zu  können  '). 
Für  den  Augenblick  will  ich  nur  noch  folgendes  erwähnen. 

Das  Schwanken  zwischen  rd  und  rt  in  nebentoniger  Silbe  zeigt  sich  auf 
dem  gesammten  Verschiebungsgebiete,  aber  so,  dass  häufiger  nur  die  Eigen- 
namen (auf  -hart  und  -gart  besonders)  unverschobenes  rd  aufweisen ,  wie  ein 
Blick  in  eines  der  einschlägigen  Urkundenbücher  zeigen  kann.  Es  hängt  dies 
offenbar  damit  zusammen,  dass  nur  die  Eigennamen  das  zweite  Glied  regel- 
mässig genug  im  Tone  schwächten ,  während  als  Composita  empfundene 
Wörter  eher  die  Formen  der  Simplicia  wahren.  Doch  findet  sich  rd  auch 
im  Süden  des  Gebietes  in  Nichteigennamen  urkundlich  belegt  (vgl.  z.  B. 
wyngardin,  -is  Wyss  II,  626,  geginwcrdigen  Wyss  II,  818  (2),  geinwerdig  II, 
828)  2). 

Linksrheinisch  scheint  die  Verschiebung  etwa  bis  zu  der  cEifel- 
grenze'  Wenker's  und  Nörrenberg's  zu  gehen,  nur  vielleicht  nicht  ganz  so  weit 
nördlich.  In  Andernach  herscht  noch  rt,  geburte  Günther  III,  6,  verantwerten 
Lac.  III,  162,  ebenso  auf  der  Linie  M  a  y  e  n  (gemvurtegin,  boymgartyn,  geburtin 
Höfer  II,  153)  —  Wittlich  {antwerteii,  geburte  Günther  III,  352)  —  Trier 
(nur  die  älteste  deutsche  Urkunde  von  Trier  vom  Jahre  1248,  Günther  II,  126, 
hat  rd :  antwerden,  -et,  aber  immerhin  nur  in  nebentoniger  Silbe;  sonst  steht 
rt  fest).  Dagegen  haben  bereits  rd  S  i  n  z  i  g  (geenwordichin.  Gerharde,  geburde 
Höfer  II,  114,  Gerharde,  Buytscharde ,  vurwordih,  geburde  ib.  II,  115),  Saf- 
fenberg-Neuenahr  (vurwardin,  verantwerden,  antwerdin,  vurwerde  neben  ein- 
maligem vur-warten  Günther  III,  405),  Ahrweiler  (geynwirdich,  untgeinwerdich, 
geburde  'gebührte',  Lumbarde,  antwerde  Praet. ,  verordelt  Günther  III,  689  = 
Weist.  II,  643),  Prüm  (vurwerde ,  verantwerden ,  worden  ,  recht/erdigen ,  ant- 
wurden,  schwerden ,  urdell,  auch  dirde,  derde  Weist.  II,  515 ;  die  Ausnahmen 
verantwurtten  und  wartten  werden  der  späten,  bereits  stark  mit  schriftdeutschen 


1)  Wenn  dieselbe  nicht  durch  demnächst  zu  erwartende  Untersuchungen  von  Herrn  John 
Meier  in  Freiburg,  der  eine  Ausgabe  der  Iolanthe  vorbereitet  und,  wie  ich  nachträglich  erfahre,  zu 
ähnlichen  Resultaten  gekommen  ist,  überflüssig  gemacht  wird. 

2)  In  den  Grenzgebieten  habe  ich  alle  Belege  für  unverschobenes  rd  angeführt,  die  sich  in 
einer  citierten  Urkunde  finden.  Oft  kann  nur  che  relative  Häufigkeit  verschobener  und  nichtver- 
schobener  rd  in  Nebentonsilben   entscheiden. 


Elementen  durchsetzten  Abschrift  zur  Last  fallen)  und  Marienthal  bei 
Luxemburg  (Hardinbruch  J.  van  Werveke,  Cartulaire  du  Prieure  de  Marien- 
thal I,  Luxembourg  1885,  S.  338,  Scherdenbrul  345,  garden  360,  auch  heren- 
garde  312,  hargarden  351,  wingarde(n),  roip-,  ropegarden  360,  Megonsongarde 
344,  steynevurde  etc.  327.  328.  329,  dyffurde  330  u.  s.  w.).  In  dem  Zwischen- 
gebiet weist  Kempenich-Laach  genwortigen,  'geburte  neben  Reinarde 
Günther  III,  272,  geinwordich  ib.  513  auf,  Burenzheim-Laach  vürworthen, 
Irmegurte,  Isenbarte,  gebürthe  neben  vurwurden,  Gerarden  Höfer  II,  66.  Für 
Virnenburg  lässt  sich  urdel  Günther  IV,  222  anführen.  Verdächtig  ist  mir 
die  Urkunde  von  Montreal  Günther  III,  402  mit  van  worde  zu  worde  neben 
hurten  'hörten'  und  antwerte.  Gewiss  auszuschliessen  ist  ferner  die  Urkunde 
von  Kuttenheim-Frauenkirchen  bei  Ochtendung  Höfer  II,  121  mit  verdeyl 
und  geburde;  sie  zeigt  durchaus  ripuarische  Orthographie  (vgl.  auch  benoymdhi) 
und  wird  von  einem  Schreiber  aus  einem  nördlicheren  Gebiete  geschrie- 
ben  sein. 

Rechtsrheinisch  gehört  Hammerstein  am  Rhein  noch  dem  Ver- 
schiebungsgebiete an,  könnte  aber  doch  geschwankt  haben:  1300  geynwor- 
digen  neben  wirte,  wirten  Höfer  I,  29;  1329  vurwordin  neben  vurwortin, 
vhrworte,  geburte  ib.  II,  131;  1337  Gerarde,  -des  neben  geburte  Günther  III, 
223,  Worten  ib.  III,  578,  wyngarten  ib.  IV,  2  (alle  rd  doch  nur  in  nebentonigen 
Silben).  Der  in  Linz  beschworene  Burgfriede  von  Rennenberg  (1270)  hat  da- 
gegen nur  rd:  wordin,  vurwordin,  dirde ,  dirdime  Höfer  I,  8;  vgl.  ferner  für 
Rennenberg  Hargardin  ib.  II,  23.  Nach  Osten  zu  scheint  die  Grenze  in  der 
Nähe  von  Sayn,  Braunsberg  und  Isenburg  zu  verlaufen.  Die  ältesten 
Urkunden  von  Sayn  haben  nur  rd,  z.  B.  1272  gesicherder,  Gerardes,  vor- 
wurden, geburde  Höfer  I,  9;  1283  Gerarde,  vorworden,  keirde,  Steinvorde, 
antwerden,  geburde  ib.  I,  12  (Lac.  II,  786);  1284  intgegenwordich,  vorworden, 
Gerardes,  Hardevust,  geburde  ib.  I,  13.  Dagegen  schwanken  Braunsberg- 
Nothausen  (1326  geynwordichme ,  wingarte,  bungarde ,  wingarde ,  geburte 
Höfer  II,  109,  doch  wieder  nur  in  Nebentonsilben)  und  Isenburg  (1334 
vurwortin,  antwertin,  -te,  -din,  geginwordigin  Günther  III,  203,  geburde  ib.  III, 
468).  Bei  Max  sayn  im  Amt  Selters  herscht  dagegen  wieder  rt:  1333 
geynwortigin ,  vurwortin ,  wortin,  geburte  Höfer  II,  1 5 8,  ebenso  in  Wester- 
burg:  1331  geywortich,  geburte  Günther  III,  171.  Weit.er  nach  Nordosten 
habe  ich  die  Grenze  nicht  genauer  verfolgen  können ;  sie  wird  sich  vermutlich 
in  der  ihr  auch  sonst  (wie  den  meisten  Grenzlinien  auf  diesem  Gebiet)  eigenen 


Richtung  von  SW.  nach  NO.  fortziehen.  Ganz  Hessen  gehört  dem  Verschie- 
bungsgebiet an. 

Ueber  das  Alter  der  Verschiebung  kann  ich  eine  bestimmte  Meinung 
nicht  aussprechen.  Das  Siebenbürgisch-Sächsische  teilt  sie  mit  den  verwanten 
einheimischen  Mundarten.  Zu  den  von  A.  Scheiner,  Beitr.  XII,  146  verzeich- 
neten Mrt,  hart,  vyurt,  by-urtn,  gmrtn  mit  durchstehendem  t  kommen  nach 
freundlicher  Mitteilung  desselben  Gewährsmannes  noch  (Btzrtij^  artig,  fiurt  Fahrt, 
fcBrtif^  fertig,  girtl  Gürtel,  hart  hart,  yurt  Ort,  schvtWt  Schwert,  virt  Wirt, 
Ismrt  zart,  daneben  stehen  freilich  die  Ausnahmen  vusrdn  warten,  schviurdn 
Schwarten  (Dat.  PL),  gabceeerdii  bärtig.  Für  den  Roth  er  ist  der  Eintritt  der 
Verschiebung  verbürgt  durch  den  Reim  harte  :  marken  4035,  für  La mp  recht's 
Alexander  durch  harte  : geivor(h)te  Vor.  705  neben geburde  :  wurde  6j .  103 
(an  wurle  mit  Erhaltung  des  grammatischen  Wechsels  darf  man  wol  für  diese 
Zeit  nicht  mehr  denken).  Endlich  sei  noch  angemerkt,  dass  auch  in  den  Ge- 
bieten, welche  altes  rth  und  altes  rd  in  rd  graphisch  zusammenfallen  lassen 
und  auf  einander  reimen,  doch  die  Laute  nicht  ganz  gleich  gewesen  sein 
können.  Nördlich  wie  südlich  der  Verschiebungsgrenze  wird  altes  rth  später 
zu  einfachem  r,  während  das  alte  d  erhalten  bleibt;  ripuarisch  heisst  es  z.  B. 
jetzt  zwar  were,  wäre  für  werden,  aber  ja(r)de,  ga(r)de  für  garte(n). 

Von  sonstigen  consonafitischen  Eigentümlichkeiten  mögen,  obwol  sich 
für  die  genauere  Localisierung  unseres  Denkmals  daraus  nichts  besonderes  ergibt, 
noch  folgende  erwähnt  werden. 

Abfall  des  t  nach  Spiranten:  lezes  4,  8,  lezzes  17,  5,  letzes  40,  5, 
notzes  6,   15,   lichste  30,  9  (vgl.  auch    machs  du  31,  28.   32,    1.  40,  5),  gesatz 

15,  19;  voilebrach  8,  7,  unreell  11,  33.  12,  10.  17,  2,  vochlicheme  13,  7,  nach 
13,  25,  nachstunden  23,  7,  mach  38,  3;  durf  37,  15.  Umgekehrt  Anfügung 
in  solicht  33,  23,  solichte  27,   1,  ernestlichte  39,  9. 

Assimilation  von  nd  zu  nn  und  Vereinfachung  zu  n  in  unbetonter 
Stellung:  allerhanne  18,  25,  wanne  4,  10.  20,  22.  30.  25,  5,  wene  34,  4.  38,  24; 
revenere  20,  6;  Participia:  sitzenne,  gande,  stände  13,  5,  murmellene  15,  8, 
stvigene,  Sprechern  24,  22,  clopene  31,  17,  diddene  11,  34;  dazu  wol  auch 
missedungen  =  missedfinigen  5,  4.    Umgekehrt  nd  für  n:  der  bevollender  schafe 

16,  19,  zu  merende  21,  28.  Assimilation  von  mb  zu  mm  in  umme  8,  25.  16,  27 
etc.,  dumme  5,    10.   12,  30,  gecrumet  13,    n,  einmal  auch  in  ammet  18,  21  neben 


häufigem  ambet  3,  25  etc.  (ißmal),  umbe  16,  12,  bekumberet  19,  20.  25.  23,  15, 
dumb  22,  7.  Auch  das  Compositum  imbiz  schwankt  zwischen  umbez  22,  26  und 
ummez  23,  5. 

Uebergang  von  hs  in  jj  ist  Regel:  waszene  5,  4,  wassen  36,  4,  w«^ 
36,  7,  assele  16,  25,  J«  23,  1,  .j<?.yzV  12,  12  neben  sehes  32,  3  und  wachsent  36,  12. 
Ausfall  des  h  in  vorte  etc.  oben  S.  IX  und  stets  in  it  (id  22,  1 2),  «zY  ausser 
einem  £zü  7zz'c/zzV  12,  15. 

Vertretung  von  seh  durch  s:  beszauwet  10,  10 ;  cusz  14,  8,  cusliche 
39,  i6,fleisz  16,  4,  menslich  29,  I.  39,  16,  weszen  20,  1,  wesene  30,  12,  &c  21, 
5,  underzusen  34,  35. 

Andere  Einzelheiten  sind  in  den  Anmerkungen  berührt. 

Der  Vocalismus  bietet  keine  grossen  Besonderheiten  dar.  Ich  mache 
demnach  hier  auch  wieder  nur  auf  das  Wesentlichste  aufmerksam. 

Umlaut  des  kurzen  a  in  weszen  20,  1,  wesene  30,  12  'waschen',  echte 
'oetavus'  26,  8  (neben  achte  12,  22),  vesteldage  23,  12  (die  Form  vastel-  bei  Lexer 
ist  falsch);  in  der  Flexion: gedenkeiii)  PL  3,  29.  7,  10  etc.  (iomal),  grede  13,  12; 
gewelde  Dat.  Sg.  19,  4.  29,  26.  36,  11  ;  -scheffe  16,  9.  19  Überschr.  36,  17.  38, 
9,  -schefte  6,  10.  n,  16  neben  -schaffe  3,  19.  23.  24,  13,  -Schafte  15,  14. 
16,  I;  /^yzVz*  swv.   2,  8.   11.     Ableitungen  auf   -ig:  deilheftig  3,  21,  zweiveldiger 

4,  10,  manigf eidigen  12,  27,  einfcldeclich{e)  33,  ir.  14,  senfteclichen  12,  32, 
geiveldigen  14,  4,  sorgsemig  16,  Überschr.  neben  sebenfaldige  13,  26,  sorgsamig 
31,22,  sorghaftig  10,  17;  auf  -«'<?:  scheplere  30,  6,  dazu  auch  elterie)  'altar' 
32,  17.  33,  2.  Composita  mit  -/jcä:  unzellicher  3,  18,  semcnlich  3,  22,  scherp{e)lich 

5,  1.  16,  28.  38,  11,  zugengelich  5,  21,  degelich  7,  8.  21.  11,  26.  21,  21.  24,  6, 
anfenclich  8,  17,  undenclich  8,  25,  sperlicheiri)  22,  4.  16,  gemeglich  37,  2.  Ebenso 
Umlaut  des  langen  ä :  iverliche  7,  20.  26, 1 1,  gesweslicher  15,11  etc.  Umlaut  des 
ou,  wofür  in  der  Handschrift  stets  aw,  ist  regelmässig  durchgeführt,  ausser  in 
Verkäufern  31,  8.  12  und  natürlich  vor  w.  geleuben  Gen.  Sg.  3,  18,  reufen  5,  5, 
zeugen  2,  15.  etc.  (s.  Antn.  zu  2,  8),  verleukenen  6,  28,  heubet  11,  33.  13,  5.  24,  23. 
28,  23.  30,  18.  36,  17,  irleuben  20,  26.  21,  3.  31,  16.  19,  (iinfreudeiii)  19, 
22.  27,  18.  20.  Pluralumlaut  in  beume  9,  3 1  (dreume  Dat.  Sg.  9,  26  ist  wol  Fehler). 
Dagegen  drauunge  16,  21  und  stets  (un-)fraitzven  1,  10.  2,  25,  26.  5,  19.  1 1,  18. 
19,  13.  26,  10.  29,  27. 

Brechungs-e  ist  fest,  nur  einmal  sint- 'sehnt'  27,  6.  FürUmlauts-e 
meist  i  vor  r  -\-  Consonant :   {vollcn)hirtin,-hyrtcn  3,  20.  II,   22.  15,  15.  16,  2.  31, 


26,  kyrce  14,  25,  mirken,  myrken  19,  11.  20,  19.  21,  2.  27,  8.  30,  24.  26.  33,  20. 
34,  29.  35,  19.  36,  9.  39,  22,  virte  37,  21,  antwirten  2,  2.  30.  40,  15  (neben  ant- 
tvorten,  antzvurten);  doch  auch  erb  in  3,  5,  merken  10,  10.  14,  1,  vollenlierten  38,  5. 
Ferner  vor  äs  ^>  ss:  wyschet  'wächst'  38,  10 ;  vor  /-f-  Palatal  in  zvilich,  tvilch 

4,  27  etc.  neben  welich,  welch. 

Kurzes  i  weicht  in  offener  Silbe  vor  einfachem  stimmhaftem  Consonanten 
oft  in  e  aus:  weder  1,  3  u.  o.  (ca.  24mal),  neder  9,  28  u.  ö.  (iomal),  beden  3,  8.  10, 
21.  18,  22.  32,  20,  mede  17,  17.  19,  21.  36,  15,  .?<?<£?«  18,  26,  <?dfo>z'.s  12,  20  (vgl. 
idewiz  2,  18);  geschreben  5,  19.  n,  17,  seben(de)  12,  17.  13,  20.  21.  24.  26, gebet 
19,  6;  licmele  9,  31,  nemet  12,  I,  bevelet  18,  16.  35,  26.  Sonst  nur  noch  einmal 
viessedat  17,  16  und  sprechet  8,  4.  f/für  2'  steht  fest  in  ummer,  nnmmer,  suster, 
zusehen;  dazu  umbez  22,  26,  ummez  23,  5,  burnen  14,  25. 

Kurzes  u,üwirdoft  durch  0  vertreten :  1)  vor  einfachem  stimmhaftem  Con- 
sonanten: mogeiii)  2,  12  etc.  (ca.  I7mal),  unmogeliches  38,  \,gehogen  3,  23.  30.  5, 
12.  35,  20,  dogendeiii),  -t  5,  2.  13,  16.  27,  9.  35,  30.  38,  21.40,  2.6,  cogele(n) 
30,  5  (2).  13.   15.  23;  obil  2,  18  etc.  (6mal),  gelobedes  32,  3,   tf£<?7"  4,   8   etc.;  son 

5,  10,  comme  24,  16,  frome(t)  31,  5.  38,  6.  37,  15;  wil(t)core  6,  7.  8,  13.  21. 
32,  6;  dazu  wilcorde  22,  10  (für  -corede);  molen  37,  14;  —  2)  vor  alter  Ver 
schlussgeminata :  notze  19,  24,  notzes  6,  5,  coppele  22,  9.  —  3)  vor  /  -+-  Con 
sonant:  scholt  4,  2,  irvoll'en(e)  13,  23.  18,  21 ;  —  4)  vor  r -\-  Consonant  resp 
silbenschliessendem  r:  oft  in  gorten,  anhvorte,  -en,  orteil,  vorteil  und  vochten, 
geinwordich  (s.  unter  rd);  ferner  worczeln  5,  5,  verworfit  16,  22,  bedorfen  2 
25,  notdorftikc it  11,  14,  jcwwz  12,  19,  orlaube  24,  9,  zw  etc.  (gehört  eigentlich 
wol  zu  No.  1) ;  —  5)  vor  ht  in  unzochligen  4,  33  ;  endlich  —  6)  in  <^"  3,  17  etc. 
neben  ebenso  häufigem  uff,  und  in  sollen  neben  stillen.  Ausnahmsweise  einmal 
bevonden  33,  9,  vermutlich  nur  graphisch;  vgl.  Anm.  zu  I,  2. 

Für  kurzes  o  steht  u  in  stullzheide  9,  17  (neben  jfo/fe  7,  14.  15,  8,  .rfo/fe- 
/«7V&»  17,  2)  und  in  duchter{e)  1,  9.  32,  31  neben  gewöhnlichem  dochter;  ferner 
«  regelmässig  in  $«/,  gelegentlich  in  «&■  'ob'  8,  26.  9,  20.  15,  12.  21,  23.  22,  12. 
24,  26.  28,  8.  31,  23.  25,  aber  'ob'  32,  5.  6,  neben  häufigerem  obe,  ob;  in  abe 
'oder'  32,  22.  35,  6.  37,  25,  «&r  'oder'  4,  24.  13,  4.  38,  I;  sonst  noch  einmal  in 
becarunge  28,  21. 

Die  langen  Vocale  und  Diphthonge  sind  im  Ganzen  fest,  wenn 
man  von  den  bloss  orthographischen  Schwankungen  in  der  Widergabe  des 
alten  ie  durch  i  und  ie  (welches  auch  für  altes  i  dient)  und  den  wenigen  ü  absieht, 
Für  ei  steht  e  in  mesteren  9,  9,  kledere  32,  29;   ebenso  selten   für  ie:   ve   12,    16, 


XXII       

egelich  14,  10,  gebediz  24,  29,  gebede  31,  8  {stegende  9,  27  ist  wol  nur  Schreib- 
fehler für  stigende,  obwol  es  zweimal  steht).  Entsprechend  selten  o  für  altes  uo: 
otmodigere  4,  27,  obirhoren  6,  22,  und  zweimal  nach  v.  gezvogen  28,  30,  gewoglich 
31,  21  (vgl.  Anm.  zu  1,  2).  Endlich  einmal  0  für  iu  in  gezogen  18,  24.  Ein  &  für 
6:  trusten  6,  27. 


Hie  beginnit  die   regele  sancte  Benedictus  unses   vaders 
und  unsers  liebew  kerrew. 

^"ernemet,  liebe  sustere,  die  gebot  des  meistere ,  neiget  daz  ore  uers 
herzen  zu  der  manungen  des  milden  vaders  und  ')  irwullit  sie,  daz  ir  zu  dem 
weder  kumment  mit  arbeide  der  gehoresamkeide  von  dem  ir  gescheiden  sit 
bit  tragheide  der  ungehorsamkeide  2).  zu  uch  wirt  gerichtet  3)  min  rede  ir 
da  virzigen  hat  ures  eigene  willen  und  dienen  sollint  deme  heiigen  Criste  5 
dem  waren  kuninge  und  infangen  hat  die  starke  wafen  der  gehorsamkeide. 
zu  aller  ersten,  waz  wir  begynnen  gudes  zu  dune,  bydet  in  mit  stedeme 
gebede,  daz  4)  er  an  uch  vollenbrenge,  der  uns  5)  gewirdeget  hat  zu  dune  in 
die  zale  siner  duchtere,  daz  er  an  keinen  ziten  von  uren  ubeln  werken  ge- 
unfrauwet  werde,  want  uns  ist  ime  alle  zyt  von  allen  sinen  guden  also  zu  10 
gehorsame  daz  er  uns  als  ein  irzurnet  vader  sine  dochtere  indrube  noch  als 
ein  irzurniger  herre  sine  böse  dirnen  uns  insende  nit  zu  der  ewigen  pinen, 
obe  wir  ime  nit  volgen  inwollen  zu  der  gnaden. 

Durch  daz  sten  wir  ofen,  vant  die  schrift  wecket  und  sprichit  'iz  ist 
zyt  daz  wir  off  sten  von  dem  slafe'.  Nu  dun  ivir  off  uns  äugen  zu  dem  15 
gotlichym  lichte  und  hören  mit  irvertin  oren  waz  uns  die  gotliche  stymme 
raffende  manet  und  sprichit  'Hude  ob  ir  sin  stimme  horent ,  nit  inbeswerent 
uwer  herze'  und  abov  6)  'der  da  hat  oren  zu  horene  der  höre  waz  der  geist 
der  kristenheide  sage',  waz  sprichit  er?  'kummet,  lieben  kint,  horent  mich, 
gotes  worte  sal  ich  uch  leren.  Nu  laufent  die  wyle  daz  ir  hant  daz  licht  20 
dises  libes,  daz  uch  die  vinsternisse  nit  inbegriffen,  und  unse  herre  suchet 
undir  der  menigen  sinen  wercman,  deme  er  iz  zu  spreche  Sver  ist  der  mensche 


i)   Gewöhnlich  vn,  Jauchen  seltener  vnd,  und  und  unde  2)   v  übergeschrieben  3)   gerichet 

4)  danach  hat  ausgestrichen  5)  sich  6)  ab 


—     2     — 

der  daz  leben  wil  und  geret  ')  zu  sine  die  gude  dage?'  und  obe  du  diz  hörest 
und  anwirthest  'daz  bin  ich',  so  sprichit  dir  got  zu  Svilt  du  han  d«z  ewige 
leben,  so  were  dine  zunge  von  ubele  und  dine  lespen,  daz  sie  inkeine  loisheit 
insprechen.     Abe  kere  dich  von  ubele  und  du  d«z   gude,   vordere  den  frieden 

5  und  folge  im  na,  und  als  ir  diz  gedut,  so  sint  min  äugen  über  uch  und  min 
oren  zu  urem  2)  gebede,  unde  ir  mich  anrufet,  so  sal  ich  gereit  sin',  waz  ist 
uns  suszere,  liebe  3)  sustere,  danne  die  stimme  unsers  herren  der  uns  zu  ime 
ledet?  Er  zeuget  4)  uns  mit  siner  miltekeide  den  weg  des  lebenes. 

Durch    daz    umgorten    wir    unse  lenden   mit  deme  glauben  und  mit  der 

10  ubungen  guder  werke  und  varen  sine  vart,  d«z  wir  in  muzzen  sien  der  uns 
ledet  in  sin  riche.  wollen  wir  wonen  in  deme  gezelde  5)  sines  riches,  wir 
inmogen  dar  nit  kummen  dan  mit  guden  werken.  Nu  fragen  wir  unsern 
herren  mit  deme  propheten  'herre,  wer  sal  wonen  in  dinem  gecelde,  obir  (i°) 
wer  sal  ruen  in  dime  hoyn  berge?'  Nu  vernement  wir  G),  liebe  sustere,  unsern 

15  herren  antwortende  und  uns  zeuginde  den  weg  sins  geceldis  und  alsus 
sprechende  cwer  dar  in  geit  ane  flekke  7)  und  wirket  daz  recht,  der  da  sprichit 
die  warheit  in  sime  hertzen,  der  keine  losheit  inbegeit  mit  siner  zungen,  der 
kein  obil  nit  indut  sime  ebenkristin,  der  kein  idewiz  nit  8)  infint  wieder  sinen 
nesten,  der  den  duvel  mit  aller  siner  obeler  spanungen  versmet  und  verwirfet 

20  von  der  ansichte  sins  herzen,  die  got  vortent  und  irhebent  sich  nit  von  irn 
guden  werken,  danne  waz  gudes  an  yn  ist,  daz  bekennent  sie  unseme  herren, 
der  iz  an  yn  wirkit,  und  lobent  in  mit  deme  propheten  und  sprechent  cNit 
uns,  herre,  nit  uns,  wan  gip  dime  namen  lob  und  ere'.  Alse  sancte  Paulus 
ime    selbe    nit   inbekante  ")    von   siner    predigadyn,    dan    er    sprach  Von  godes 

25  gnadin  bin  ich  waz  so  ich  bin'  und  aber  sprichit  er  cwer  sich  frauwet,  in 
gode  frauwe  sich'.  Hinabe  I0)  sprichit  unser  herre  in  dem  ewangelio  'Der  min 
wort  höret  und  dut  sie,  der  is  gelich  eime  wisen  manne  der  sin  hus  cim- 
mereth  off  dem  steyne.  Die  fluthe  quamen,  die  winde  waten  und  stiszin  an 
d«z  hus,    und  iz    invil    nit,   wan   iz  waz  gevesteget  off  den  stein',     diz  irwullit 

30  got  an  uns  und  warthet  aller  degelich ,  wie  wir  sinen  heiigen  manungen  ant- 
wirten  mit  unsen  werken.  Durch  daz  sint  uns  die  dage  dieses  lybes  zu 
vriste  verlaszen    und    daz   ubele  zu    lazzene,    als    der    apostolus    sprichet    cNu 


I)  gerecht  2)  vremede   (nach    dem  folgenden    Wort  verschrieben)  3)  liebe  doppell 

4)  zuget  5)  gegezelde  6)  vwir  7)  fleckke,    c    iiberpunkliert  8)  me;    oder  lies   nie? 

9)  inbekanten  10)  hin  aber. 


weistu  ')  nit  d<?z  godes  gedult  dich  leidit  zu  beruwenisse  2),  wan  der  milde 
herre  er  sprichet  'Ich  inwil  nit  den  dot  des  sunderes,  wan  daz  er  bekeret 
werde  und  lebe'.  ]\u  wir  gefraget  han,  liebe  sustere,  unsern  herren,  wer 
da  wonen  3)  solle  in  sime  gecelde,  nu  horten  ')  wir  daz  gebot  der  wonungen. 
und  is  daz  wir  irwullin  daz  ambit  des  buwes,  so  werden  wir  erbin  des  hym-  5 
melriches.  durch  daz  bereiden  wir  unser  herze  und  unsen  lichame  zu  dinne 
den  geboden  der  heiigen  gehorsamkeide ,  und  daz  unse  nature  minre  gedun 
mag,  des  bedet  unsen  herren  daz  er  uns  sine  gnade  zu  helfe  sende,  und 
wollin  wir  flieen  die  pine  der  hellen  und  vollenkummen  zu  deme  ewigen 
lebene,  die  wile  wir  die  musze  han  und  in  disem  libe  wonen  und  alle  zyt  10 
die  Stade  han  zu  irwullende  .  .  .  . ,  wie  mir  nu  daz  hie  vollenbrengen  das  uns 
ewecliche  muge  frumen.  Durch  daz  ist  uns  gesatzit  die  regule  des  gotlichen 
dinstes,  da  uns  nit  scharpes,  nit  sweres  an  gesatzit  inist:  dan  kummet  dar 
ein  wenig  getwanges  ane,  alse  daz  recht  gewiset  durch  bezerunge  der  sunden 
und  durch  behaldunge  der  minnen,  des  insollen  wir  nit  uns  so  irveren  daz  15 
wir  flien  den  weg  des  heiigen,  des  mit  eime  eingen  (2»)  anbeginne  zu  be- 
ginnene  ist.  Mit  der  vorderunge  des  lebenes,  mit  deme  off  gedame  herzen 
des  geleuben,  mit  der  unzellicher  suszekeide  der  minnen  uns  ist  zu  gane  der 
weg  des  godes  gebodes,  daz  wir  von  siner  meisterschaffe  nummer  ingescheiden, 
daz  wir  an  siner  lerungen  vollenhirtin  in  deme  clostere  biz  an  den  dot,  und  20 
also  deilheftig  sin  mit  unser  gedult  siner  geduldekeide ,  daz  wir  auch  sines 
riches  semenlich  werden  muszen. 


Du  ebdisse  5)    di    da    wirdig    ist    in   deme    clostere  der  meisterschaffe  6),  II. 
sie    sal   ummer   gehogen    wie  sie  geheizen  sy  und  sal  irwullin  den  namen  mit 
den  werken,  wände  sie  ist  gesatzit  zu  begane  daz  ambet  des  heiigen  Xpristes  25 
so    lanc    sie    geheizin  7)    ist    mit  sime  namen,    also  der  appostolus  sprichit  cIr 
hat  infangen  den  geist  der  irwnsce  der  kinder,  in  deme  wir  rufen:  abba  vader'. 
Durch  daz  insal  sie  nit  über  godes  gebot  leren  ober  setzen  8)   ober   gebiden, 
dan    ir   gebot    und    ir    lerunge   sal    getemperet   werden   in   den    gedenken   der 
jungersen    alse    ein  hebesal  des  gotlichin  rechtes.     Si  sal  ummer  gehogen  daz  30 
sie   ire  lerungen   und   der  jungersen   gehorsamkeide   rede   geben  sal  in  deme 


1)  wistu  2)  berufenisse  3)  wonende  4)  hören  5)  ebisse 

7)  geheiztin         8)  seten  (secen  ?) 


freislichime  godes  orteile,  und  wisze  auch  daz,  d«z  iz  alliz  gezalt  wirr,  an  die 
scholt  der  hirdersen  waz  der  husherre  minre  nuzzes  vinden  mag  an  den 
schaffen.  Aber  also  vil  so  si  fliszes  gekeret  zu  der  ungeduldigen  und  zu 
der   ungehorsamer   herden,     und    also    sie    alle    ir    sorge    gewendet    zu     irren 

5  cranken  werken ,  also  ville  sal  sie  ledig  sin  in  derhe  godes  urteile,  so  sal 
sie  sprechin  mit  deme  propheten  'Din  recht  inverbarg  ich  nit  in  mime  ') 
hertzen,  dine  warheit  und  din  heil  sprach  ich,  und  sie  versmedin  mich',  und 
dan  zu  lezes  sal  die  pine  des  ewigen  dodes  gewalt  han  *)  ober  die 
ungehorsam    schaf. 

10  Durch  d«z  wanne  etliche  infing  den  namen    der   ebdissen,    mit    zweivel- 

diger  lerungin  sal  sie  vor  wessin  iren  jungersen:  alle  Jude  3)  dinc  und  heilige 
dinc  sal  sie  zeugin  me  mit  irren  werken  dan  mit  den  Worten,  d«z  sie  de« 
vernumstigin  godes  gebot  mit  Worten  4)  vor  lege,  aber  den  5)  hartdis  herze  und 
den  einveldigin  mit  den  werken,    und  waz  sie  ir  jungersen  leret  zu  vermiden, 

15  des  insal  sie  selbe  nit  began,  d«z  sie  an  ire  lerungen  berespet  nit  inwerde, 
noch  drtz  got  etwan  zu  ir  nit  spreche  Varumme  vorzaltes  du  min  recht  und 
nimes  min  Urkunde  in  dinen  munt?  Du  hetzte  die  zucht  und  würfe  mine 
rede  hindir  dich,  und  du  da  sege  in  diner  suster  äugen  die  agene,  in  dime 
seges  du  des  balken  nit?'     Sine  sal  nichei«  underscheit    han    der  sustere,    d«z 

so  sie  eine  me  minne  dan  die  andere,  iz  insi  dye  sie  bezer  vindet  in  guden  werken 
und  in  gehorsamkeide.  Die  edele  sal  nit  vor  gesatzit  werden  den  unedelne,  iz  insi 
mit  redelichin  Sachen,  und  ist  iz  daz  dßz  recht  also  gewiset  und  iz  dye  ebdissen  (213) 
gut  dunkit,  so  jpag  sie  iz  wol  dun.  Ist  iz  aber  anders,  ir  ieclich  behalt  ir  stat: 
wände    weder  6)    sie    eigen    aber    vri    si,    wir    sin    alle    ein  7)    in    dem  heiigen 

?5  Criste  und  dragen  geliehen  einen  dinest  under  eime  herren,  wan  iz  inist  keine 
underscheidunge  der  menschen  vor  gode,  dan  in  ein  wis  werden  wir  under- 
scheiden  vor  ime:  wilche  underwunden  wirt  otmodigere  und  in  bezzeren 
werken  dan  ein  andere.  Durch  d«z  sal  ein  andere  geliche  minne  sin  under 
uns     und    eine    zucht     erboden   8)    werden    ieclicher    na    irre    9)     wirdekeide. 

so  J)ie  ebdisse  sal  ummer  an  irre  lerunge  die  gewonheit  des  aposteln  halden 
da  er  sprichit  'berespe,  beide,  schilt',  d«z  ist  d«z  sie  undermengen  sal  die 
bittere  wort  pen  senften.  Sie  sal  zeugen  irn  grimmen  willen  als  du  meisteren, 
irn  senften    willen   also    du    müder,   und  sal  die  unzochtigen  und  die  ungedul- 


1)  mlfne  2)   gewant  3)  iude    nach    iungersen    verschrieben?  4)  vorten  (nach  dem 

folgenden   Wort  verschrieben?)         5)  din         6)  werdent         7)  allein         8)  eboden         9)  irme 


digen  scherpliche  berespen,  aber  die  gehorsamen  und  die  geduldigen  bidden, 
daz  sie  wrbaz  varen  in  den  dogenden.  Aber  die  versumenden  und  die 
versmenden  ')  sal  sie  scheidin  und  kestigen.  Sye  insal  auch  nit  intlichesen 
die  sunden  der  missedungen,  wan  also  schire  so  sie  beginnent  zu  waszene, 
so  sal  sie  sie  uz  reufen  mit  der  worczeln  so  sie  meist  mag,  und  gehuge  des  r> 
freisen  2)  des  pristeres  von  Sylo.  Die  gezogene  und  die  vernumstige  müde 
sal  sie  berespen  mit  Worten  eins  und  anderwerbe  manende.  Aber  die 
harten  und  die  stolzen  und  die  ungehorsamen  sal  sie  twingen  mit  siegen  und  mit 
kestigungen  des  libes  an  deme  anbeginne  der  sunden,  also  do  geschreben  ist 
'Die  dumme  inwirt  nit  mit  Worten  bericht',  und  aber  'Slag  dinen  son  bit  der  10 
rüden  und  so  salt  du  irlosen  sine  sele  von  dem  dode.' 

Dye  ebdysse  sal  ummer  gehogen  waz  sie  ist  und  wie  sie  geheizin  3)  ist, 
und  sal  wiszen,  deme  do  me  bevolen  wirt,  von  deme  wirt  me  geischet.  Sie 
sal  auch  daz  bekennen,  wie  starg  und  wie  ho  ein  dinc  sie  intfangen  hat  die 
seien  zu  berichtene  und  mangere  siden  zu  dinene.  Etliche  sal  sie  berichten  4)  15 
mit  senftekeide,  etliche  mit  scheldene,  etliche  mit  spanene,  und  na  einer  5) 
iclicher  gelegenheide  und  vernumstikeide  sal  sie  sich  in  allen  gebilden  und 
gewugen,  daz  sie  kein  zugenisse  der  bevolenden  herten  indulde,  wan  6)  daz 
sie  sich  in  ire  mersalungen  vrauwe.  vor  allen  dingen  so  inversume  7)  nit  daz 
heil  der  seien  die  ir  bevolen  sint,  Also  daz  sie  mere  sorge  drage  zu  dissen  8)  20 
irdischen  dingen  die  zugengelich  sint,  Dan  sie  denke  ummer  wie  sie  die  seien 
infangen  hat  zu  berichtene,  vor  die  sie  rede  sal  haben,  und  daz  nit  geschul- 
digit  inwerde  von  der  minneren  9)  Sachen,  so  gedenke  waz  da  geschriben  ist 
'Zu  aller  erste  suchet  godes  riche  und  sin  recht,  und  alle  disse  dinc  sollen 
uch  zugewrffen  werden',  und  aber  'Nit  ingebrichit  den  die  got  vochtent'.  (3a)  25 
Sie  wizze  auch  daz  die  da  infingit  die  seien  zu  berichtene,  sie  bereide  sich 
auch  vor  sie  rede  zu  gebene,  und  also  grosze  zale  der  sustere  so  sie  under 
ir  hat  zu  besorgene,  also  vil  bekenne  sich  ane  zwivel  in  deme  urteilis  dage 
gode  10)  rede  zu  gebene  vor  ir  allir  seien  und  danne  vor  ir  selbis  sele,  unde 
halt  ummer  vorte  vor  daz  zucunftige  urteile  des  obersten  hirtin  von  den  be-  30 
volenden  schaffen:  wan  die  wile  sie  angist  hat  vor  die  fremde,  so  sorget  sie 
destu  me  vor  sich  selben,  und  die  wile  sie  nutze  ist  den  andern  mit  irre 
manungen  n),  so  wirt  sie  seibin  gebeszeret  von  irren  sunden. 

1)  versmeden  2)  frissen         3)  geherzit  4)  berichtene  5)  naer  6)  indulge  von 

7)  inversumet  8)  dischen  (nach  dem  folgenden    Worte  verschrieben}  9)  minnen  10)  gude 

1 1)  manugen 


HI-  Also  ')  dicke  so  it  groszliches  ist  zu  dune  in  deme  clostere,  die  ebdisse 

zusamen  lade  alle  die  samenunge  und  kundige  irren  willen,  und  also  sie  ge- 
höret der  sustere  rat,  so  kere  irn  gedanc  darzu,  und  daz  sie  daz  nutzeste 
dunkit,  daz  du.  Durch  daz  sollen  sie  alle  darzu  geladet  werden,  wan  dicke 
s  got  iroffenet  der  jüngeren  daz  des  notzes  ist,  und  sollen  alsus  die  sustere 
recht  geben  mit  omuttekeide,  noch  insollen  nit  gedurren  freveliche  bescirmen 
daz  sie  gut  dunkit,  dan  iz  sal  sten  in  der  ebdissen  wiltcore,  und  waz  sie 
nutzeste  dunket,  des  gehevet  ire,  wan  also  den  jungersen  geciemet  zu  gehor- 
samene  der  meistersen,    also  gezimet  ir  gewerliche  und  rethe  alle  dinc  zu  be- 

10  sezene.  Durch  daz  sollen  sie  alle  in  allen  dingen  nafolgen  der  meisterscheffe 
der  regelen  noch  van  2)  ir  nummer  gescheiden.  Ir  keine  sal  nafolgen  irs 
eigenen  herzen  willen,  noch  ingedurre  3)  frevelichen  streven  mit  der  ebdissen 
innewendich  noch  uszwendich  des  closters,  und  die  4)  diz  versumet,  di  sal 
underligen  der  buzen  5)  al  na  der  regelen.     Aber  die  ebdissen  sie  sal  iz  allez 

15  dun  mit  godes  vorten  6)  unde  mit  guten  ')  der  regeln ,  und  wisze  daz  ane 
zwyvel  daz  sie  von  allen  ieren  urtdeilen  gode  deme  riehen  dumere  rede  geben 
sal.  waz  aber  minre  sachen  zu  dune  ist  in  deme  clostere  nutzeliche,  des 
habbe  ockert  der  altfrauwen  rath,  als  da  gescriben  ist  cAlle  dinc  du  mit 
rate,  dar  na  inberuwet  iz  dich  nit.' 

iv.  Von  den  guden  werken. 

20  Zu    aller   ersten   sal  man  got  mynnen  mit  alme  herzen ,   mit  aller  seien, 

mit  aller  crefte,  dar  na  den  nesten  also  sich  selben,  dar  na  nit  irslan,  nit 
obirhoren,  nit  stelen,  kein  fals  Urkunde  sprechen.  Ere  alle  menschen,  und 
waz  du  wilt  daz  dir  nit  ingeschie,  daz  indu  eime  andern  nit.  Sin  selbes  sal 
man  verleukenen    und   Kriste   nafolgen.      Den    lychame  kestigen,   der  gelüste 

25  nit  gern ,  di  8)  vaste  minnen ,  den  9J  armen  laben ,  den  nakethen  cleiden, 
den  sichen  wisen,  den  doden  begraben,  zu  allen  noten  helffin,  den  swer- 
mutdigen  trusten,  von  werlichen  dingen  (3b)  sich  fremde  machen,  Godes 
mynnen  nit  versetzen,  keinen  zorn  nit  vollenbrengen ,  den  zorn  inkeine 
cit  lü)   behalden,   Bosheit    in    deme   herzen   nit  han,    falsen  frieden  nit  geben; 

30  Die    minne    nit    verlaszen,    nit    sweren,    daz    man    sich   nit   inverswere,   die 

I)     kein   Absatz.  2)  wan  3)  noch    insal  ingedurne         4)    obe    die  5)  uderligen  des 

bozen  6)  Worten         7)  verderbt;  observatione  Ben.         8)  Du         9)  der         10)  in  keinen  eit 


—     7     — 

warheit  mit  herzen  und  mit  munde  vor  bringen,  übel  weder  obil  nit  geben, 
nit  unrecht  dun,  widermude  geduldeclichin  verdragen,  dine72  vinden  minnen, 
den  fluchenden  nit  wieder  fluchen,  wan  J)  den  wyder  segene«,  ungemach 
liden  durch  daz  recht,  Nit  stoltz  wesen,  nit  wingyr,  nit  freislich,  nit  slaferlich, 
nit  triege,  nit  murmelersen,  nit  achtersprechersen,  sine  hoffunge  gode  bevelen;  waz  5 
gudes  an  yme  ist,  daz  bekenne  gode,  nit  ime  seibin.  Den  dag  des  ortdeilis  sal 
man  vochten,  der  hellen  angest  han,  Gern  den  ewigen  lib  mit  geistlicher  gerungen, 
den  dot  allerdegelichen  vor  den  äugen  dragen,  Die  dede  sines  lebenes  alle 
zyt  huden,  vor  war  wizzen  daz  in  unser  herre  2)  in  allen  steden  an  siet.  Die 
ubele  gedenke  de«  herzen  zu  kummende  zu  hant  werfen  an  Krist  und  10 
deme  geistlichen  altherren  3)  offenbaren.  Sinen  munt  vor  bösen  reden  huden, 
vil  zu  sprechene  nit  minnen,  Idele  wort  und  spotliche  nit  sprechen,  grosz 
lachene  und  ungemezze  nit  minnen.  Die  heiige  leczen  gerne  hören,  deme 
gebede  emizliche  anne  stan,  daz  vorgedane  ubil  mit  trenen  und  mit  sufzungen 
alle  dage  gode  in  sime  herzen  und  in  sime  gebede  clagen  und  vorbaz  d<2z  ir, 
ubil  bezzeren,  Die  gerunge  des  fleisches  nit  vollenbrengen ,  den  eigenen 
willen  haszen,  Der  ebdissen  gebode  in  allen  dingen  gehorsamen,  allein  du  sie 
anders,  daz  got  inwolde,  und  gehuge  des  gotlichen  gebodes  cdie  sie  uch 
heiszent  dun,  die  dut,  die  sie  aber  dunt  4),  dine  dut  nit'.  Nit  wollen  heilig 
geheiszen  werden  e  iz  sy,  wan  e  heillig  werden,  daz  man  werliche  spreche.  20 
Godes  gebot  allerdegelich  mit  den  werken  vollinbrengen,  Reinkeit  minnen, 
nyeman  haszen,  zorn  und  nit  vermiden,  Gestride  nit  minnen,  homut  flieen, 
Die  alden  eren,  Die  jungen  minnen,  in  godes  liebe  vor  die  vinde  beden,  mit 
den  missehellenden  czu  friden  kummen  e  die  sunne  under  ge,  von  godes 
barmherzekeide  nummer  missehoffen.  Diz  sint  die  wafen  der  geistelichen  25 
liste,  werdent  sie  von  uns  unverdruszeliche  dag  unde  nach  irvullet  8)  und 
in  deme  urtdeilis  dage  gode  wieder  bekant,  der  Ion  sal  uns  weder  gegebin 
werden  den  got  geboden  hat,  den  nie  äuge  gesach  noch  ore  inhortein  noch 
herze  ingedachte,  den  got  gereicht  hat  den  die  minnent. 

Von  der  gehorsamkeide  6).  v. 

Der  erste  grat  der  otmudkeide  ist  die  gehorsamkeit  7)  ane  wile.     Du  8)  30 
gevellet   allen   den  die  nit  liebers  inhant  dan   unsen  herren  Crist.    Durch  den 


I)  von  2)  unsen  herzen  3)  t  halb  ataradiert  4)    dut  5)  unde  wollet  nach  ir 

6)  die   Ueberschrifl  am  Rande         7)  gehorsämkeit         8)  Do 


heiligen  dinst  den  sie  gelobet  haut  oder  durch  die  vorte  der  hellen  ')  obe 
durch  die  gnade  des  ewigen  libes,  also  schiere  so  in  it  geboden  wirt  von  ire 
meisteren,  d«z  inmerent  sie  nit  zu  erwullene  als  iz  in  von  gode  geboden  sy. 
Von    den    sprechet   unse  herre  'Mit  der  horungen  des  oren  gehorsameden  sie 

&  mir',  und  aber  sprichet  er  zu  den  lereren  'Der  uch  höret  (4a)  der  höret  mich'. 
Dise  alsus  solich  die  ires  eigendummes  und  irs  eigenen  willen  vercient  und 
ledegunt  ire  hende  und  laszent  unvollebracht,  2)  darumbe  daz  sie  bit  gereiden 
wusze  navolgen 3)  der  stimmen  des  gebodes  mit  den  werken,  d<zz  in  einer 
hantwilen    d«z    gebot    der    meisteren    und    die    werch    der  jungersen  mit  snel- 

10  heide  der  godes  vorten  4)  irvullet  werden,  disse  hant  flizze  und  minne  zu 
varene  zu  deme  ewigen  leben.  Durch  daz  grifent  si  den  engen  weg  von 
deme  unse  herre  sprichit  'Enge  ist  der  weg  der  zu  dem  libe  leidet'  d«z  sie 
na  irre  wiltcore  nit  inleven  noch  na  den  gerungen  5)  irs  libes  nit  ingen,  wan 
d«z    sie    under    der    ebdissen    in  den  clostere  wesende  irme  gebode  zu  gehor- 

15  samene  in  allen  ziten  gerecht  sin.  Ane  zwivel,  welche  alsus  ist,  di  navolget  G). 
den  Worten  unsers  herren  da  er  sprichit  'Ich  inquam  nit  zu  dune  minen 
willen,  danne  des  der  mich  sande',  und  disse  selbe  gehorsamkeit  ist  dan  an- 
fenclich  unseme  herren  und  susze  den  luden,  obe  Aaz  gebot  irwullit  wirt  ane 
trachkeit    und    slafheit    und    ane  murmulunge  und  ane  wiederSprache,  wan  die 

20  gehorsamkeit  die  man  der  meistern  irbudet,  die  wirt  gode  gedan,  wan  er 
sprach  'De  uch  höret,  der  höret  mich',  und  mit  gudem  müde  sal  sie  von  den 
jungersen  erboden  werden  7),  wan  den  8)  frolichen  geber  s)  den  minnet  got. 
und  iz  d«z  die  jungersen  gehorsamet  mit  Unwillen  und  beide  mit  munde 
und    mit   herzen    wider   murmelet,    allein    irwullit    sie  d«z  gebot,    iz    ist    doch 

25  gote  undenclich,  der  dßz  unwillige  herze  ane  siet,  und  alsus  umme  gedane  dat 
inirvolget  sie  nit  keinen  Ion,  wan  sie  gewinnet  pine  der  murmelungen,  abe  sie 
mit  ruwen  nit  inbuszet. 


VI. 


Von  der  stille. 


Nu  dun  wir  drtz  der  prophete  sprichit.     Er  sprach   'ich   sal  huden  mine 

wege,    drtz    ich   nit  insunde  mit  miner  zungen.     Ich  satzte  mime  munde  hude, 

30  ich  verstummede  und    wart   geotmutdigit   und  ich  gesweig  von  guden  dingen'. 

1)  die    worte    der    heiigen  2)    yn   vollebrach;    danach    Lücke    (quod    agebant    Ben.)? 

3)  nauolge         4)  Worten  5)  geriten         6)  nauolgent  7)  werde  8)  die         9)  geberde 


Hie  zeugit  uns  der  prophela,  obe  man  von  guden  reden  etvvanne  geswigen 
sal  durch  die  stille  zu  haldene,  michel  me  sal  man  gecessen  von  ubiln  Worten 
durch  die  pine  der  Sunden  zu  virmidi/ze  ').  Durch  daz  wirt  den  dorechtigen 
jungersen  seiden  urlaub  gegeben  zu  sprechene  auch  von  guden  und  von 
heiigen  reden  durch  die  stille  zu  haldene,  wan  ä)  da  gescribin  stet  In  vil-  s 
sprechene  inflies  du  die  sunde  nit',  und  aber  cBeide  dot  und  leben  liget  in 
den  henden  der  zungen'.  Sprechin  und  leren  gecimet  der  meisteren,  swigen 
und  hören  gevellet  der  jungersen,  und  durch  dat  waz  so  nutzlicher  reden 
von  der  mesteren  iz  zu  vorderne,  daz  sal  man  mit  otmudkeide  und  mit 
züchten  suchen,  daz  sie  nit  me  indurste  sprechen  danne  daz  nuzze  sii.  10 
Gerune  3)  und  muzzige  worte  die  den  spot  hebent,  die  verbieten  wir  in  allen 
steden,  und  zu  also  gedanen  reden  instade  wir  (4k)  nit  keiner  suster  den 
munt  off  zu  dune. 

Von  der  otmudkeide.  vir. 

Liebe  sustere,  die  gotliche  schrift   ruft    uns  4)  und  sprichit  'Ein  5)  iclich 
der  sich   irhebit,    der   wirt  genidert  (1),    und  der    sich  genidert  6),  der  wird    ge-  10 
hote'.     So  lanc  sie  diz  sprichet,    so  zeugit  sie  uns,    daz  aller  hande  irhebunge 
des  kunnis  7)  si  der  stultzheide,  von  der  sich  der  prophete  huden  wolde  und 
sprach   'herre,    myn    herze    inwart    nie    irhoet,    noch    myn  äugen  inworden  nie 
irhaben ,    noch    ich    inginc    nit    in    ungezemen    dingen    noch    in    wunderlichin 
dingen  ubir  mich,     waz  dede  ich  dan?   Abe  ich  mich  nit  otmutdige  inversan,  20 
und    ob    ich    irhup    mine    sele,    so   Ion  miner  seien,    Alse    sich  dßz  inspannete 
kint  gehabet  zu  siner  müder'.     Durch  daz,  liebe  sustere,  wolle  wir  gereichen  s) 
die    hoe    der    obersten    otmutkeide    und    snelliche    vollenkumen   zu    der    him- 
melscher   irhoungen,    dar    man   stigen    sal    mit    otmutkeide    disses    gegenwurt- 
digen   libes,    so    wirt  uns    uff  zu  stigene  mit  guden  werken  die  leitere  uff  ge-  25 
rieht,    die   herren    Iacobe  inschein  in  de;«  draume  ü),    da  im  die    engele    nider 
stegende  und  off  stegende  irzeugit  worden.     An  deme  uffstigene  und  an  dem 
nederstigine    der    engele    mögen    wir  ane    zwivel  I0)    daz    verstan    daz  wir  mit 
otmutde  nider  stigen  und  mit  otmutde  off  stigen.     Die  offgerichtge  leitere  daz 
ist  unse  leben  in  dirre  werlde,    daz  mit  otmudigeme  herzen  von  gode  uff  ge-  30 
rieht    wirt   zu   hemele.     Die   zwen    leiternbeume    sint   unse   Hb  und   unse  sele, 


1)  uirmidfe  2)  van  3)  gerume  4)  uus  5)  Eein         6)  gehindert  7)  kvms 

geriehen         9)  dreume  10)  zwiuel  sal  man 


~-    iö   ■— 

de«  unse  herre  manger   hande  sproszen  der  otmudkeide  und  der  zucht  off  zu 
stigene  ane  gesatzt  hat. 

Von  den  Worten. 

Diz  ist  der  erste  grad  der  otmudkeide,  d«z  die  suster  godes  vorte  ]) 
ummer    vor   den    äugen    drage  2),    bit   alle«    flie  3)  vergeszenheit   und    ummer 

5  gehugic  4)  sie  alles  des  got  gebute,  und  darane  denke ,  wie  den  die  got 
versment  5)  die  helle  vor  ire  sunde  gelobet  ist,  und  ummer  in  irme  müde  6) 
drage  2)  dan  den  ewigen  lib  der  den  die  got  vochtent  gereide  ')  ist.  Sie 
hude  sich  alle  cit  von  sunden  der  gedenke,  der  zungen,  der  äugen,  der  hende, 
der  wuzze,  des  eigenen  willen,  und  ile  die  gerunge  des  fleisches  zu  vermidene. 

10  Sie  sal  merken  d«z  sie  von  gode  ummer  und  alle  zyt  beszauwet  wirt  von 
dem  hymele  und  ir  dede  in  allen  steden  gesien  werdent  von  der  anesichte 
der  gotheide  und  gode  von  den  engelen  alle  zyt  gekundigit  werdent.  D«z 
kundigit  uns  der  prophete,  wie  got  unsen  gedenken  ummer  gegeinwordich 
ist  und    sprichit  "Got  er  irsucht  die  herze    und    die  lenden',    und  aber  sprichit 

15  er  cGot  bekennet  die  gedenke  des  menschen  d«z  sie  ydel  sint',  und  aber 
cHerre,  du  s)  bekennes  mine  gedenke  von  verne  9),  und  d«z  der  gedank  des 
menschen  dir  begien  sal'.  Und  daz  die  nutzze  ummer  sorghaftig  si  umb 
idele  gedenke,  so  spreche  in  irme  herzen  'Dan  sal  ich  unbewollen  10)  sin  vor 
gode,  ob  ich   mich  behuden  von  mime  unrechte',     unsen   eigen  willen  ")   wirt 

ao  uns  beweret  zu  dune,  so  die  scrift  suz  uns  sprichit  (5a)  Von  dine?«  willen 
kere  dich',  und  wir  beden  auch  ,2)  unsen  herren  in  unseme  gebede  d«z  sin 
wille  an  uns  gewerde.  Durch  dtfz  werden  wir  geleret  unsen  willen  nit  zu 
dune,  drtz  wir  des  huden  dßz  die  scrift  sprichet  cIz  sint  etliche  wege  die  die 
lüde  gerecht  dunkent  1S),  und  ir  ende  versenket  14)  in    den    grünt    der  hellen.' 

25  und  aber  sullin  uuir  vorhuden  d«z  von  den  versumenden  gesprochin  ist  cDie 
sint  zubrochin  und  verwazentlich  worden  in  iren  gelüsten'.  Durch  Aaz  mögen 
wir  wolle  getruwen  daz  uns  unse  herre  ummer  gegenwortig  ist  in  allen 
gerungen  unses  fleisches,  wan  der  prophete  sprichet  zu  ime  Vor  dir  ist  alle 
myn    gerunge'.     Durch  d«z  iz  uns  zu  vermidene  alle  ubele  gerunge,    wan  der 

30  dot  gesatzit  ist  bi  den  ingang  der  gelüste.    Danabe  gebudet  die  scrift  cDu  in- 


I)  worte  2)  dragen  3)  flisze  4)  gehugit?  5)  versmet  6)  munde 

7)  gereiden  8)    die  9)  verme  10)  unbevolen  11)    willen  wille  12)   vch 

13)  dunket  14)  versenke 


—    11  — 

salt  nit  gan  na  diner  gerunge'.  Durch  d«z  wan  unsers  herren  äugen  be- 
schauwent  gude  und  obele  und  got  von  dem  hymmele  sit  ummer  ubir  die 
menschen  kint,  döz  er  verneme  ob  ieman  vernumstig  ')  si  und  got  suchende, 
und  abe  uns  werk  unseme  scheppere  gekundit  werdent  von  den  engein  die  -0 
uns  gesatzit  sint  zu  huden  dag  und  nacht,  durch  daz,  liebe  sustere,  ist  uns 
vor  zu  warnene,  als  der  prophete  sprichit,  daz  uns  got  an  heiner  zit  nit  insi 
abe  kerende  zu  deme  ubele  und  unnutze  werden,  und  er  uns  danne  schone  in 
dirre  zyt,  wan  er  gnedich  ist  und  unser  beidende  iz,    daz  wir  uns  bekeren  zu 

bezzerne,    daz    er    uns  nit  inspreche  in  deme  zukunftigen  dage   'diz  dedes  du, 

nio 
• 

Daz  iz  der  andere  grad  der  otmudikeide,  daz  irn  eigenen  willen  nit 
gerne  minne,  noch  nit  ingere  zu  irwullene  ir  gerunge,  danne  si  navolge  der 
stimmen  unsers  herren,  der  da  sprichet  'Ich  inquam  nit  zu  dune  minen  willen, 
dan  des  der  mich  santte.  Der  wille  machet  die  pine,  die  notdorftikeit  ge- 
winnet die  crone'.  TerciwS.  Daz  ist  der  dritte  grad  2)  der  otmutkeide,  in 
daz  die  suster  durch  godes  minne  underdenig  si  irre  meisterschefte  mit  aller 
gehorsamkeide  und  navolge  3)  den  herren  von  dem  gescreben  ist  'Krist  wart 
gehorsame  sime  vadere  biz  an  den  dot\  QuartuS.  Daz  ist  der  virde 
grad  der  otmutkeide,  daz  sie  in  der  selben  gehorsamkeide  bit  stillicher  sam- 
witzkeide  gedult  hat  ingegen  4)  allen  wederwurdigen  dingen  und  weder  alleme  20 
unrechte  daz  ir  gedan  wirt,  noch  daz  sie  an  der  geduldikeide  nit  inslafe  noch 
van  5)  ir  nit  inscheide.  die  scrift  also  sprichit  'Der  da  hyrtet  biz  an  daz  ende, 
der  sal  genesen',  und  aber  'Gesterket  werde  din  herze  unde  dulde  unsen  herren'. 
und  abir  zeugit  die  scrift,  daz  der  selige  mensche  sulle  verdulden  alle  weder- 
wurdekeit  durch  unsen  herren ,  und  sprichit  vor  die  geduldigen  'Durch  dich  25 
werden  wir  irslagen,  (5b)  degeliches  wir  sin  geachtet  also  die  schafe  die  zu 
slane  gereit  sint',  und  die  seligen ,  die  sicher  sint  von  der  hoffungen  des  wir- 
digen  lones,  sie  frauwen  sich  und  sprechent  'In  allen  dissen  dingen  ubirwinden 
wir  durch  den  der  uns  minnede'.  und  in  einer  andern  stat  sprichit  die  scrift 
'Herre,  du  hast  uns  besucht,  du  hast  uns  gelutert  in  deme  füre,  als  daz  silber  30 
gelutert  wirt.  Du  hast  uns  geleidet  in  den  strig,  du  hast  gesatzit  die  quäle 
off  unsen  rucke',  und  daz  sie  gezeuge  uns  under  der  meistern  zu  wesene,  so 
sprichit  sie  aber  'Du  hast  die  menschen  gesatzit  ubir  unse  heubit'.  Durch 
daz,    du    da   irvullin   wilt    godes   gebot,    unrech   und    wedergemude   duldene, 


[)  vemunstig         2)  rad         3)  na  volgen         4)  hant  ingangen         5) 


—     12     ^ 

wirt  sie  geslagen  an  einen  backen,  sie  budet  auch  den  andern ;  wer  ir  nemet 
den  rok,  sie  budet  im  auch  den  mantel;  wirt  sie  betwungen  eine  mile,  sie 
geit  andere  zwo;  und  bit  deme  apostolo  Paulo  duldent  sie  falsche  sustere, 
und  deme  fluchenden  wieder    fluchent  sie  nit.     Def   IUIllte.      Daz    ist    der 

■>  fünfte  grad  ])  der  otmutkeide  2),  d«z  sie  alle  ubele  gedenke  irme  herzene  zu 
kummende  und  alle  virholne  missedat  bit  otmudger  bigithe  ir  ebdissen  nit 
inverhele,  als  uns  die  scrift  trostit  und  sprichit  'Iroffene  gode  dinen  weg  und 
hoffe  an  in',  und  aber  'Begiet  3)  gode,  wan  er  ist  gut,  wan  sine  erbarmherzekeit 
wert    an    daz  ende',    und  aber  sprichet  der  prophete   'Dine  sunde  det   ich  dir 

10  kundig  und  min  unrech  inverbarg  ich  nit.  Ich  sprach  'ich  sal  gode  begene 
min  unrecht  wider  mir,  und  du  virlizes  mir  die  bosheit  mines  herzen.'  VI. 
Diz  ist  der  seste  grad  der  otmutkeide,  daz  die  suster  sich  zele  undure  und 
versme,  und  ir  d«z  genüge,  und  daz  sie  sich  in  allen  den  dingen  die  ir  geboden 
werdent  zu  eime  undureme  wergwibe  *)  bezele,    und  spreche    mit   deme   pro- 

is  pheten  'Zfi  nichte  bin  ich  worden  und  ich  inwistiz  nicht.  Als  ein  ve  bin  ich, 
herre,  worden  vor  dir,  und  ich  bin  iedoch  ummer  mit  dir'.  VII.  Diz  ist  der 
sehende  grad  der  otmutkeide ,  daz  sie  sich  nit  alleine  bit  der  züngen ,  dan 
auch  mit  alme  herzen  bekenne  undure  und  nidere  vor  den  andern,  und  otmut- 
dige    sich    und    spreche    mit  deme  propheten    'Ich    bin    ein  worm  und  nit  ein 

20  mensche ,  edwiz  der  lüde  und  verwurfnisse  des  Volkes.  Ich  waz  irhaben  und 
bin  genedert  und  geschant'.  und  aber  'herre,  iz  ist  mir  gut  daz  du  mich 
genidert  hast,  daz  ich  lerne  dine  gebot'.  VIII.  Daz  ist  der  achte  grad 
der  otmudkeide,  daz  die  suster  nit  indu  dan  5)  daz  die  gemeine  e)  regele 
des    closters    und  die  vorbilde  der  obersten  manet  zu  dune.    Villi.    Daz   ist 

2".  der  nunde  grad  der  otmudkeide ,  daz  sie  ire  zunge  bewere  zu  sprechene 
und  die  stille  halde  und  nit  inspreche  danne  gefraget,  wan  die  scrift  sprichet 
'In  manigfeldigem  sprechen  influet  man  der  Sunden  nit,  und  der  cleffesche 
man  wirt  nit  berichtet  off  der  erden'.  X.  Daz  ist  der  zehende  grad  der 
otmutkeide,    (6a)    daz    sie    nit   lichte    insi   noch    gereit   zu    lachene,     wan    da 

30  gescriben  stet  'Der  dumme  irhebet  mit  lachene  sine  stimme'.  XI.  Daz 
ist  der  eilfte  grad  7)  der  otmudkeide,  daz  die  suster,  so  sie  sprechen  sal, 
mit  otmutkeide  und  mit  ernste  s)  senfteclichen  und  ane  spot  redeliche  wort 
und    unmaniche  9)    spreche  10),    und    nit    mit    rufelicher   stymmen,    wan    alsus 

i)  rad,  g  übergeschrieben  2)  otmukeide,  t  übergeschrieben  3)  Beiget  4)  vndereme 

wergwe  5)  dz  6)  gemine  7)  rad,    g  übergeschrieben  8)   erste  9)  ane  maniche 

10)  sprehen,   c  übergeschrieben 


—     13     — 

gescrieben  ist  'Der  wise  wirt  bekant  mit  uwmanechen  worten'.  XII.  Daz  ist 
der  zwölfte  grad  der  otmutkeide,  d«z  sie  nit  alleine  bit  deme  herzen,  dan 
auch  mit  geberden  des  libes  die  otmudkeide  den  andren  zeuge.  daz  iz  in 
werken,  in  gebede,  in  dem  munstere,  in  garten,  in  wege,  in  velde  aber 
wo  sie  sy,  sitzenne,  gande,  stände,  si  sal  ummer  bit  geneugeti/«  heubte  und  ■• 
die  äugen  zu  der  erden  gekeret  sin  und  sich  schuldig  bekennen  alle  zyt  von 
iren  sunden.  sie  sal  sich  geinwordich  wizzen  de;«  vochlicheme  godes  ort- 
deile,  und  sal  sprechen  in  irme  herzen  daz  der  publicanus  mit  genedirtin 
äugen  zu  der  erden  in  dem  ewangelio  sprach  'herre,  ich  sundich  mensche 
inbyn  nit  wert  myn  äugen  off  zu  hebene  zu  hymmele',  und  sprach  aber  10 
mit  deme  propheten  'Ich  bin  gecrummet  l)  und  genedert  allenthalben',  wanne 
die  suster  alle  disse  grede  der  otmutkeit  off  gestiget,  dan  vollenkummet 2)  sie 
zu  der  mynnen  unses  herren  zu  der  durnechtiger  minnen  die  die  vorte  3) 
uz  verdribet.  Byt  der  seibin  minnen  beginnet  sie  zu  hudene  ane  alle  arbeit 
mit  gewonheide  alle  die  gebot  die  sie  ie  hilt  nit  ane  vocht,  wan  sie  ge-  ir> 
winnet  von  der  gewoneden  gude  gerungen  der  dogende,  nit  von  vochte 
der  hellen,  dan  von  vocht  und  von  minnen  unses  herren,  die  er  an  sinew 
wercwibe,  die  er  gereinigit  hat  von  sunden,  mit  deme  heiligeme  geiste 
iroffenen    sal. 

Der  prophete  sprichit  'Sebinwerbe  in  deme  dage  lobete  ich  dich,  herre'.  XVI. 
Der  heiige  sebenfaldige  rume  4)  sal  von  uns  irwullit  werden,  daz  wir  die 
ambt  unses  dinstes  irvollen  zu  der  metten  und  zu  der  primen,  tercien,  sexten, 
nonen ,  vesperen  und  completen ,  wan  5)  von  dissen  geziden  sprichit  der  pro- 
phete 'Sebenwerbe  in  dem  dage  lobede  ich  dich,  herre',  und  von  der  metten 
sprichit  der  selbe  prophete  'Ich  stund  off  zu  der  mitternach  zu  lobene  dich,  2» 
herre'.  Darumme  in  dissen  ziden  sullen  wir  loben  unsen  scheppere  ubir  die 
urtdeile  siner  rechtekeide. 

Von  gots  dineste.  xix. 

XJvir    gelauben   daz   godes  gegenwortkeit   allenthalben  si  und  sin  äugen 
in  allen  steden  ane  sin  gude  und  ubele,  und  iedoch  ane  zwivel  aller    meist  so 
wir  zu  godes  dinste  sten.     Durch  daz  sollen  wir  ummer  gehugen  des  daz  der  30 
prophete  sprichit'  Dienet  gode  mit  vochten'  und  aber  'Singet  wislich'  und   'in 

1)  gecrumet        2)  willen-        31  die  ddie  worle        4) 


—     14     — 

der  anesichte  der  engele  loben  ich  dich,  herre'.  Durch  daz  merken  wir,  welich 
wir  wesen  sullen  in  der  anesichte  der  gotheide  und  der  ')  engele,  und  sten 
wir  also  zu  singene  daz  unse  gedank  sammenhelle  unser  stimme. 


öo  lanc  so  wir  mit  geweidigen  luden  inkeyne  sache  werben,  danne  nit 
5  irbalden  wir  dan  mit  otmudkeide  und  mit  züchten.  2)  michel  me  sollen  {&>) 
wir  gode  fleen  mit  otmutkeide  und  mit  reinekeide  und  wizzen  daz  daz  er 
uns  gehöret  nit  in  vilsprechene  s),  wan  mit  reinekeide  des  herzen  und  in  ruen 
der  trene.  Durch  daz  sal  unse  gebet  cusz  und  reine  sin,  yz  inwerde  dan  er- 
lenget  von  demme  geiste  der  gotlicher  gnaden.  Iedoch  in  deme  convente  sal 
10  iz  gecurziget  werden ,  und  sollen  alle  uff  stan  egelich  zu  deme  zeichen  der 
pn'olsen. 

xi.  Von  den  dechenen. 

Ist  die  samenunge  it  grosz,  so  kise  man  under  in  sustere  gudes  4)  urkundes 
unde  5)  gudes  lebenes,  und  die  werden  gesatzit  zu  dechene,  die  ummer  sorge 
haben  in  allen  iren  ambeten  al  na  godes  gebode  6)  und  der  ebdissen  ').     Die 

15  sal  man  alsolich  kiesen  daz  die  ebdisse  ire  bürden  sicherlich  under  sie  deile  8). 
Noch  die  insullen  nit  gecorn  werden  na  ordine,  danne  na  wirdekeide  irs  lebenes 
und  na  wisheide  irre  lerungen,  und  iz  daz  ir  keine  mit  stolzheide  sich  irhebet, 
die  sal  man  berespen  zwirnt  und  dritwerbe,  und  inwilt  sie  sich  nit  beszern, 
man  insezze  sie  und  setze  ein  andere  in  ire  stat,  die  des  wirdic  sy,    und  also 

20  du  man  auch  von  der  probsten. 

sii.  Vo«  slafene. 

Sunderliche  sollen  sie  off  irren  betten  slafen,  und  iren  bettegewant  sollen 

sie   haben    alse   die    ebdissen    gesetzet  na  der  maszen  irs  lebenes.     Sie  sollen 

alle    in   einer   stat   slafen,    ob   iz  wesen  mach.     Ist  aber  die  menige  groz,   so 

slafen  zegene  oder  zwenczig  bit  etlichen  altfrauwen,  die  obir  sie  sorge  haben. 

25  In  deme  slafhuse  sal  eine  kyrce  burnen  biz  an  den  morgen.     Gecleidet  sollen 


l)  under  2)  zuchen  3)  inwil  sprechene  4)  godes  5)  vndes  6)  gebodes 

7)  ebissen         8)  deilen 


—     15    — 

sie  slafen  und  gegortet  bit  gorteln,  und  kein  meszer  insollen  sie  by  yn  han, 
daz  sie  slaffent  gewundet  nit  inwerden,  und  daz  sie  ummer  gereit  sin  ane 
merrunge  zu  deme  zeuchene  off  zu  stane  und  ir  ielich  ile  vor  die  andere  zu 
godes  werke  mit  ernste  und  mit  gudekeide.  Die  junge  sustere  inhaben  kein 
bette  by  einandere,  danne  undermenget  mit  den  altfrauwen,  und  alse  sie  off  5 
Stent  zu  godes  werke,  ein  ieclich  mane  die  andere  und  wecke  sie  von  dem 
slaffe. 

Von  dem  vreden.  xxih 

Obe  keine  sustere  werde  ober  ungehorsam  ober  stoltz  oder  murmellene 
oder  in  keinen  dingen  wederwurdich  wesende  die  heiige  regele  ])  unde  die  ge- 
both  der  altfrauwen  versmet,  die  sal  gemanet  werden  al  na  godes  gebothe  10 
eines  und  aber  geswesliche  2)  von  den  altfrauwen.  Inwilt  du  iz  nit  beszeren, 
so  sal  iz  berufen  werden  offenbare  vor  in  allen,  und  abe  sie  sich  noch  dan 
nit  inbezzereth,  und  obe  sie  doch  wolle  versteit  waz  buszen  dar  na  folget, 
so  sal  man  sie  scheiden  von  der  gemeinschafte.  wil  sie  aber  vollenhyrten, 
so  sal  man  sie  kestigen  an  deme  lybe.  15 

Von  der  lichten  schult.  XXIV 

Na  der  maszen  der  schulde  sal  die  masze  gedan  3)  werden  der  uszschei- 
dunge  und  der  kestiungen,  und  die  mazze  der  schulde  sal  stan  in  ortdeile 
der  aptissen.  und  iz  daz  etliche  funden  wirt  in  lichteren  schulden,  die  werde 
gesunderet  von  der  samendeilungen  des  (7a)  disches  *),  und  der  sal  daz  gesatz 
werden,  daz  sie  in  deme  core  noch  salm  noch  antiphene  an  inhebe  noch  letze  20 
inlese,  biz  sie  gebuzzet.  Noch  irre  libnarunge  insal  sie  nit  nemen  wan  alse 
die  andere  sustere  geszen  hant.  Ezzent  sie  zu  sexten,  so  neme  iz  zu  none, 
Ezzent  sie  zu  nonen,  so  neme  iz  zu  vesperen  alse  lange  biz  sie  mit  der  buzzen 
gnaden  irvolgit. 

Von  der  grozzew  schult.  xxv. 

Die    suster   die    mit   meren  schuldin  behabet  wirt,  die  sal  man  scheiden  2:, 
beide  von  deme  dische  und  von  dem  core.     keine  sustere  insal  ir  zu  gevuget 


1)  regele  die  heiige  2)  geswegliche         3)  gedanen         4)  diches,  s  übergeschrieben 


—      16     — 

werden  noch  in  geselschafte  noch  in  sprechene.  Sie  sal  alleine  sin  zu  deme 
werke  daz  ir  gesaczit  ist  und  sal  vollenhyrten  in  der  weinungen  des  berunisses 
und  vochten  die  freisliche  rede  des  aposteln  der  da  gebildet  daz  man  soliche 
gebe  deme  duvele  zu  quelene  daz  fleisz,  daz  der  geist  behalden  werde  an 
s  deme  dage  unsers  herren.  Die  labunge  der  spisen  sal  sie  alleine  nemen  na 
der  maszen  und  in  den  stunden  als  ire  die  ebdissen  gesezzet.  von  keiner  sal 
sie  gesenit  werden  die  vor  sie  geit  noch  die  spise  die  man  ire  gebet. 

xxvi.      Von  den  die  sich  zu  wugettt  den  uz  gescheidenen. 

"Virsumet    keine    sustere   sich    ane    gebot   der    ebdissen    sich    zu    yre    zu 
gefugene    mit   sprechene    oder    mit  keinen  dyngen  zu  gesellischeffe  '),   die  sal 
10  geliche  wize  liden. 

xxvn.  Wie  die  ebdissen  sorgsemig  solle  sin  um  die  misseduftden. 

Mit  allem  flize  sal  die  ebdissen  sorge  haben  umbe  die  missedunde 
sustere,  wanne  des  arzides  inist  keine  notdurft  den  gesunden,  wan  den  sichen. 
Durch  daz  sal  sie  dun  alse  der  wise  arzath  und  sal  ir  zu  senden  wise  aide 
frauwen,    die   sie    geswesliche  2)    trösten    in    irre  myssedede  und  irmane  sie  zu 

15  bekentnisse  der  otmudkeide  und  getrosten  sie  also  daz  sie  mit  missetroste 
virloren  nit  inwerde,  danne,  als  der  appostolus  sprichit,  d«z  die  minne  in  ir 
gevestenet  werde  und  d«z  gebethet  werde  vor  sie  von  in  allen.  Die  ebdisse 
musz  des  grosze  sorge  haben  und  sal  d«z  mit  groszeme  sinne  und  mit  wis- 
heide    bewaren,    döz    sie   der  bevollender  schafe  keine  invirliese,    und  bekenne 

20  d«z  daz  sie  sorge  intfangen  hat  der  sicher  seien  und  ubir  die  gesunden  keine 
grimheit,  und  vochte  auch  die  drauunge  des  propheten,  durch  den  unse  herre 
sprichit  'Daz  ir  veizet  saget,  daz  namet  ir,  daz  da  crank  was,  daz  verworfit 
ir',  und  navolge  deme  guden  bilde  des  milden  hirten,  der  da  liez  nun  und 
nunzig   schaf  in    den    bergen   und  ging  suchen  ein  schaf  daz  da  verlorn   waz. 

25  Des  irbarmete  er  sich  also  daz  er  iz  off  sine  heiige  assele  lachte  und  weder 
zu  den  herten  bracht. 

xxvm.  \on  den  die  dikke  berespet 3)  werdest. 

Obe  irne  ein  suster  dicke  berespit  wirt  umme  ir  schulde  oder  geschei- 
den   von   der  gemeinden  und  sich  nit  beszeren  inwil,    so  musz  man  sie  scher- 

I)  geselli8cheffe     2)       geswegliche         3)  berespet 


—     17     — 

pelichen  berespen,  daz  sal  syn  (7b)  mit  siegen  der  bessemen,  und  obe  sie  sich 
noch  dan  nit  inbezzeret  und  sich  in  stoltzheide  irhebet  und  ir  unrech  be- 
schirmen wilt,  so  du  die  ebdisse  als  ein  wise  arcetisze.  Obe  sie  sie  gebeit 
hat  mit  manungen  und  gesalbet  mit  gudeme  tröste  und  gearzediet  mit  der 
heiigen  scrifte  und  zu  lezzes  gebrant  mit  der  uzscheidungen  J)  und  mit  den  5 
siegen  der  besemen  und  sie  dan  siet  2)  daz  al  ir  fliz  nit  inhilfit,  so  du  dan 
daz  aller  oberste  dar  zu,  daz  iz  ir  selbes  gebet  und  alle  3)  ir  sustere  vor  sie, 
durch  daz  daz  unse  herre,  der  alle  kint  macht,  sine  gnade  an  der  sicher 
suster  wyrke.  und  ist  iz  daz  sie  noch  alsus  gedane  wis  nit  geheilit  inwirt, 
so  sal  die  ebdissen  an  ir  nuzzen  die  wafen  der  abesnidunge,  alse  der  10 
apostolus  sprichit  'Nemet  von  uch  daz  ubele',  und  aber  'Obe  die  obele  und 
die  ungelaubige  4j  abe  scheidet  5),  scheide  abe,  daz  ein  sich  schafe  alle  die 
herte  nit  inbewelle'. 

laufent  °).  xxix. 

Obe  ir  keine  7)  suster  durch  ir  schult  uz  geit  obe  verstoszen  vvirt  von  dem 
clostere,  und  iz  daz  sie  weder  keren  wil,  sie  gelobe  aller  erst  alle  bezzerunge  15 
vor  die  messedat  dar  umme  sie  uz  gevarn  waz,  und  alsus  werde  sie  weder 
intfangen  in  deme  nidersteme  grade,  daz  ir  otmutkeit  da  mede  geprufet 
werde,  und  kummet  iz  also  daz  sie  aber  zugeit,  man  sal  driwerbe  weder 
intfain,  und  sider  wisze  daz,  daz  ir  alle  ir  wederkerunge  virsaget  wirt. 

V<m  den  kinden.  xxx 

.Aller  hande  alder  und  aller  hande  Vernunft  sollen  ir  rechte  masze  haben.  20 
Durch    daz   also  dikke  so  die  junge  sustere  ober  die  nit  inwiszen,    wie  grozze 
die    wize   sy    der    uzscheidungen  ")    von    der    gemeinden,    also   dise  gesundent, 
so  sal  man  sie   buzzen    antwir  !')  mit    grozzer    vasten    oder   mit   scharpen    be- 
semenslegen,  daz  sie  gebezzereth  werden. 

Von  der  kelnersen.  xxxi. 

Du    kelnersen    des    closteres    sal    gecorn    werden    von    der    samenungen  20 
wise   und    guder   sidde,    reine    und    cusche,    nit    homudig,    nit    betrubelich,    nit 

1)  uz  scheiungen  2)  seit         3)  lies  aller?  4)  vngelubige  5)  abeschidel         6)  laufe 

t 
7)  lies  inkeine?         8)  uzscheiungen  9)  anwir 

3 


—     18     — 

Wedermudich,  nit  trege,  nit  suinde,  danne  got  vochtende,  die  aller  der  same- 
nungen  sy  als  ein  müder.  Sie  sal  besorgen  alle  dink.  ane  geboth  der  eb- 
dissen  insal  sie  nit  dun.  daz  ir  geboden  wirt,  d«z  behude.  Sie  insal  die 
suster  nit  irzurnen.  Obe  etliche  suster  von  ir  unredeliche  it  geische  '),  si 
5  insal  sie  nit  smeliche  bedruben,  wan  die  redeliche  mit  otmutkeide  versagen. 
Ir  seien  sal  si  huden,  und  ummer  sal  sie  gehugen  daz  der  apostolus  sprichet 
'wer  da  wole  gedinet,  der  gewynnet  eine  2)  gude  stat'.  Der  sichere,  der 
kinde,  der  geste  und  der  armen  sal  sie  mit  allem  flize  plegen,  und  daz  ane 
zwivel  wizzen  daz  sie  vor  diz  allez  rede  geben  sal  in  dem  dage  des  ortdeiles. 

io  Alle  die  vaz  und  die  habent  des  closteres  sal  sie  geheiliget  wizzen  alse  die 
vas  des  altares.  Sie  insal  iz  nit  wenen  zu  versumene,  noch  sie  insal  nit 
fliszic  sin  zu  girheide  noch  die  habent  des  closteres  nit  verdun,  dan  alle 
ding  sal  sie  na  mazzen  handelen  al  na  gebode  der  (8a)  ebdissen.  Vor  alle 
dink   sal   sie    otmutkeit   han.     hat   sie   auch    nit   der  hebede  zu  gebene,  gebe 

15  gut  antworte,  als  da  gescriben  3)  stet  'Gude  rede  ist  bezzer  dan  keine  gebe', 
waz  ir  die  ebdissen  bevelet,  daz  habe  under  irre  sorgen,  und  waz  ir  verboden 
wirt,  des  underwinde  sich  nit.  Sie  sal  den  susteren  ir  gesatzte  probende  ane 
wedersprache  bereiden,  daz  sie  nit  betrübet  inwerden,  und  sal  gehugen  unsers 
herren    Wortes,    waz    der    verdienet   der   da    betrübet    einin    der   wenigere.     Iz 

20  daz  die  samenunge  merre  wirt,  so  sal  man  ir  helfe  geben,  daz  sie  mit  senf- 
teme  müde  ir  ammet  irvollene  mögen.  Zu  vellichen  4)  ziden  sal  man  geben 
waz  da  zu  gebene  ist,  und  bidden  waz  da  zu  beddene  ist,  daz  niman  bedrubet 
inwerde  in  dem  godes  huse. 

xxxii.  Vora  der  hebende. 

Jjye  habet  des  closters  beide  an  gezogen  und  anne  gewande  und  ane 
25  aller  hanne  dingen  bevele  die  ebdissen  susteren  von  dere  gudeme  lebene  und 
guden  seden  sie  s)  sicher  sy,  und  gebe  iz  in  als  iz  nuzze  sy  zu  behudene 
und  weder  zu  samene.  Hynabe  sal  die  ebdissen  einen  brif  han,  umme  daz 
obe  6)  eine  sustere  abe  ge  und  ein  andere  zu  kumme,  daz  sie  wizze  waz  sie 
gebe  intfae,  und  iz  daz  ir  keine  unschöne  und  versumeliche  des  godes  huses 
30  gut  handelet,  man  sal  sie  berespen,  und  beszeret  sie  sin  nit,  so  musz  sie  ge- 
zuchtiget  werden  al  nä  der  regulen. 


i)  geschge         2)  eine  eine         3)  gescribet         4)  welichen         5)  vii         7)  obe  obe 


—     19     — 
Von  der  eigenscheffe.  xxxm. 

Allermeist  iz  die  sunde  bytalle  zu  virmidene  und  uz  von  dem  clostere 
zu  virdribene,  daz  keine  suster  it  neme  oder  gebe  ane  gebot  der  ebdissen, 
obe  it  eigendummis  habe  in  keiner  hande  dink,  noch  buch  noch  tafole  noch 
griffel  noch  bytalle  nicht,  den  joch  ir  lip  noch  ir  eigen  wille  ist  in  irre  ge- 
welde  zu  habene.  Alle  irre  notdurfte  sollen  sie  warten  von  irre  müder.  5 
Nit  insollen  sie  han  wan  d«z  in  die  ebdissen  gebet  oder  gehenget.  Allez  sal 
iz  in  in  gemeine  sin,  noch  ir  keine  insal  nit  eigenliches  han.  und  wirt  ir 
keine  bit  dirre  sunden  begriffen  und  swerent  dar  umme  iemant  ') ,  inwil 
sie  iz  nit  bezzeren,  so  sal  man  sie  dar  umme  zuchtegen. 

Döz  maw  ielichim  syn  notclurft  sal  geben.  xxxiv. 

Iz  ist  gescriben  von  den  aposteln  'Man  deilite  in  sunderlichen  also  ir  10 
ieclicheme  noth  waz'.  Na  dissen  dingen  insal  man  nit  mirken  der  herheit 
noch  der  niderkeit,  wan  2)  ir  ielicher  crankkeit.  Die  iz  da  minre  bedarf,  sie 
'lobe  got  und  inunfrauwe  sich  nit.  die  iz  aber  me  bedarf,  die  otmutkeide 
sich  von  irre  crankheide  und  inthebe  sich  nit  von  der  gnaden,  und  alsus 
sollen  sie  alle  in  frieden  wesen ,  und  in  diesen  dingen  insal  keine  mur-  is 
melunge  uwzme  keiner  slachte  3\  weder  in  Worten  oder  in  geberden,  an  yn 
erschinen.  und  wirt  ir  keine  da  mide  begriffen,  die  sal  man  dar  umme 
zuchtigen. 

Diz  iz  von  dinene.  xxxv- 

Die  sustern  sollen  in  undir  ein  dienen,  noch  ir  keine  in  sal  sich  inschul- 
digen von  deme  dineste  der  kuchenen,  sine  sie  sich  in  etlichen  notdurften  20 
bekumberet:  wanne  da  mede  gewynnent  sie  groszen  Ion  und  mynne.  Den 
cranken  susteren  sal  man  helf  geben  (8b),  d«z  siz  ane  unfreude  gedun  mögen 
und  ir  ielich  habe  4)  helfe  na  der  mazen  der  samenungen.  Ist  die  samenunge 
grosz,  die  kelnersen  si  ledig  von  der  kuchenen  und  die  an  merreme  notze 
bekumberet  sint.  Die  andere  dinen  under  ein  mit  mynnen.  wilche  ir  die  *» 
woche  vollenbrenget,  des  samsdages  5)  sal  siz    allez    rein    machen,     die   twelen 

1)  unverständlich;  der  lat.  Text  lautet  quodsi  quisquam  huic  nequissimo  vitio  deprehensus  fuerit 
delectari  2)    von  3)     kenerslaste  4)    hafe    {nach    dem  folgenden    Wort    verschrieben) 

5)  samsdages 

3* 


—     20     — 

da  sie  sich  an  druckent  sal  sie  weszen.  Beide  die  da  usz  geit  und  die  da 
in  geit,  sie  sollen  allen  den  susteren  ir  wusze  twan.  Alle  die  vaz  die  zu  deme 
dieneste  gehorent,  die  sal  si  alle  gantz  und  reine  der  kelnersen  off  antwurten, 
und  sie  sal  sie  bevelen  der  die  da  in  geit,  daz  sie  wisze  waz  sie  gebe  und  waz 

5  sie  intfae.  Die  wochenersen  sollen  nemen  e  ezzenes  zyt  ane  ir  probende 
brot  und  drinken,  daz  sy  den  susteren  gedienen  mögen  ')  zu  revenere  ane 
murmelungen  und  ane  arbeit.  Aber  in  den  hochgeziden  sollen  sie  dulden  biz 
zu  dische.  Die  wochenersen,  beide  die  da  in  geit  und  die  da  uz  geit,  sie 
sollen  des  sunnedages  na  mettenen  in  dem  core  dur  2)  nider  vallen  und  sollen 

in  beden  s)  vor  sie  beden.  und  die  da  uz  gent  von  der  wachen,  die  sollen  disen 
vers  sprechen  'Benedictus  es,  domine  deus,  qui  adiuvisti  me  et  consolatus  es 
me\  Als  diz  driuerbe  gesprochin  ist  und  sie  die  segenunge  intfet4),  so 
kume  die  in  gande  und  spreche  disen  vers  "Deus  in  adiutorium  meum 
intende',    und   alse    daz    dristunt    gesprochin    ist,    so    intfae    die    segenunge 

l-i  und  ge  in. 

xvi.  Diz  ist  vom  den  sichen. 

Der  sichen  suster  sal  man  vor  allen  dingen  wol  plegen  und  sal  in 
dinen  gelich  alse  dem  heiigen  Xpriste,  wan  er  zu  letzen  sprechen  sal  'Ich 
waz  siech  und  ir  wistet  5)  mich,  und  waz  ir  dadet  einre  der  minsten,  d«z 
dadet  ir  mir',     und  selbe  die  sichen  sollen  myrken  daz  man  in   dienet   durch 

20  godes  ere,  und  insollen  die  sustere  die  in  dinent  nit  besweren  mit  keiner 
uberenzikeide,  und  jochwes  sie  mudent,  daz  sal  man  geduldecliche  verdragen, 
wanne  hie  midde  gewinnet  man  grozzen  Ion.  Durch  daz  sal  diz  die  ebdissen 
besorgen,  daz  sie  keinen  brechen  indulden.  Den  selben  sichen  susteren  .  .  .  6) 
sezzen  eine  die  got  vochte  und  mynne.     Doch  sal  man  in  reden  7)  also  dikke 

25  so  siz  bedorfen,  und  den  gesunden  und  aller  meist  den  jungen  vil  seiden. 
Den  sichen  und  den  cranken  sal  man  fleis  irleuben  durch  daz  daz  sie  sich 
irkoberen.  Alse  sie  aber  gesunt  werdent,  so  inthalden  sie  sich  aber  von 
fleische  na  irre  gewonheide.  In  allen  disen  dingen  sal  die  ebdissen  sorge 
han,    daz    die   sichen    noch    von    der   kelnersen  noch  von  den  dinstfrauwen  nit 

3°  versumet    inwerden,   wanne   waz    da    missedan    wirt,    daz    geit    allez  wider  zu 


I)  möge  2)  lies  dar?  3)  =  bidden  4)  intfent  5)  wiset  6)  =  sit  cella  se 

deputata    et   servitor    timens    deum  et   diligens    ac   sollicitus  7)  lies    sie  baden    (=  balpearum 

usus  offeratur). 


—     21     — 

ir    wert.     Dye  ')    vil    aide    frauwen    und    die  junge    kind    sal    man    halden    na 

gnaden.     Man  sal  mirken  an  yn  ir  crankheit  und  insal  nit  den  2)  getwanc  der 

(9a)  regelen  vor  legen  an   irre  spisen,    danne  man  sal  in  irleuben  zu  inbizzene 
vor  rechter  zyt. 

Diz  ist  die  letze  von  ezzene.  xxxv 

Alse  die  frauwen  zu  disse  sitzint  und  ezzent,  so  insal  da  nit  der  letzen  3)  5 
gebrechen,  und  insal  ir  keine  lesen  wan  die  des  sunnedages  in  geit  alle  die 
woche  zu  lesene.  Die  selbe  sal  na  messen  bidden  alle  gemeinlich  vor  sie 
beden,  daz  got  von  ire  kere  allen  hoin  mut,  und  sollen  dan  alle  sament  in 
deme  core  dissen  vers  driwerbe  sprechen,  und  des  sal  sie  beginnen  'Domine, 
labia  mea  aperies  et  os  4)  meum',  und  alse  sie  die  segenunge  intfeit,  so  ge  10 
in  zu  lesene.  Dan  sal  da  grozze  stille  sin  zu  dische,  daz  kein  rununge  noch 
keine  stimme,  danne  ockert  die  letze  gehört  werde,  und  wes  man  da 
bedarf  zu  ezzene  und  zu  drinkene,  daz  sal  in  also  vor  gedinet  werden,  daz 
ir  keine  nit  heischen  indurfe.  Wirt  da  aber  keines  dinges  noth,  5)  daz  sal 
man  heischen  mit  ieclicheme  zeichene,  nit  mit  Worten.  Noch  ir  keine  sal  da  ir. 
nit  fragen  gedurren  von  der  letzen  noch  nirgen  abe,  iz  insi  daz  di  prielsen 
it  sprechen  wolle  curtzliche  die  ander  zu  bezzerne.  Abe  die  wochenersen 
die  sal  nemen  ein  mixtum,  e  sie  lesen  beginne,  daz  sie  daz  lange  6)  nit  inbe- 
swere,  und  ge  dan  ezzen  mit  den  da  gedinet  hant.  Die  sustere  insollen 
auch    nit   na  irme  ordene  lesen,    dan  ockert  die  die  andere  gebezeren  mögen.  20 

Von  der  mazzero  des  ezzenes.  xxx 

Wir  getruwen  des  daz  in  genüge  zu  irre  degelicher  spisen  zu  alle 
irre«  ezzene«,  beide  der  sexten  und  zu  nonen,  zweierleie  gesoden  7)  gerichte, 
abe  ir  keine  des  einen  nit  inmag,  dßz  sie  sich  mit  dem  andern  labe,  und 
han  sie  obez  oder  smalsede,  man  gebe  in  daz  dritte  auch  dar  zu.  Ein  8) 
gewicht  brodes  genüget  in,  wedere  isz  sy  ein  ezzen  oder  zwei,  und  ist  daz  ar. 
sie  meren  sollen,  daz  dritte  deil  des  brodes  sal  in  die  kelnersen  halden  biz 
zu  merungen.  Ist  iz  aber  daz  die  arbeit  merre  wirt,  daz  sie  in  der  ebdissen 
wilcore  in   zu  merende,    ob  iz   nutze   ist,  ane  fl)   alle  oberewzekeit,  daz  sie  nit 


1)  hiermit  beginnt  sonst  Cap.  xxxvn  2)   der         3)  nimet  lazzen  4)   os  os  5)  nach 

6)  vasten  zu  ergänzen?  7)  gesosen  8)  Eein         9)  äne 


—     22     — 

besweret  inwerden,  wan  iz  inist  de«  xpriste«  mensche«  nit  so  wedere  als 
oberaze,  als  unse  herre  selbe  sprach  'Syet  daz  uwir  herze  nit  inbesweret 
inwerde  mit  oberaze'.  aber  den  jungen  und  den  kinden  sal  man  minre  maze 
geben  dan  den  groszen,  und  in  allen  dingen  sperliche  han.  von  allem  flizze 
5  sollen  sie  sich  inthalden,  ane  die  cranken  und  die  sichen. 

xl.  Vom  der  mazzeti  des  drawkes. 

Ein  ieclich  hat  ir  eigene  gäbe  von  gode,  eine  sus,  die  ander  so.  Durch 
daz  setzen  wir  alleine  .  .  .  .  ire  libnarunge  mit  alsolicher  mazen  \  iedoch 
wanne  wir  an  sehen  die  crankheit  der  sichen,  so  getruwen  wir  des  daz  ir  ielicher 
eyn  coppelen  wines  genügen  möge  über  dag.     Den  aber  got  gybet  daz  sie  sich 

10  enthalden  mögen,  die  wizzen  daz  sie  groszen  Ion  dar  umme  han  sollen.  Ist 
iz  aber  daz  sie  durch  noth  der  stede  oder  durch  (9b)  arbeit  oder  durch 
sumerhitze  me  bedürfen,  daz  ste  in  der  prielsen  wilcorde,  abe  siz  in  id  meren 
wil.  und  des  hude  in  allen,  daz  da  nit  abe  inkumme  fraszheit  oder  ver- 
drunkenheit.      allein    lese   man    daz   die    munche   keinin   wyn   nutzen   insollen, 

15  wan  iz  in  dissen  ziden  nit  lichte  inist  zu  radene,  so  sullin  wir  doch  da  myde 
inein  dragen,  daz  wir  in  sperlichen  drinken,  nit  zu  sade  2),  wan  der  wyn  machet 
dumb  die  wisen.  Da  aber  die  noth  der  stede  so  geschaffet  ist  daz  man  die 
vor  gesprochene  masze  nit  han  inmag,  wan  michel  mynre  oder  mitalle  nit, 
sie    loben    got   die   da  wonent  und  lazzen  sich  des  irmanen  daz  sie  ane  mur- 

20  melunge  sin. 

xli.    Wie  man  sich  halden  solle  mit  ezzene  und  mit  vastine. 

Von  oster  mit  3)  pingesten  sollen  die  sustere  zu  sexten  inbizzen  unde 
des  4)  abedes  meren.  von  pyngesten  aber  vorbaz  alle  den  sumer,  obe  sie  nit 
arbeide  an  der  erden  nit  inhant,  und  obe  sie  die  sumerhitze  nit  inmut,  so 
vasten  biz  nonen  die  mildewoche  und  den  fritdag.  die  ander  dage  inbizzen 
25  zu  sexten  5).  Ist  iz  aber  daz  sie  arbeiden  an  der  erden  oder  daz  die  hitze 
groz  ist,  so  halden  daz  umbez  zu  sexten  alle  dage.  und  sal  die  ebdissen  be- 
waren  und  sal  iz  also  getemperen  und  gesetzen,  beide  daz  die  seien  behalden 
Werden   und   waz   die   susteren   dunt,   daz   sie   iz  ane  murmelunge  dun.     Von 

i)  =  et  ideo  cum  aliqua  scrupulositate  a  nobis  mensura  victus  aliorum  constituitur  2)=  ad 
satietatem         3)  =  biz         4)  vü  die  des         5)  inbizzen  zu  bizzen  zu  nonen 


—     23     — 

idus  gerstemandes  biz  man  ses  wochen  zu  ostern  hat,  sollen  sie  ummer  zu 
nonen  inbizzen,  und  vorbaz  biz  zu  ostern  zu  vesperen.  Jedoch  sollen  sie  die 
vesper  also  began  daz  sie  nit  lichtes  indurfen  zu  ezzene,  wan  daz  sie  iz  mit 
dem  lichte  des  dages  vollenbringen.  und  des  sollin  sie  alle  zyt  warten,  weder 
iz  sy  uwmez  oder  merrunge,  daz  iz  ummer  mit  dem   dage  geendet  werde.         5 

Döz  na  coiftpletew  nimaft  sprechen  ittsolle.  xlii. 

Alle  zyt  sollen  die  sustere  ir  stille  ')  halden,  und  iedoch  allermeist  in 
der  nachstunden.  Durch  daz  zu  allen  zyden,  weder  si  2)  vasten  oder  inbizen, 
also  schire  so  sie  von  der  merrungen  off  stent,  so  gen  3)  sitzen  alsament  in 
ein,  und  ir  ein  lese  collaciones,  antweder  vitas  patrum  oder  anders  etwaz  des 
sie  gebeszeret  werden.  Nit  inlese  man  da  von  deme  alden  Urkunde  noch  10 
der  kuninge  buchen  4),  wanne  iz  ist  den  cranken  sinnen  unnutze  danne  zu  lesene, 
und  man  lese  daz  zu  anderen  stunden.  Sin  iz  aber  vesteldage,  also  die  vesper 
gesungen  ist,  zu  richte  na  eime  curzzen  underlasze  so  kummen  zu  collaciones, 
und  die  wile  man  leset  vir  biedere  oder  vunve  5)  oder  also  vil  so  die  zyt  ge- 
henget ,  so  ilen  die  sustere  al  zusamene  die  bit  etlicheme  ambete  becumberet  15 
sint,  und  alse  sie  zusamene  kumment  und  complete  gesungen  hant,  sider  in- 
haben  keinin  orlaup  it  zu  sprechene.  weliche  ire  sider  ire  stille  brichet,  wirt 
siz  wunden  freveliche,  sie  muz  ir  buzze  drumme  liden,  iz  ingeschie  danne 
durch  not  der  geste  oder  durch  gebot  der  ebdissen:  daz  sal  iedoch  mit  (15a) 
engesten  und  mit  groszer  maszen  geschin.  au 

Wie  man  sich  haldew  solle  zu  unsers  herren  dineste.     xliii. 

_A_lse  die  stunde  kummet  des  godes  dinestes  und  man  daz  ceichen  6)  ge- 
hört, so  laszen  die  sustere  allez  daz  sie  under  handen  hant  und  laufen  dar 
mit  grozzer  ilungen,  iedoch  mit  solicher  zücht  daz  keine  rede  under  in  in- 
werde. Noch  keine  werk  insollen  sie  godes  werke  vor  han.  Und  iz  daz  ir 
keine  kummet  na  dem  gloria  patri  daz  man  singet  zu  de;«  salme  Venite',  25 
den  man  doch  ziende  und  lancsame  7)  sal  singen,  die  inste  nit  in  dem  ordene 
zu  core,  danne  zu  aller  nederst  der  anderen,  oder  wo  ir  die  ebdissen  gesetzet, 
daz   sie   von    den    anderen    allen    besien    werde,    biz  daz  godes  dinst  geendet 

I)  danach  am  Rande  van  später  Hand  leren  2)  iz  si         3)  gene         4)   bucht         5)  nune 

6)  cheichen  7)  lancsame 


—    H    — 

wirt  und  sie  sich  des  offenbare  beruwe.  Durch  daz  sal  sie  zu  nederest  den 
andern  ober  da  abe  stan,  dar  umme  daz  sich  die  andere  alle  durch  schemede 
der  selben  versumigheide  huden.  wan  blibent  sie  uzwendig  des  cores,  so 
mochte  lichte  etliche  sich  neder  legen  und  slafen  oder  zu  bösen  gedenken  sich 

5  muszigen,  daz  der  duvel  da  stade  vinde  ').  durch  daz  sal  sie  dar  in  gan  daz 
sie  die  zyt  mitalle  nit  inverliese  und  sich  vorwert  hude.  Aber  zu  den  dege- 
lichen  geziden  die  zu  godes  dineste  na  de;«  verse  nit  inkummet,  des  selben 
sollen  sie  plegen,  noch  insal  sich  nit  gedurren  gevugen  zu  den  andern  biz 
sis  sich  beruwet,    iz  insi    mit  der  ebdissen  orlaube  und  mit    irme  gehengnisse, 

10  und  doch  also  daz  sie  iz  gebuzze.  welche  ir  aber  e  deme  verse  den  sie  alle 
zusamene  sprechen  sollen  zu  deme  dische  nit  inkummet  und  durch  ir  versum- 
keit  dar  nit  inilet,  die  sal  man  eines  und  andermale  durch  die  sunde  berespen, 
und  inwil  siz  nit  bezzeren,  so  insal  man  ir  nit  gehengen  der  gemeinschaffe 
des    disches,    dan    man    sal    sie    sunderen   von    der    gemeinden    der    susteren, 

15  da  sie  ir  libnarunge  alleine  neme  2),  und  irs  wines  sal  man  ir  ir  deil  abe 
zien,  biz  sie  commet  zu  ruen  und  zu  buzen.  Geliche  busze  sal  sie  dulden 
die  zu  deme  verse  gegenwrdig  nit  ist  den  man  na  ezzene  sprichit.  Noch 
ir  keine  gedurre  ummer  e  der  gesatzter  zyt  obe  dar  na  it  ezzenes  oder 
drankes    nemen. 

XLiv.      Wie  maw  sich  halderc  solle  in  der  grozzew  schulde. 

20  YV^ylche    suster    durch    grosze    schult    von    deme    core    und    von    dem 

dische  uz  gescheiden  wirt,  die  wile  3)  daz  man  godes  dinest  dut,  so  sal  sie 
ligen  nider  gestreket  vor  der  dur  des  chores,  stilswigene  und  nit  sprechene, 
daz  l)  heubet  nider  off  die  erde  gelacht  vor  alle  die  uzzer  dem  chore 
gent.      Daz    sal    sie    also    lange    dun    biz    die   ebdissen   dar   kumt,    und    sie 

ss  strecke  5)  sich  danne  vor  irre  wuzze  und  dar  na  vor  alle  die  sustere,  daz 
sie  vor  sie  beden.  und  abe  iz  die  ebdissen  gebudet,  so  intfaent  si  si  in 
den  core  in  die  stat  dar  der  ebdissen  gevellet,  Dan  iedoch  also  daz  sie 
noch  salm  noch  letze  noch  nit  anders  ingedurre  an  heben,  die  ebdissen  sie 
ingebediz    aber.     Zu    allen    den    geziden    also    godes    dinest    geendet   wirt,    so 

30  sal  sie  sich  legen  off  die  erde  in  der  stat  da  sie  steit,  und  du  daz  also 
lange  (iSb)  biz  ir  die  ebdissen  gebide  daz  sie  von  der  buzzen  ruwe.  Die 
aber   um   lichte  6)  schult  uz  gescheiden   werdent   ockert   von    dem  dische,    die 


4)  die  5)  strecket  6)  licht 


—     25     — 

sollen     iz    buzzen    in    deme    chore    also    lange    so    die    ebdisse    gebildet    und 
si    dunkit   daz    ir   gnug   sy. 

Vom  den  die  da  fallent  in  dem  core.  x^ 

Welche  ane  hebet  salm  oder  respons  obe  antiphene  obe  letze  und  da  ane 
bedrogen  wirt,  si  inotmudige  sich    zu    hant    mit  buzzen  vor  den  anderen  allen, 
sie    sal    merre   pine  liden,    wanne  sie  mit  otmutkeide  daz  nit  inwolde  buzzen   5 
daz  sie  mit    versumekeide    missedede. 1)    Aber   die  jungen    sal    man  imune   sus 
gedane  schult  kestigen. 

Vom  den  die  an  kleiniM  dingiM  missedunt.  xli 

Wylche  suster  arbeidet  in  der  kuchenen  ober  inme  kelre  ober  inme 
dineste  ober  inme  garten  ober  in  2)  keineme  ambete  ober  in  keiner  stat, 
und  it  da  missedut  obe  zubrichit  obe  verluset:  inkummet  sie  nit  zu  hant  10 
vor  die  ebdisse  und  vor  die  samenunge  und  buzzet  iz  irs  dankes  und  vir- 
melde  ir  missedat,  und  wirt  iz  von  einer  anderen  gecundiget,  so  sal  sie 
merre  buzze  liden.  Ist  iz  s)  aber  verholne  sunde,  so  sal  sie  offenbaren  der 
ebdissen  oder  der  geistelichen  susteren,  die  irs  selbis  wunden  und  fremede« 
geheilen  kunnent.  la 

Wie  man  sal  kundigen  daz  gezyt.  XL 

Die  stunde  des  godes  dinestes  beide  dag  und  nacht  sal  die  ebdissen  4) 
cundigen,  oder  bevele  die  sorge  einer  suster,  daz  iz  allez  citeliche  irvullit 
werde.  Salme  und  antiphonen  ane  hebent  in  irme  core  na  5)  der  ebdissenen 
den  iz  geboden  wirt.  Ir  keine  ingedurre  singen  noch  lesen,  danne  die  daz 
ambet  irvullen  mag,  daz  ir  gebezzeret  werden  die  iz  da  horent,  und  daz  20 
sal  mit  otmutkeide  und  mit  vochten  gewerden,  und  den  iz  die  ebdissen 
gebudet. 

Vom  der  muskeide.  XLV 

Alle    muzzekeit   ist   vint   der   seien.     Durch   daz   sollen   die   sustere   zu 
gewiszen    ziden    uwmuszig    sin    in    arbeide    der   hende,    und    aber    zu    gewissen 

l)  missedde  2)   ime  3)  Is  ist         4)  ebdissera         5)  in  na 


—     20     — 

ciden  in  der  heiigen  letzen.  Umme  daz  sint  beide  disse  zyt  also  gesatzit, 
dßz  sie  von  osteren  biz  zu  den  kaienden  octobris  des  morges  J)  usz  gan 
von  primen  cit  biz  an  die  virde  zyt  und  arbeiden  des  si  bedürfen  zu  irre 
notdurfte,    aber    von    der  virden   zyt   biz   zu   sexten   die   heiige   scrift   lesen. 

5  und  na  sexten  alse  von  deme  dische  off  stent ,  so  gen  rügen  off  irre 
bette  vil  stilliche,  und  iz  daz  ir  keine  lesen  wil  die  wile,  sie  lesen  also 
daz  ir  keine  beswert  inwerde.  None  sollen  sie  citheliche  singen,  als  die 
echte  stunde  halb  ist,  und  aber  wirken  daz  in  zu  dune  ist  biz  zu  vesperen. 
Kummet    iz    aber    so    d«z    sie    die    not    der   stede    oder   daz    armude   twynget 

10  daz  sie  unmuszig  muzzen  wesen  2)  an  deme  corne  zu  samene ,  so  inun- 
frauwen  sich  nit,  wände  3)  so  sint  sie  werliche  nunnen,  obe  sie  lebent  von 
der  arbeide  ire  hende,  als  die  heiige  vedere  und  die  aposteln  daden,  und 
allez    iedoch    mit    mazzen    durch    (iia)    die    crankmudigen. 

Diuisio. 

Dar  na  von  den  calenden  octobris  biz  daz  die  virczig  dage  der  vasten 
is  ane  gent  sollent  sie  in  den  letzen  wesen  biz  zu  der  andern  stunden  des 
dages,  und  dan  singen  ir  tercie,  und  vorbaz  biz  nonen  arbeiden  alle  in 
irme  werke  daz  in  gesazt  wirt,  und  also  sie  gehören  daz  erste  zeichen 
der  nonen ,  so  sunderen  sich  von  dem  werke ,  d«z  sie  gereit  sin  als  man 
daz    andere    zeichen   ludet. 

Diz  ist  vow  der  vastew. 

20  Ober  in    den    dagen    der   vasten    von    des    morges  biz    zu  tercien  sollen 

sie  in  irren  letzen  sin  und  fort  biz  zu  der  czenden  stunden  wirken  daz 
in  gesatzit  wirt.  In  den  selben  virzig  dagen  so  nemen  alle  sunderliche  buch 
von  der  buchkamern  und  lesen  sie  genzliche  4)  na  dem  ordine.  Die  sal 
man    in    geben    alse    die    dage    an    gent.      vor    allen    dingen    sal    man    sezzen 

2B  eyn  suster  oder  zwo  die  daz  closter  umme  gen  zu  den  ziden  so  die  sustere 
lesen  sollent  und  sin  daz  kein  da  vunden  inwerde  muzzig  oder  mit  ydelre 
reden  die  ir  selber  unnutze  sin  und  auch  den  anderen,  und  ob  diz  etwanne 
geschiet  von  summilichere,  so  sal  man  sie  berespen  einis  und  aber,  in- 
bezzeret    siz    aber    dan    nit,    so    sal   sie   buzzen   liden   na   der   regelen    und 


i)  morge"         2)  wesen  muzzen  »«V  UmsteUzmgszekhcn         3)  wan  die         4)  gencliche 


—     27     — 

als  soliche  ')  d«z  sich  die  anderen  al  fuchten.  Noch  keine  suster  inge- 
vuge  sich  zu  der  andern  an  nutzeclicher  stunden.  Des  sunnedages  sollen 
sie  alle  muszig  sin  zu  den  letzen,  ane  die  mit  ambeten  begriffen  sint. 
Ist  aber  ir  keine  also  trege  daz  sie  inwolle  oder  inmoge  denken  noch 
lesen,  der  sal  man  it  Werkes  bevelen,  daz  sie  nit  muszig  2)  insin.  Den 
susteren  die  sich  sint  oder  verwenet,  den  sal  man  so  mezlich  werg  setzen 
daz  sie  mitalle  nit  muzzig  insin,  noch  auch  von  der  arbeide  nit  besweret 
inwerden.     Alsoliche    crankeit   sal    die    ebdissen    myrken. 


Diz  ist  auch  von  der  vastew. 


XLIX. 


Allein  sullin  die  sustere  alle  zyt  die  vaste  halden,    wan  unmanger  disse 
dogent    ist,    durch    daz    ist    daz    gut    und    raden    wir    iz,    daz    in    dissen  virzig  10 
dagen    iren    Hb    huden    mit   aller    reinikeide,    und    alle    die  versumunge  andere 
zide    in   dissen   heiigen   dagen   virdilgen.     und   daz  geschiet  3)  wirdecliche,    obe 
wir  uns  twyngen    von    allen    sunden  und  an  sten  dem  gebede  und  dem  ruwen 
des    herzen    mit    weinunge    und    inthaben    von    der    lipnarungen.      Durch    daz 
sollen   wir   in  dissen    dagen  zu  unseme  gewonlicheme  *)  dineste  etwaz  irmeren  15 
an    sunderliche;«   gebede,   an   mezlichkeide   der   spisen,    daz   ein  ieclich  suster 
ubir    die    mazze    die    ir    gesatzit    ist    etwaz    unseme   herren    opfere    von    irme 
eigenen    willen    mit    freuden    des    heiigen    geistes.     sie    sal    irme   lichame   abe 
ziegen   von    ezzene    und    von    drinkene  5),    von  slafene,  von  sprechene,  daz  sie 
mit   freuden   der   geistlichen    gerunge   irbeide  der  heiigen  ostern.     Iedoch  waz  20 
ir  keine    gode    oppem    wil,    daz    sal    sie    dun    mit    rade    und    mit    gebede  und 
mit  willen  der  ebdissen,  wan  daz  da  geschiet  ane  willen  der  geistelichen  müder, 
daz  wirt  gezalt  (11b)  zu  ideler  eren,  nit  zu  lone. 

Die  sustere  di  uz  arbeidint.  L. 

Die  suster  die  verre  von  dem  clostere  sint  in  arbeide  und  inmogen 
nit  zu  rechter  cit  czu  core  kummen  6),  und  die  ebdissen  wol  7)  bekennet  daz  25 
iz  also  ist,  sie  sollen  godes  dinste  dun  alda  sie  wirkint  und  ir  venie  suchen  8) 
mit  godes  vochten.  Iecliche  die  off  de;;/  wege  sint,  sie  insollen  nit  versumen 
die  gesazte  9)  zyt,  danne  si  sollen  irvullin  godes  dinest  dar  na  daz  sie 
mögen. 


1)  als  solichte  2)  muzig         3)  gescheit         4)  gevollicheme         5)  drinke 

7)  wole         8)  suchent         9)  gesazt 


—     28     — 
Li.  Vom  den  die  da  uz  varewt. 

Die  sustere  die  umme  ieliche  rede  uz  varent  und  des  selben  dages  hof- 
fent  weder  zu  kummen  zu  dem  clostere,  die  insollen  uzze  nit  ezzen,  allein 
werdent  siz  gebeden,  ir  insi  mit  gebode  der  ebdissen.  und  dunt  siz  anders, 
so  muzzen  sie  uz  gescheiden  werden. 

Mi.  Von  dem  bedhuse. 

s  Daz    bedehus    daz   sal    mit    rechte    daz   sin  daz  iz  geheizzen  ist.     Noch 

nit  insal  man  da  inne  dun,  dan  daz  zu  godes  dinste  gehöret,  und  als  d«z 
irvullit  ist,  so  sollen  sie  alle  mit  groszer  stille  uz  gan  und  got  da  midde  eren, 
umme  daz,  abe  kein  suster  sunderliche  beden  wil,  daz  sie  von  der  anderen 
nit  gehinderet  inwerde,  und  iz  daz  ein  andere  gesweslicher  J)  beden  wil,  die 
10  ge  dar  holenbeciche  2)  und  bede  nit  mit  luder  stymmen,  weine  mit  trenen 
und  mit  ruwen  des  herzen.  Durch  d«z  wilge  ire  des  geliches  nit  indut,  der 
insal  man  nit  gehengen  in  de;«  bedhus  zu  blibene,  daz  kein  andere  von  ir 
gehynderet  nit  inwerde. 


Alle  die  geste  die  da  kumment  die  sal  man  intfaen  alse  den  heiigen 
Krist,  wanne  er  anme  lesten  dage  sprechen  sal  Ich  waz  gast  und  ir  intfinget 
mich'.  Den  sal  man  allen  geliche  ere  bieden  und  3)  aller  meist  den  die  hus- 
genoszen  sint  des  glauben  *)  und  den  elenden.  Also  schiere  so  ein  gast  da 
gekundigit  wirt,  so  sal  die  priolen  ingein  gan  oder  iecliche  sustere  mit  otmut- 
keide  und  mit  minnen,  und  zu  aller  erst  sollen  ä)  alsament  beden,  und  also 
diz  geendet  ist,  so  gevogen  sich  zusamene  mit  dem  küsse  des  friden  durch 
die  becarunge  des  duvels  zu  virmidene.  In  dem  selben  gruzze  6)  sal  man  ein 
groz  otmutkeit  irheben.  In  allen  den  zu  kummenden  und  inweg  varenden 
gesten  sal  man  mit  geneigede;«  heubit  oder  mit  nider  gestregteme  licham  den 
heiigen  Crist  ane  beden,  den  7)  man  auch  intfeit.  und  also  die  geste  intfaen 
werdent,  so  sal  man  sie  leiden  zu  irme  gebede,  und  dar  na  sal  die  priolen 
sizzin    mit  yn  oder  ein  andere  der  siz  gebudet,    und  lese  ein  heiige  letze  der 

i)    gesweglicher  2)    mir   unverständlich;    der    Text   (simpliciter)    erfordert    einvaldicliche 

3)  v,  dahinter  fi  radißrt       4)  sint  leuben        5)  danach  sie  radiert         6)  der    selben   grozze        7)  die 


—     29     — 

sie  gebezzeret  werden,  und  dar  na  sal  man  in  irbieden  allez  menslich  ge- 
mach. Ir  vaste  sal  die  priolen  brechen  durch  die  geste,  iz  insin  dan  rechte 
vastedage  die  man  gebrechen  inmoge.  Aber  die  andere  sustere  halden  ire 
vaste  na  irre  gewonheide.  Die  ebdissen  selbe  sal  den  gesten  wazzer  geben, 
und  beide  die  ebdissen  und  alle  die  samenunge  sollen  in  ')  ir  vuzze  twan.  5 
Dar  na  sprechen  dissen  vers  'Suseepimus  deus  miam'.  Der  armen  und 
(i2a)  der  elenden  sal  man  aller  meist  sorge  han  zu  faene,  wan  an  in  intfeit 
man  den  heiigen  gast  Crist.  Den  riehen  wirt  eren  gnug  irboden  durch  2) 
ir  herschaft,  die  kuchgene  der  ebdissen  und  daz  gasthus  sollen  sunder  wesen, 
daz  die  susterin  nit  besvveret  inwerden  von  den  gesten ,  die  dicke  unziteliche  10 
kumment  3).  zu  der  kuchenen  sai  man  zwo  sustere  zu  eime  jare  sezzen, 
die  des  dinestes  plegen.  Den  sal  man  bereiden  wes  sie  bedürfen,  daz 
sie  ane  murmelunge  dienen,  und  wylche  zyt  sie  da  minre  ambetes  hant, 
so  gen  uz  al  dar  man  in  gebudet  zu  w^rke,  und  nit  alleine  dise,  wene 
auch  alle  die  die  mit  ambete  bevangen  sint  halden  diz  gebot.  Daz  gast-  15 
hus  sal  man  bevelen  einer  suster  die  4)  got  vochte  5)  und  irre  sele  sorge 
habe  6),  und  da  sal  sin  betgewant  vollecliche,  und  alsus  sal  daz  gasthus  7) 
von  den  wisen  luden  wisliche  bereidit  sin  allen  den  die  iz  bedürfen,  keine 
suster  insal  sich  zu  den  gesten  gevugen  noch  bit  in  reden  der  iz  nit  geboden 
inwirt,  wan  begeinit  R)  sie  in  ober  gesit  sie  sie,  sie  gruzze  sie  otmutliche  und  20 
gesegene  sie  und  scheide  von  in. 

UV. 

Keine  suster  inmuz  von  keineme  irme  mage  noch  von  keime  menschen 
nit  intfain  noch  von  in  selbe  under  ein  noch  brife  noch  scrift  noch  keine 
gäbe  nemen  oder  geben  ane  gebot  der  ebdissen.  und  wirt  it  gesant  von 
irren  frunden,  daz  insal  sie  nit  intfaen  gedurren,  iz  insi  der  ebdissen  aller  25 
erst  gekundigit.  und  als  iz  9)  intfae«  wirt,  so  steit  iz  an  der  ebdissen  gewelde 
zu  gebene  wem  sie  wolle,  und  der  iz  gesant  was,  sie  inunfrauwe  sich  iz 
nit,  daz  der  duvel  kein  Ursache  da  invinde.  Die  aber  anders  dut,  die  muz 
der  regel  buzze  liden. 


1)  ein  2)  durc1         3)  klimmet         4)  die  die  5)  vochten  6)  haben  7)  godes 

hus  8)   beginnit         9)  alliz 


—     30     — 
lv.  Dyse  letze  ist  von  den  cleideren. 

Den  sustern  sal  man  gewant  geben  na  der  geleginheide  des  landes 
und  der  lüde  die  da  wonent,  wan  in  den  calden  steden  bedurfent  ')  siz  me, 
in  den  warmen  minre.  Daz  sal  in  der  ebdissen  underscheidinheide  stan. 
Iedoch  getruwen  wir  des  dßz  den  susteren  in  meslichen  steden  gnugen  sollen 
5  einir  ieclicher  sunderliche  eine  cogele  und  eynen  rog,  die  cogele  des  winters 
ru,  des  sumeres  siecht,  und  auch  einen  scheplere  durch  daz  werk,  und  socke 
und  hosen,  von  der  varben  und  der  grupheide  insollen  die  sustere  nit  clagen, 
wan  alsolich  so  man  iz  vindet  in  deme  lande  da  sie  wonent  und  man  iz 
aller   lichste    vergelden    mag,    daz    sollen    sie    dragen.     u;/zme    die    mazze,    daz 

10  sye  noch  zu  curcz  noch  zu  lang  insin,  des  sal  die  ebdissen  war  nemen. 
wan  sie  daz  nuwe  entfaent,  so  sollen  sie  daz  aide  wider  antwirtin  in  die 
gewantcamere  durch  die  armen.  (i2b)  Einer  ieclicher  suster  genüge  mit  zwein 
rokken  und  zwo  cogelen  zu  habene  durch  die  nacht  und  durch  daz  wesene  2). 
und  iz  da  it  ubere,    daz   ist    uberenzig  3),    daz  sal  man  abe    nemen.     Die  man 

is  aber  uz  sendet,  den  sal  man  cogelen  und  rokke  und  eines  deiles  bezzere  geben 
dan  ir  gewonheide  sy,  uz  warende  von  der  gewantcameren  nemen  und  weder 
kummende  aber  weder  antworten.  Ir  betgewant  sal  sin  ein  bambest  und 
ein  matte,  ein  lilachen  und  ein  heubitpulbe,  und  die  selben  bette  sollen  4) 
von    der    ebdissen    dikke    ersucht  5)    werden,    daz    nit    sunderliches    insy,     und 

20  wirt  des  da  it  wunden,  daz  die  ebdissen  nit  gegeben  inhat,  die  sal  grozzer 
buzzen  underligen.  und  daz  diz  übel  bitalle  von  in  genomen  werde  6), 
durch  daz  sollen  in  von  der  ebdissen  alle  notdurfteclie  Sachen  gegeben 
werden,  daz  ist  cogele,  rok,  sokke,  gurtel,  mezzer,  griffel,  nalde,  daz  aller 
slachte  7)   ursach   abe  genomen   werden.     Die   ebdissen   sal  auch    daz   mirken 

25  daz  von  den  aposteln  gescriben  ist  cin  wart  8)  sunderliche  gedeiht  alsus 
ieclichim  noth  waz'  9).  Alsus  sal  die  ebdissen  mirken  die  crankheit  der 
bedurftigin,  nit  den  bösen  willen  der  nidegen.  In  allen  dissen  dingen  sal 
sie  godes  widerlon  vor  den  äugen  10)  han. 

[.  Vom  der  ebdissen  dische. 

Der   disch    der  ebdissen   sal  ummer  mit  elenden  und  mit  gesten  besazt 
so  syn.     und   kummet  yz   so   daz   nit  geste   da   insint,   so  lade  irre  sustere  dar, 

i)  bedürfet  2)  =  weschen  3)  ubeenzig  4)  sollet,  t  unterpunktiert  5)  ersuch 

6)  inwerde  7)  allerslaste  8)   ein  wort  9)  ieieclichem  waz  noch  mit  Umstellungszeichen 

über  waz  und  noch         10)  bygen 


—     31     — 

wilche    sie    willet.     und    iedoch    besorge  *)    daz,    den    susteren    zu    lazene    der 
altfrawen  eine  oder  zwo  durch  die  zucht  zu  hudene. 

Von  den  die  da  sunderlich  werk  dunt.  lvii. 

Oint  2)  werkwib  in  deme  clostere,  die  wirken  ir  werk  mit  aller  otmud- 
keide,  obe  iz  die  ebdissen  gehenget,  und  iz  daz  ir  keine  sich  irhebet  von 
irre  liste,  durch  daz  daz  sie  des  dunket  daz  sie  deme  clostere  sere  frome,  5 
disse  s)  alsus  solich  sal  man  abe  dune  von  dem  werke,  daz  siz  nit  me  in- 
beginne, iz  in  sy  daz  sie  sich  otmudege  4J  und  iz  ir  die  ebdissen  aber 
gebede.  wirt  da  it  Werkes  zu  verkaufene,  man  sie  dye  iz  uzer  iren  henden 
geben  sal,  daz  sie  nit  obeles  da  mide  indun ,  noch  des  geldes  nit  abe 
inzieen  und  gedenken  der  zweire  Ananie  imd  Saphire,  daz  sie  dot  an  10 
der  seien  nit  inliden,  den  sie  an  deme  libe  nit  intfinyn.  Des  sal  man  auch 
huden  daz  an  de;;2  verkaufene  die  gyrheit  keine  stat  inhabe,  dan  man  sal 
iz  luden  geben  die  iz  anderen  luden  gebyn  in  den  Worten  daz  got  in  allen  dyngen 
gelobet  werde. 

Von  den  die  von  verrem  dar  kumment  und  da  bliben  wollent. 5)  lviii. 

Kummet    etliche    suster   die    gerunge  hat  zu  gotlicheme  lebene  6),    man  15 
sal  nit  lichtliche  irleuben  in  zu  varen,  wan  als  der  apostolus  sprichit   'man  sal 
besuchen    obe    der   geist   von   gode    sy'.     und    obe    sie    vollenhirte  '')    clopene 
fünf  dage  und  ungemach  duldet  und  vollenbliben  wil  an  irrem  bedden,  so  sal 
man    ir  s)   irleuben  zu  wesene  in  deme  gasthuse  uwmanche  dage.     Dar   na  sal 
man  sie  dun  in  der  hus  die  (13a)  unlanges  dar  kummen  sint,  d^z  sie  da  wonen  20 
und  ezzen  und  slafen.     Da  sal  man  ir  eine  aide  frauwe  vor  sezzen  die  wogliche 
si    seien    zu    gewynnene,    die    sorgsamig    ober    sie   sy  und  auch  irvare  abe  sie 
werliche   got   suche    und    abe  sie    sorge    habe   zu  godes  werke  und  zu  gehor- 
samkeide    und    zu  alleme  ungemache.     Man  sal    ir    vor  sagen    alle  harte  ding 
und  scharpe,  da  midde  man  zu  gode  wert  get.     und  abe  sie  globet  stedekeit  25 
zu  vollenhirtene,   na  der  zyt  zwier  mande  so  sal  man  ir  dise  regele  lesen  von 
anbeginne   biz    an    daz  ende  und  sal  dan  sprechen  zu  ir   'Rüster,  sich,  dis  ist 
der  orden   under  3)   den    du    gode    dinen  wilt.     machs  10)  du  yn  behalden,   so 


I)  besorget  2)  Sint  ein  3)   die    sie  (=hic  talis)  4)  otmutkeit  5)  blibent 

vollent  6)    lebeme  7)    wolle    harte    (=  perseveraverit;  8)    in  9)    vü    der 

10)  mach8 


—     32     — 

kum  zu  uns,  inmachs  ')  du  aber  des  nit,  so  var  frilichin  hynnen.'  Obe  sie 
dan  vollensteit,  so  leide  man  sie  2)  wyder  in  daz  gadem  der  nuwen  sustere 
und  besuche  sie  aber  von  irre  geduldekeide.  Syder  na  sehes  manden  sal  man 
ir  aber  vor  lesen  dise    regele,    daz    sie  wizze  umme  waz  sie  dar  kummen  sy. 

5  und  obe  3)  sie  noch  danne  vollensteit,  na  vir  manden  sal  man  ir  dise  regele 
aber  vor  lesen,  und  obe  3)  sie  dan  mit  irre  frier  wilcore  gelobet  allez  daz  zu 
hudene  daz  ir  geboden  wirt,  so  sal  man  sie  intfaen  in  die  samenunge,  und 
sie  wizze  dan  wol  daz  sie  also  gesatzit  ist  under  die  regele  daz  ir  von  dem 
dage  vorwert  uwmuzlich  ist  uz  zu  varene  von  dem  clostere  und  iren  nac  4)  zu 

iü  scudene  von  dem  joche  der  regelen  5).  Noch  dan  sal  sie  kummen  in  daz  gots- 
hus  und  sal  globene  vor  yn  allen  stedekeit  irs  lebenes  und  gehorsamkeit  vor 
gode  und  sinen  heiigen,  obe  sie  anders  it  dut,  daz  sie  sich  wizze  zu  ver- 
dumene  von  gfides  halben  den  sie  bespottet  hat.  Die  bede  alles  des  gelo- 
bedes    sal    sie    mit    urcunde    dun    der  °)   heiigen  mit  namen  die  da  resten  und 

15  der  gegenwurdigen  ebdissen.  Die  selbe  7)  bedde  sal  sie  scriben  mit  irre  hant, 
und  ob  siz  nit  incan,  bide  ein  andere  daz  siz  vor  sie  du,  und  neme  dan  den 
brif  und  lege  in  mit  irre  hant  off  den  eitere  und  begynne  zu  sprechene  dissen 
vers  'Suscipe  me  domine  scdfrf.  Den  vers  sal  die  samenunge  driwerbe 
antwortin,  und  zu  dem  dritten  mal  gl'a  pri.     Dan  sal  sich  die  suster  vor  irre 

20  aller  wuzze  sunderlich  dar  neder  stregken  und  beden  daz  sie  beden  vor  sie, 
und  sider  sal  sie  gezalt  werden  in  die  samenunge.  Hat  sie  auch  it  habende, 
die  sal  sie  entweder  den  armen  da  vor  gegeben  han,  abe  gebe  sie  dan  zu  dem 
clostere,  so  daz  siz  ir  selbere  nit  inbehalde,  wan  sie  vorware  daz  wizzen  sal 
daz  sie  irs  eigenen  willen  noch  irs  libes  keine  gewalt  inhat.    Dan  sal  sie  uz  dun 

25  zuhant  ir  eigen  gewant  und  sal  an  dun  des  closteres  gewant,  unde  daz 8)  gewant 
daz  sie  uz  dut,  daz  sal  man  gehalden  legen  in  die  gewantcamere ,  ob  iz  so 
kummet,  daz  got  inwolle,  durch  (13b)  des  duvels  rat,  daz  sie  rumen  und  varen 
wolle  von  dem  clostere,  daz  man  ir  daz  geisteliche  gewant  uz  zie  und  ir  selbes 
kledere  wieder  gebe  und  alsus  verstozze.     Aber  den  brief  irre  beden  sal  sie  9) 

30  nit  wieder  nemen,  wan  er  sal  da  behalden  werden. 

lix.  Vom  dew  edeln  luden. 

Kummet  iz  also  daz  etliche  edel  lüde  ir  duchter  opperen  wollent  gode 
zu  dem  clostere    und   sie   noch  10J  danne  kint  ist,  irre  frunt  dun  die  bede  mit 


1)  inmach8  2)  sie  man  sie  3)  aber         4)  nach  5)  regelem  6)  des 

die  dz         9)  sal,  danach  s  übergeschrieben         10)  doch 


—     33     — 

dem  brife  als  hü  vor  gesprochin  ist,  und  bevuinden  danne  der  mede  hant  mit 
der  beden  in  dem  elterduche,  und  alsus  opperen  sie.  Aber  von  irme  gude 
so  geloben  in  der  gegenwordigen  beden  mit  eide  daz  ir  noch  von  in  selben 
noch  mit  keime  anderen  noch  keine  wis  nummer  nit  ingegeben  l)  dan  abe  sie 
Ursache  möge  2)  nemen  it  zu  habene.  ob  inwollent  3)  sie  des  nit  und  it  opfern  5 
wollent  in  almosenen  zu  dem  clostere,  so  dun  ir  gift  von  deme  gude  daz  sie 
dar  geben  wollent,  und  halden  in  selben  den  nutz,  ob  se  wollent,  und  han- 
delen  diz  allez  also  daz  syder  kein  Ursache  der  mede  inblibe  dan  abe  sie 
betrogen  werde  und  verderben  möge:  wan  diz  han  wir  dikke  wol  bevonden. 
Zu  gelicher  wise  sollen  die  dun  die  da  arm  sint.  Die  aber  mitalle  nit  inhant,  10 
die  opfern  einfeldeclich  ire  bedde  und  oppernt  ir  doctere  vor  Urkunde. 

Von  den  elenden  luden.  lxx 

JYummet  etliche  elende  suster  von  verreme  lande  und  in  gastes  wise 
da  wonen  wil  in  deme  clostere,  und  ir  genüget  die  gewonheit  die  sie  da  vin- 
det  *),  noch  mit  keiner  oberewzekeit  inbedrubt  die  sustere,  wan  einveldecliche 
nemen  wil  daz  sie  da  vindet,  man  sal  sie  intfain  also  lange  so  sie  wil.  und  15 
obe  sie  dede  redelich  und  mit  otmutkeit  5)  der  mynnen  it  berespet  obe  zeugit, 
daz  sal  die  °)  ebdissen  wisliche  handeln,  wan  sie  got  lichte  umbe  daz  dar 
gesant  hat. ')  wylle  sie  aber  dar  na  ir  stedekeit  bevesten,  man  insal  irren  ersten 
willen  nit  versagen,  Dar  umme  allermeist  wan  man  in  der  czit  do  sie  gast  waz 
ir  leben  wol  undervarn  mocht.  Wirt  8)  sie  aber  in  der  zyt  gemirket  in  ide-  20 
licheme  lebene,  so  insal  man  sie  nit  intfan,  dan  man  sal  ir  gutelichen  sagen 
daz  sie  dannen  scheyde,  Daz  kein  andere  von  irre  crankheide  bewollen  in- 
werde. Und  iz  daz  sie  solicht  ist  daz  sie  unwert  sy  zu  verdribene,  so  sal 
man  sie  in  die  samenunge  intfan  9),  obe  siz  gebiede,  und  auch  raden  daz  sie 
volleste  dar  umme  daz  ir  die  andere  gebezzeret  werden ,  wan  in  allen  steden  2r> 
ist  unseme  herren  zu  dinene.  Gesit  sie  auch  die  ebdissen  solich  wesen  daz 
sie  des  wert  sy,  sie  muz  sie  wol  yn  hoer  stat  setzen.  Des  sal  auch  die  eb- 
dissen ir  gewarheit  han  daz  sie  keine  suster  die  von  keime  kundigeme  clostere 
dar  (14a)  kummet,  nit  intfait  ane  ir  ebdissen  gehencnisse  und  ane  ir  brive, 
wan  daz  gescriben  ist    'D«z  du  dir  nit  inwilt  gescin,  daz  indu  eim  anderen  nit'.  so 

1)    in  gegeben  2)    mögen  3)  inwil  4)  vindent  5)  otmutclich  6)  die   die 

7)  han         8)  Firt         9)  intfant 


—     34     — 
lxiii.  Wie  sie  irren  ordeti  haldew  sollen. 

Irren  orden  sollen  sie  in  dem  clostere  also  halden  also  die  zyt  gewiset 
irre  bekerungen  und  die  wirdekeit  irres  lebenes  und  als  die  ebdissen  gesezzet. 
Noch  sie  insal  nummer  betrüben  noch  keine  die  ir  bevolen  ist  noch  keine 
friliche  gewalt  üben  it  unrechte  sezzende,  wene  sie  sal  ummer  vor  denken  daz 

5  sie  aller  irre  urtdeile  gode  rede  geben  sal.  Durch  daz  al  na  de«  ordene«  die 
sie  gesezzet  obe  die  die  sustere  selbe  hant  so  kummen  ummer  zu  der  pecen, 
zu  unsers  herne  lichame,  salme  an  zu  hebene,  in  dem  core  zu  stane,  noch  in 
keinen  steden  inwerde  x)  keyn  alder  underscheiden  in  dem  ordene,  wan  Sa- 
muel   und  Daniel    die    kint  sie  verdeiliden  die  pristere.     Durch  daz  allein  de« 

10  uz  beschide«  die  die  ebdissen  mit  rade  ober  die  andere  gesatzit  hat  obe  die 
sie  neder  gesatzit  hat  durch  sumeliche  schult,  die  andere  sollen  alle  sin  alse 
sie  zu  clostere  kummen  sint:  alsus  gedane  wis ,  die  in  der  anderen  stunden 
des  dages  zu  clostere  kummen  ist,  die  sal  sich  jüngere  bekennen  der  die  zu 
erster   stunden    quam,    welges    alderes    oder  welger  2)  wirdikeide  sie  sy.     Die 

ir.  kint  sal  man  in  allen  dingen  zuchtelichen  halden.  Die  jungen  sollen  ir  ober- 
sten eren,  die  obersten  sollen  ir  jungern  mynnen,  keyne  suster  inmuz  die  an- 
dere mit  namen  gruzzen ,  wan  die  obersten  sollen  ir  jüngeren  heiszen  suster 
und  die  jungen  sollen  ir  obersten  heizzen  nunnen:  daz  ist  muterliche  zucht. 
Aber  die  ebdissen,  wan  sie  Kristus  ambet  begeit  in  de;«  clostere,    sie  sal  ge- 

20  heizzen  werden  3)  frauwe  und  ebdissen  durch  ere  und  durch  mynne  des  heiigen 
Cristes.  Sie  sal  auch  denken  und  sal  sich  also  arbiden  daz  sie  wert  sy  der 
eren.  wie  so  yn  die  sustere  under  zusehen  begeinent,  die  jüngere  sal  die  se- 
genunge  heyschen  von  der  obersten.  Alse  die  aide  kummet,  die  junge  sal 
off  stan  und  sal  ir  stat  gen  zu  sitzene.     Noch  die  jüngere  insal  by  der  alden 

25  nit  sitzen,  sie  ingebidiz  ir,  also  die  scrift  sprichit  'Mit  eren  under  zusen  vor 
gande'.  Die  deine  kint  und  junge  sustere  zu  core  und  zu  dische  sollen  sie 
mit  züchten  volgine  irme  ordine.  Da  uzze  und  allenthalbene  sollen  sie  hude 
han  und  zucht  bit  sie  zu  vernumsteclichyw«  aldere  vollenkumment. 

Lxiv.  Wie  man  die  ebdissen  welew  sal. 

In  der  wyungen  der  ebdissen  sal  man  ummer  die  underzweiunge  mirken, 
30   daz    die    gesazt    werde    die    alle    die    samenunge    na    godes    vochten    irkuset, 


i)  inwerden  2)  welges         3)  werde 


—     35     — 

obe  auch  daz  mynre  deil  der  samenungen  mit  gancem  rade  irkuset.  Myt 
wyrdigeme  lebene  und  von  lerungen  der  wysheide  (14b)  sal  sie  irkorn 
werden  die  man  wyen  sal,  allein  ist  sie  die  nederste  in  dem  ordine  der 
samenungen.  Kummet  iz  auch  so,  daz  got  verbiede,  daz  alle  die  samen- 
unge  eine  persone  mit  gemeiny/«  rade  irkuset  die  irren  sunden  gehengic  5 
ist,  und  auch  ire  ')  sunden  dem  bysschove  den  die  stat  an  höret  abe  eppeten 
obe  ebdissen  ob  anderen  kristene  kundic  worden  sint,  so  sal  man  weren 
daz  gehengnisse  der  bösen  corungen  und  sal  de;«  godes  hus  gesezzen  eyn 
wirdige  meistern,  und  wizzen  daz  vor  war  d«z  sie  guden  Ion  intfayn  sollen, 
ob  siz  mit  godes  vochten  dunt,  und  also  grosze  sunde  hant,  so  siz  ver-  10 
sument.  Also  die  ebdissen  gewiet  wirdet,  so  gedenke  sie  ummer  welche 
bürden  sie  intfangen  habe  und  weme  sie  rede  geben  sulle  2)  irs  ambetes, 
und  wizze  daz  daz  ir  recht  ist  zu  fromene  3)  me  dan  zu  vor  wesene  4). 
Sie  sal  sin  geleret  des  godes  ordene,  daz  sie  wizze  wan  abe  sie  vor  bringe 
nuwe  und  alt.  Sie  sal  auch  reine  sin  und  cusche,  barmherzig  und  sal  ummer  15 
die  gnade  setzen  über  5)  daz  recht,  daz  sie  daz  selbe  irvolge  6).  Sie  hazzen 
sal  die  sunden  und  mynnen  die  sustere.  In  den  berespungen  sal  sie  wys- 
lich  dun,  daz  iz  nit  vil  insy:  wan  wil  sie  den  rost  zu  sere  abe  fegen,  daz 
vaz  7)  mach  lichte  brechen ,  und  sal  ummer  die  brodikeit  mirken  und  sal 
ummer  gehogen  d«z  man  den  zuquetzseden  halm  nit  zuriben  insal.  In  20 
allen  dissen  dingen  inspreche  wir  nit  daz  sie  gehengen  sollen  den  sunden, 
wanne  wisliche  und  in  der  minnen  sal  sie  sie  abe  nemen,  alse  sie  sit  daz 
iz  nutze  ist,  und  flizze  sich  daz  sie  me  geminnet  werde  dan  gevort.  Sie 
insal  nit  arcwenig  sin,  wan  so  ingeruwet  sie  nummer.  In  allen  iren  ge- 
boden  sal  sie  vorsichtig  sin  und  geware.  werder  iz  na  gode  sy  ober  na  25 
der  werlde,  Die  werc  8)  die  sie  bevelit  zu  dune,  da  ane  sie  halde  ")  die 
underscheidunge  herren  Jacobs,  der  alsus  sprach  'Ob  ich  du«  arbeiden  mine 
herten  an  gande 10)  me  dan  sie  liden  mögen,  sie  sterbent  alle  einis  dages'. 
Durch  daz  sal  sie  alle  disse  urcunde  der  underscheidungen,  die  müder  ist 
aller  dogende ,  intfaen  und  sal  iz  allez  so  getemperen  daz  die  starken  30 
vinden  des  sie  jerent  und  die  cranken  nit  inflin.  und  in  allen  dingen  be- 
ilüde disse  regule:  also  wylche  zyt  sie  wole  gedinit  hat  11),  daz  sie  von 
unseme   herren  hören  muzze  12)    daz  der  gude  knecht  horte,    der  sines  herren 


)  iren  2)  sullen  3)  fromde         4)  uerwesene  5)  aber         6)  irvolgen  7)  waz 

9)   halden  10)  lies  gange?  II)  hant  12)  muzzen 


—     36     — 

weizze  zitelichen  uz  deilit:    'wor  wäre    ich   sagen    uch   d«z   er  in  über  allez  sin 
gut   sezzen   sal\ 

lxv.  Diz  ist  von  den  probestew. 

Iz  geschit  dikke  daz  von  der  wiungen  der  probsten  grozze  betru- 
bunge    wassent    in    den    clostern,    wan    iecliche   werden   so   irvullit   mit    dem 

5  ubele«  geist  der  stolzheide,  daz  sie  sich  dunkent  ander  ebdissen  wesende 
und  wollent  danne  irn  grimmen  mut  üben,  dan  abe  zweiunge  und  misse- 
hellunge  weset  in  dem  clostere,  und  aller  meist  in  den  steden  da  die  pro- 
besten gewiet  ist  von  den  selben  die  die  ebdissen  wient.  und  wie  freis- 
lich  daz  sie,    daz    mag  (ioa)  man  lichte  ')  gemirken,    wan   von    dem    anbeginne 

10  der  wyungen  hat  sie  ursache  zu  stolzene,  und  ir  gedenke  sie  dar  zu  haldent 
d«z  sie  fri  wenet  wesen  na  der  gewelde  der  ebdissen,  wan  sie  von  eime 
herren  beide  gewiet  2)  sint.  Hin  abe  wachsent  manch  übel:  nit  3),  vergunst, 
böse  rede,  achtersprechen,  zweiunge,  missehellunge.  und  die  wile  die  eb- 
dissen   und    die    probesten    under  ein    missehelent,    so    sint    ir  beider    seien    in 

15  grozzen  freissen ,  und  die  sustere  'die  under  sint  und  ir  antwederre  mede 
smeichent,  sie  gent  in  daz  verlornisse.  Daz  übel  disses  freisses  geit  4)  weder 
off  der  heubit  die  alsus  solich  zu  meisterscheffe  gesazt  hant.  Durch  daz 
dunket  uns  notdurftig  wesen  durch  hude  des  friden  und  der  minnen  daz  die 
ordenunge    des    closters    ste    in    der    ebdissen  willen,     und  obe  iz  wesen  mag, 

20  aller  der  nütze  des  closters  5)  werde  besazt  und  geordenet  von  6)  dechenen, 
als  iz  der  ebdissen  gevellet,  umbe  daz  7),  die  wile  daz  iz  manche«  bevolen 
ist,  daz  ein  nit  instolze,  und  iz  daz  die  stat  des  bedarf  obe  die  8)  samenunge 
des  gebidet  redeliche  und  mit  otmudkeide  und  iz  die  ebdisse  nutze  dunket, 
wylge  sie  irkusit  mit  rade  der  sustere  die  got  vochtent,  die  sezze  sie  selbe  zu 

2r.  probesten.  Idoch  die  selbe  probsten,  waz  ir  die  ebdisse  gebildet  und  bevilet, 
daz  bege  9)  zuchtliche,  und  indu  nit  weder  iren  willen,  wände  10)  also  vile  so 
sie  irhaben  ist  vor  de«  anderezj,  also  vil  bedarf  sie  sich  sorglich  zu  gehuden 
die  gebot  der  regelen.  Die  selbe  probsten,  wirt  sie  wunden  schuldig  an  idel- 
keide  ob  an  homude,  ob  daz  sie  die  regele  versmet,    man  sal  sie  manen  mit 

30  Worten  virwerbe.  Inbezzert  sie  nit,  man  sal  sie  berespen  al  na  der  regelen. 
Inwil   sie   noch  dan  nit  buzzen,    man  sal  sie  intsezzen  von  irre  probstyin  und 


I)  manliche  2)  ge wient  3)  mit  4)  geit  geit  5)  closters  deste  6)  vn 

7)  dz  iz  8)  sie  9)  lege  10)  wan  die 


—     37     — 

ein  andere  die  iz  wirdic  ist  an  irre  stat  sezzen,  und  inwil  sie  in  der  samenunge 
gemeglich  und  gehorsam  nit  wesen,  so  sal  man  sie  uzzer  de;«  closter  ver- 
driben.  Die  ebdissen  sal  sich  iedoch  also  wor  denken,  daz  nit  indu  durch  zorn 
und    durch   haz,    wände  *)    sie    von   allen  irren  urtdeilen  gode  rede  geben  sal. 

Von  der  portenersen.  lx 

bi    der    porten    des    closters    sal     man    eine    aide    sustere  sezzen    die   5 
wise    sy   und    die    kunne    wort   intfain    und   antworte    geben,    der    alder  keine 
lichte    genge    inplege«.      Die    sal    han    einin    gadem    by    der   porten,     da    sie 
alle    die    dar   kumment    ummer    gereit    vinden    in    antworte    zu    gebene.      und 
alzuhant    als    ieman   da  cloppet  ob  ein  arme  rufet,    so  sal  sie  im  antworten  2) 
'deo  gracias'  oder  sal  in  segenen  und  mit  getwedekeide  der  3)  godes  vochten  w 
sal    sie    snellichen    antworten    in    der    minnen.      und    ist    iz  4)    daz    sie    bedarf 
einer   helfen,    sie    neme    zu    ir   ein  junge   suster.     D«z    closter    sal    also    gesazt 
sin,    ob    iz   wesen    mag,    daz    allez    des    man   bedarf  innewendich  de;«  termino 
bevangen    sy:    wazzer,    molen,    (iOb)    garten,    bachus    oder    waz    da    not    ist, 
dasz    kein   durf  sy  den  susteren    uz  zu  gane,    wan    iz    irren    seien   nit  infromet.  is 
Dise  regele  gebieden  wir  dikke  zu  lesene  in  der  samenungen,  daz  keine  suster 
von    der   unwizzekeide    sich    inschuldigen    möge. 

Voh  den  die  man  uz  sendet.  lx 

Die  sustere  die  man  uz  sendet,  die  sollen  sich  bevelen  aller  der 
anderen  susteren  gebede  ob  der  ebdissen,  und  ummer  zu  dem  lezzesteme 
gebede  des  godes  dinstes  sal  man  gehugnisse  dun  aller  der  die  uz  sint.  Aber  20 
des  selven  dages  so  sie  weder  kumment  von  der  virte,  zu  allen  den  geziden 
als  godes  dinest  geendet  ist,  sollen  sie  sich  nider  5)  zu  der  erden  in  deme  bed- 
hus  alle  die  sustere  biden,  daz  sie  beden  vor  sie  vor  die  missedat  die  sie 
uze  gedan  hant  mit  sine,  mit  hörne,  mit  muzzigeme  gecose,  noch  sie  insollen 
keiner  suster  sagen  waz  sie  da  uzze  gesin  abe  gehört  hant,  und  ob  siz  25 
dunt,  sie  muzzen  ir  busze  dar  umme  dulden.  Geliche  buzze  sollen  sie  lyden, 
wylge  irgen  gedar  gan  uzzer  de;«  clostere  ob  it  gedut  ane  der  ebdissen 
gebot. 


I)  wan  die         2)  anworten  3)  des         4)  iz  ist         5)  ergänze  streckende? 


—     38     — 
lxviii.  Von  den  den  man  swere  (link  gebildet. 

Wirt  einer    suster    it   sweres    aber  it  uwmogeliches  bevolen,    sie  sal  daz 

gebot  intfan  mit    getwedecheide    und    mit    otmutkeide.     und    ist  daz  sie    gesit 

die    bürden  der    arbeide   ir    mach    überwinden,    so    sage    der    die    ubir    ir    iz 

ir    crankheit  geduldecliche,    nit   stolzende    noch   wieder  strebende  noch  weder 

5  sprechende,  wilt    aber    die    priolen  vollenherten    an  irme  gebode  und  sis  nit 

irlozzen,    so  bekenne    die   jüngere    daz    iz    ir    fromet,    und    getroste    sich    zu 
godes  helfen  und  sy  gehorsam  in  der  mynnen. 

lxix.  Niman  muz  den  anderen  beschirmin. 

Jjes    ist   harte    sere    zu    hudene    daz    keine    suster    ingedurre   die  andere 
bescirmen    in    deme    clostere,    allein    sint    sie    auch  mit  magscheffe   zu  samene 
10  gevuget ,  wan    dan  abe  wyschet  lichte  Ursache  grozzer  betrubungen.     welche  ir 
beginnet  des,  die  sal  scherpeliche  berespit  werden. 

LXX-  Niman  inmuz  den  anderen  slagen. 

Man  sal  weren  in  dem  clostere  Ursache  aller  slachte  baltheide.  wir 
sezzen  und  gebieden  daz  ir  keine  ir  suster  uz  scheiden  ob  slan  inmuzze, 
wan  die  gewalt  hat  von  der  ebdissen.     Die    da    missedunt,    die    sal    man    vor 

15  in  allen  berespen,  dar  umme  daz  die  andere  vochte  haben  ').  Aber  den  kinden 
den  sollen  sie  alle  zuchteliche  hude  zu  sezzen  biz  zu  irme  funfzehinden  2) 
jare  des  alderes,  und  daz  vil  redelichen  und  daz  mit  mazzen,  wan  welige 
ir  die  starkes  alderes  ist  ane  gebot  der  ebdissen  sich  irgremet  ober  die 
jungen    ane    underscheidunge,    die    sal    buzze    liden    na    der   regelen,    wan   iz 

20  gescriben  ist     'Daz  du  nit  inwilt  daz  dir  geschie,  des  indu  eineme  andereme  nit'. 

lxxi.  Von  der  gehorsamkeide  die  sie  under  inander  haben  sollen. 

Die   dogent   der   gehorsamkeide   iz   zu  irbiedene  von   allen   den  susteren 

nit  alleine  der    ebdissen,  wan  auch  ein  ieclich  von  der  anderen  under  zusehen, 

und  wizzen  daz   daz  sie  da  mide  varen  sollen  den  wech  zu  gode  wert,     keine 

sun(l6a)derliche  gebot  inhenge  wir  keinir  zu  setzene3)  wene  ockert  der  ebdissen 

25  ob    den    pwbesten    die   von    ir   gesazt  werdent.     Alle  die  jüngeren  sollen  mit 


habe  2)  funfzegisten  3)  setze 


—     39     — 

der  mynnen  gehorsamen  irn  alderen.  wirt  auch  ir  eine  wederspenig  wunden, 
die  sal  man  berespen.  Iz  daz  ir  eine  umme  sumeliche  klein  sache  von  der 
ebdissen  obe  von  ire  priolen  yecliche  wis  berespit  wirt  und  intsebet  ')  einre 
irren  priolen  mut  2)  erzürnet  obe  beweget  ingegen  3)  sy,  Alzuhant  ane  merunge 
sal  sie  gestrekket  an  die  erde  vor  iren  fuzzen  ligen  geotmudigit  also  lange  5 
biz  die  bewegenge  mit  guden  Worten  geheilit  werde,  wylche  ir  diz  versmet, 
antweder  sie  insal  der  buzzen  underligen,  obe  wirt  sie  widerstrebig,  man 
verdribe  sie  uzer  dem  clostere. 

Von  deme  guden  ernste.  lxj 

Also  böse  also  der  ernestliche  4)  mut  ist  der  bitterkeide  der  von 
gode  scheidet  5)  und  leidet  zu  der  hellen,  also  gut  ist  der  ernistliche  mut  10 
der  senftekeide,  der  von  den  sunden  scheidet  und  leidet  zu  gode  und  zu 
dem  ewigen  libe.  Dissen  selben  ernst  sollen  die  sustere  üben  mit  der 
hizzen  der  mynnen,  daz  sie  sich  under  ein  eren,  daz  sie  ir  crankheit  beide 
des  libes  und  der  seien  geduldecliche  verdragen,  daz  sie  gehorsamkeit 
under  eyn  halden.  Irre  keine  innavolge  dem  daz  sie  ir  selber  nuzze  dunket,  15 
wan  daz  einer  anderen  nutze  ist.  Die  minne  sollen  sie  cusliche  halden, 
got  vochten,  ir  ebdissen  mit  reiner  otmudkeide  minnen.  Sie  insollen  in  nit 
liebes  han  vor  den  heiigen  Crist,  der  uns  alsament  geleiden  muz  zu  dem  ewygen 
libe.     amen-:- 

Vom  der  sezzungen  der  regelen.  lxx 

Jjise  regele  han  wir  gescribin  umme  daz  daz  wir  da  mide  zeugen  allen  20 
den  die  sie  beginnen  wollent  daz  anbeginne  irs  bekernisses  zu  hudene  und 
dan  worwert  gude  side  in  dem  clostere  zu  habene.  und  wilche  da  ilet  zu 
durnechtigheide  irs  lebenes,  sie  mirke  die  lerunge  der  heiigen  vedere,  wan 
sie  leident  den  menschen  zu  der  hoe  der  durnecheide.  wo  is  irgen  keine 
scrift  ob  keine  gotliche  lerunge  des  alden  ob  des  nuwen  urkundes,  iz  insy  25 
eine  rechte  regele  des  menslichen  lebenes?  Obe  wilche  buch  der  heiigen 
veddere  insingit  daz  selbe  nit  d^z  wir  mit  rechtem  laufe  vollenkummen 
zu    unse?«   sceppere?    Die    rede    der    veddere    und    irre    sezzunge   lebenes    und 


4)   ernest  lichte  5)  scheiden 


—     40     — 

die  regele  des  heiigen  vaders  sancte  Basilijn,  waz  ist  anders  dan  eyn  be- 
reidunge  der  dogende  allen  den  die  rechte  lebent  und  gehorsamkeit  leistent? 
Aber  uns  tregen  und  unrechte  lebenden  und  versumenden  ist  iz  laster  und 
schände.  Durch  daz  du  da  iles  zu  dem  hymmelschen  lande,  dise  wenege 
5  regele  die  da  vor  gescriben  ist,  die  vollenbringe,  so  machs  ')  du  zu  letzes  zu  den 
meren  (i6b)  werken  der  dogende  und  der  lerungen  die  wir  vor  gesazt  han 
mit   godes    beschirmunge    vollekummen.      A' . 'M' . 'E' . 'N. 

Dise  regele  sal  man  alle  czyt  an  heben  an  sancte:  'Qcnedictus  dage  und  an 
sancte.  ]6\\anri\s   baptisten    dage    und    an    sancte    Michahelis    dage    und    an  der 

10  octaven  der  kindelin,  und  sal  sie  lesen  biz  an  sanctus  B<m<?d?cAis  dag,  dan 
sal  man  sie  alle  czit  von  erst  an  beginnen.  Des  nestes  dages  na  sancte 
Lam p**rtus  dage  so  sal  die  sengeren  zu  capitele  die  manen  die  capitel  heldet, 
daz  sie  absolvire  die  doden.  so  sal  die  die  2)  da  capitel  heldet  sprechen 
alsus  'Anime  fratrum  et  sororum  et  familiarium  nostrorum  hoc  anno  defunctorum 

15  requiescant  in  pace'.  so  sal  der  convent  antwirtin  'amen'  und  sollen  sprechen 
'De  profundis'  und  sollen  nider  knyen  zu  k.yr\e\eison  und  sprechen  'pater  noster'. 
so  sal  die  da  capitel  heldet  sprechen  'Et  ne  nos  ic  Aporta  in  fe'i.  Erue 
domine  animas  eorum.     Domine  exaudf. 

Oremus. 

Dominus  venie  largitor  et  humane  salutis  auctor,  quesumus  clementiam 
20  tuam  ut  nostre  congregacionis  fratres  et  sorores  et  familiäres  qui  ex  hoc 
seculo  transierunt  beata  Maria  semper  virgine  intercedente  cum  omnibus  sanctis 
ad  perpetue  beatitudinis  consorcium  pervenire  concedas.  Vater  noster.  Domine 
exaudi.  Requiescant.  Dar  na  sizzen  nider.  so  sal  die  sengeren  manen  die 
die  da  capitel  heldet,  daz  sie  absolvire  auch  unse  veddere  und  unser  müdere 
25  und  ander  unser  frunde  seien.  So  sal  die  die  da  capitel  heldet  sprechen 
'patres  matres  fratres  et  sorores  et  consanguenei  defuncti  fratrum  et  sororum 
ordinis  nostri  requiescant  in  pace.  amen.'  Dar  na  sal  sie  sagen  daz  ein  iclich 
suster  sal  lesen  zehen  seltere. 

Yatres  matres  et  fratres  et  sorores  requiescant  in  pace.     amen. 

i)  mach8         2)  der  der 


—     41 


ANHANG. 


Wir  Bruder r)  Apt  des  Cloisters  zu  Erbach  hielden  vor  sunde  2) 

in  dem   junffrauwen    cloister    zu  Gnadendail    in    dem  jare    als  man    zalte  nach 

Cristi  gebort  dusent  vier  hundert  viij  vn    funfczig yuonis  confessoris  3), 

vnd  vmb  merer  bestedigung  ordelichs  lebens  vnd  geistlicher  zucht  so  han 
wir  etliche  artikel  her  naich  dun  schriben  die  wir  von  allen  geordenten  per- 
sonen  desselben  cloisters  wollen  festeklichen  gehalden  werden.  Zu  dem  ersten, 
daz  vor  allen  dingen  godis  dinst  mit  merer  vnd  großer  andacht  vollenbracht 
vnd  betzalt  werde  dan  mit  heer,  vnd  besunder  daz  die  getzide  vnser  lieben 
frauwen  vor  den  getziden  des  dages  in  dem  chore  gentzlich  mit  andacht  ver- 
golden werden  vnd  sich  kein  da  von  abe  ziege  an  redeliche  noit  ader  kranck- 
heit.  Item  die  stille  oder  swigen  halden,  daz  da  viel  vnfriedens  enthelt,  wollen 
wir  daz  daiz  baß  gehalden  werde  dan  mit  heer,  vnd  besunderlich  in  der 
kerchen ,  in  dem  crutzgange ,  off  dem  schlaf  huse  vnd  in  dem  Rebeder,  vnd 
welche  junfrauwe  daz  freuelichen  breche,  heißen  wir  die  4)  plorissen  daz  sie 
die  in  dem  cappittel  dar  vmb  hertlichen  straiff  vnd  breche  yre  abe  yr  phrunde 
wins  3).  Item  die  wyl  mentsliche  nature  von  vngehorsamkeit  vnser  ersten 
eidern  zu  solicher  gebrechlichkeit  kommen  ist,  daz  sie  alletzyt  me  geneigit  ist 
zu  bösen  suntlichen  dan  zu  guden  gotlichen  wercken,  vnd  dar  vmb  der  mentsche 
auch  woil  bedarff  degelicher  abewessunge  vnd  beßerunge  solicher  suntlichen 
wercke,  wollen  wir  vnd  heißen  die  pWissen,  daz  sie  allen  dag  mit  den  jun- 
ffrauwen Capittell  halde  vnd  da  solich  vorgerurt  degeliche  broche  vnd  versu- 
meniß  straiff  vnd  beßer  naich  dem  mit  heer  in  vnserm  orden  gewonheit  vnd 
recht  gewest  ist,  vnd  wollen  auch  daz  sich  da  von  keyne  junffrauwe  abe 
cziege  an  redeliche  orsache  ader  krangheit.  Item  gebieden  wir  by  der  penen 
der   vngehorsamekeit,    daz    keine  junffrauwe    die  von  der  aptissen   ader  ander 

I)  Rasur,  darüber  Richm;   gemeint  ist  Abt  Richwin  2)  lies  vorscunge  3)  Rasur; 

danach  die  beiden  letzten    Wörter  ausgestrichen   und  darüber  off  sant  peders  vnd  paulus  dag  4)  hier- 

nach aptissen  oder  mit  schwärzerer  Tinte  übergeschrieben  5)  abe— wins  durchstrichen,    dafür  am 

Rande  priid  brotes  halp  abe 

■6 


—     42     — 

yre  obersten  vmb  yre  missedait  gestrafft  wurde  ader  anders  vmb  keynerleye 
sachen  willen,  yre  clage  da  von  du  yren  frunden  ader  andern  vßerlichen 
luden,  want  da  von  dicke  schände  vnd  ergerunge  kommit  werntlichen  luden 
vnd  schade  vnd  vorderpniß  der  clöister.  welche  aber  hie  an  schuldig  fanden 
wurde,  setzen  wir  off  die  lichte  scholt  zu  dragen  eynen  dag  zu  waßer  vnd 
zu  brode  vnd  yre  wilen  beraubt  werden.  Item  gebieden  wir  strengelichen 
daz  die  junffrauwen  gehorsam  syn  yre  aptissen,  vnd  keyne  sich  widder  sie 
setze  mit  vngehorsamen  vbermudigen  drauwe  ader  scheltworten.  welche  aber 
heer  vbir  brüchig  funden  wurde,  heyßen  wir  vnsern  bichter  daz  er  soliche 
eyns,  zwernit,  drywerbe  mane.  stellit  sie  dan  soliche  vngehorsam  vbermudikeit 
nit  abe  vnd  beßert  die  nach  ordens  recht  demudiclichen,  heyßen  wir  vnsern 
bichter  zu  vns  heyme  geyn  Erbach  kommen  vnd  vor  yn  fort  me  keyn  gods 
recht  dun  als  lange  bit  soliche  vbermudikeyt  ordeliche  gebeßert  werde.  Item 
gebieden  wir  der  aptissen  daz  sie  keyner  vrlaup  gebe  vß  dem  clöister  an 
redeliche  orsache,  vnd  sali  auch  die  aptissen  nach  gestelteniß  yre  Sachen  dar 
vmb  sie  orlaup  nemen  vß  zu  faren,  den  junffrauwen  yr  zyt  zu  redelichkeit 
prüften  vnd  setzen  widder  in  zu  kommen.  Vnd  were  iß  sache  daz  eynche  jun- 
ffrauwe  vbir  soliche  yre  gesatzte  zyt  von  ir  aptissen  lenger  vßbliebe  an  orlaup, 
heyßen  wir  die  aptissen  soliche  beßern  als  eyn  abtrünnige  nonne  nach  des 
ordens  gesetze.  Item  gebieden  wir  daz  die  junffrauwen  die  orlaup  nemen  vß 
dem  clöister  zu  yren  frunden  ader  zu  andern  yren  Sachen,  daz  die  als  in  dem 
clöister  also  auch  vßwendig  des  cloisters  yre  wyeln  off  dragen,  dan  sie  da 
von  beide  lone  nemo  von  gode  vnd  loip  von  dem  menschen,  welche  aber 
mit  freuell  solichs  nit  dun  enwolde,  heißen  wir  die  eptissen  dz  sie  solicher 
keynen  orlaup  geben  sulle  vnd  dar  zu  vmb  versmeheniß  vnsers  gebods  hert- 
lichen  straiffen.  Item  verbieden  wir  by  der  penen  der  vngehorsamkeit  daz 
keyn  junffrauwe  sunderlich  gespreche  habe  mit  mans  personen,  sie  syen  geist- 
liche oder  werntliche,  an  sunderlichen  oder  heymelichen  steden,  da  vß  man 
keyn  gud  gemerken  mag.  welche  hier  in  bruchig  funden  wurde,  setzen  wir 
off  eyn  dag  zu  fasten  zu  waßer  vnd  brode.  Item  dz  alle  clage  vnd  mur- 
murunge  des  vorgerurten  vnsers  gebots  von  den  junffrauwen  enthaben  werde, 
heißen  wir  vnd  gebieden  der  aptissen,  daz  sie  ir  husgesinde  abents  nach  dem 
abenteßen  zitlichn  von  yrem  huse  laß  geen  vnd  nach  dem  ymß  fortme  abents 
keyn  geseße  mit  yne  enhabe.  Vnd  were  iß  dz  eynche  von  den  junffrauwen 
dar  affter  keynen  von  yrem  gesinde  in  zöge  oder  off  hielde,  heißen  wir  die 
dar    vmb    hertlichii    straiffen    vnd    yre    yr    phrunde    eynen    dag    abe    brechen. 


—     43     — 

Item  verbieden  wir  by  der  penen  des  ordens  dar  vber  gesatzt,  daz  keyn 
junffrauwe  keynen  mentschen,  in  welchem  staid  daz  sy,  keyn  kint  vß  dem 
dauff  heben,  want  daz  hertlich  in  vnserm  orden  verboden  ist.  Item  verbieden 
wir  daz  keyn  junffrauwe  fleisch  eße  vßwendig  des  siechhuß  an  sunderliche 
laube  der  eptissen.  welche  dar  widder  dede,  setzen  wir  off  zu  penen  eynen 
ganczen  mand  an  fleiß  zu  syn.  Vnd  besunderlich  daz  keyn  junffrauwe  fleisch 
eß  von  dem  sundag  an  septuagesla  mit  zu  den  heiigen  oistern.  welche  heer 
widder  dede,  als  manchen  dag  sie  breche  in  der  zyt,  als  manchen  dag  sali 
sie  nach  der  heiigen  oisterlichen  zyt  sin  an  fleisch.  Item  verbieden  wir  der 
Aptissen  daz  sie  keyner  junffrauwen  orlaup  gebe  vor  die  porte  von  dem  son- 
dage  septuagesla  vnd  dry  wochen  dar  nach,  daz  ist  mit  inuocatur,  want 
werntliche  lüde  da  von  ergerunge  nement  vnd  auch  daz  den  junffrauwen 
wenig  notzs  brengit.  Item  vedammen  wir  alle  vnordeliche  kleidunge  vnd 
werntlichen  glantze  an  cappen,  rantzen,  lyne  wait,  vnordelichen  prisen  an  pater- 
nostef,  fingerlin,  vnd  heißen  die  aptissen,  an  welcher  sie  soliche  findet,  daz  sie 
daz  geweldeclichen  neme  vnd  die  dar  vmb  hertliche  straiffe  l).  Item  gebieden 
wir  der  aptissen  vnd  priorissen  daz  sie  wair  nemen  daz  daz  schlaffhuß  zyt- 
liche  nach  complete  beschloßen  werde,  vnd  welche  junffrauwe  dar  affter  da 
von  bliebe,  die  heißen  wir  dar  vmb  hertliche  straiffen.  vnd  wollen  ,auch  daz 
die  junffrauwen  nit  gedeilt  als  mit  heer  off  beiden  schlaffhusern  ligen,  sonder 
nach  vnser  ordenierung  all  by  eynander  off  dem  obersten  schlaffhuse  ligen. 
nach  dem  auch  vnser  heiiger  regell  .... 

Zu  dem  lesten  begeren  wir  daz  die  junffrauwen  vnder  eynander  friedelich 
sin  vnd  keyn  die  ander  vbergebe  .  .  . '.  2)  meyne,  die  heißen  wir  abe  scheiden 

vor  den  conuent,    vnd  sal  der  bichter    vor   yre  dry  misse    dun waßer 

vnd  broit  eßen  also  lange  bit  daz  sie  soliche  vnfredelichkeyt  abestelt.  Dise 
kart  wollen  wir  zu  vier  zyden  in  dem  jair  gelesen  werden,  off  daz  sich 
keyne  von  vnwißenheit  möge  entschuldigen.  Datum  primo  die  et  loco  q*b9 
supra  3). 


I )    Von   Item    (Z.  13)  —    straiffe  ausgestrichen ,     dafür    am    Rande   einige   unleserliche     Worte 

von  später  Hand             i)  hier  sind  1 — 2  Zeilen  unlesbar,    da  das  Pergamentblatt  zwischen  Quaiernio  1 

und  2  der    Handschrift    durchgellt         3)  die  folgende    Zeile,     und  damit    der   Schluss    der    Urkunde 
abgeschnitten. 


44 


Anmerkungen. 

i,  i  uers ;  ähnlich  ruen  2,  14  =  mhd.  ruowen,  und  14,  7.  24,  16  =  mhd. 
riuwen;  auch  berunisses  16,  2.  —  1,  2  irwuUit.  Für  zw  wird  in  der  Regel  zwar 
geschrieben,  vgl.  noch  2,  29.  3,  5.  n.  24.  4,  27.  5,  18.  8.  3.  8.  18.  24.  10,  9. 
n,  12.  13,  21.  16,  Ueberschr.  20,  2.  23,  18.  24,  25.  30,  20.  32,  20.  36,  28,  39,  1; 
zweimal  wo  in  gewogen  28,  30,  ivogliche  31,  21,  einmal  Z'<?  in  gevonden  33,  9. 
Seltener  ist  wo  für  z><?:  worte(n)  6,  15.  8,  1.  10.  10,  3.  13,  3,  worzvare  36,  1, 
zvordenken  37,  3,  zvorwert  39,  22.  Auch  einfaches  zw  für  wo:  zugewrffen  5,  25. 
Sonst  werden  noch  bisweilen  von  und  zy««  verwechselt:  w an  im  von  6,  11.  11,  22, 
van  9,  5.  13,  23,  vanl  1,14  für  w«».  Auch  die  wenigen  sonstigen  zv  für  v  und  z> 
für  w  werden  wol  nur  Schreibversehen  sein.  —  1,  3  knmment.  Diese  Formen  sind 
nur  im  Anfang  belegt,  1,  5.  17  (2).  19.  20  (2).  Eine  1.  Plur.  auf  -nt:  vernement  wir 
2,  14.  —  1,  11  zu  gehorsame;  vgl.  die  ungehorsam  schaf  4,  9,  licham(e)  Dat. 
Acc.  3,  6.  6,  24.  28,  23.  34,  7  u.  ä.  —  2,  3  lespen;  ebenso  stets  berespen  4,  15. 
3.1.  s,  1.  7.  14,  18.  16,  27.  17,  1.  18,  30.  24,  12.  26,  28.  33,  16.  35,  17.  36,  30. 
38,  11.  15.  39,  2.  3.  —  2,  3  inkein  noch  6,  23.  14,  4;  tüchein  4,  19.  —  2,  8. 
zeuget  war  statt  zuget  zu  schreiben,  weil  die  BR.  nur  dieses  (übrigens  im  allgemeinen 
specifisch  westdeutsche)  Wort  statt  zeigen  anwendet:   2,  15.  4,  12.  32.   9,  1.   16.   27. 

11,  24.  32.  13,-  3.  33,  16.  39,  20.  Doch  muß  zeigen  daneben  in  der  Mundart  be- 
standen haben,  denn  nur  aus  der  Parallele  zeigen :  zeugen  kann  ich  mir  Formen  wie 
zeuchene  15,  3,  geneugetim  13,  5  erklären  (anders  Weinhold  §  124).  —  2,  21 
danne  =  wan  8,   17.   12,   26.   14,  16.  15,  5.   16,  16.  18,  1.  21,  12.  27,  28,  dann 

12,  17,  dan  13,  2.  18,  12.  24,  24.  —  2,  26  hin  abe  —  'hiervon'  noch  36,  12, 
hyn  abe  18,  27;  ebenso  dan  abe  10,  30.  33,  4.  8.  36,  6,  38,  10,  zu  an  abe  35,  14 
(vgl.  auch  22,  13  und  nirgen  abe  21,  16).  Diese  Bildungen  sind  für  die  rheinischen 
Mundarten  charakteristisch  und  in  den  Urkunden  häufig  belegt  (z.B.  dan  abe  Höfer  II,  2  23. 
WenckI,  162,  dan  aue  Lac.II,  572.  1065  f.,  danie)  afL&c.  III,  400,  432.  Güntherlll, 
223-  593-  6l9  etc.).  Mehrere  Belege  bietet  Eschenburg's  Hs.  des  Morolf,  z.  B.  im 
Spruchgedicht  hin  abe  102,  dan  abe  251.  —  2,  28  cimmereth;  wegen  des  Ai  vgl. 
6,  18.    15,   9.    13.   16,  13.   17,  23.    18,  2.    19,  11.   22,   11.  17.   30,   26.  —  3,  23  du 


—     45     — 

statt  di  ist  selten,  4,  32.  15,  11.  17,  25.  —  3,  30  jungerseht)  noch  3,  30.  31.  4,  11. 
14.  6,  8  etc.;  ebenso  hirdersen  4,  2,  meistersen  6,  9,  murmelersen  7,  5,  achter- 
sprechersen  7,  5,  kelncrscn  17,  Ueberschr.  25.  19,  24.  20,  3,  29.  21,  26, 
wochenersen  20,  5.    8.    21,  17   neben   meisteren  4,   32.    8,  9.    20.    9,  7.    9.    11,   32. 

35,  9  und  seligeren  40,  12.   23.   —  3,  32    (Note  6)  lies    me'ster-  statt  me1ster.  — 

4,  3  vernumstigin ;  so  stets,  s.  5,  6.  17.  11,  3.  34,  28.  —  4,  17  Ä  /^feA?  für  du 
hazte  (Weinhold  §  402);    vgl.  du  dedes  11,  9,   seges  du  4,  19,  neben  du  sege  4,  18. 

—  5,  13  gcischct;  dagegen  heischen  21,  14,  heyschen  34,  23.  —  6,  9  rethe;  vgl. 
bigithe  12,  6.  —  6,  18  ockert  noch  6,  18.  21,  12.  20.  24,  32.  38,  24.  Das  Wort  ist 
(in  Westdeutschland  wenigstens)  specifisch  für  Hessen-Nassau,  wo  es  auch  jetzt  noch 
gebräuchlich  ist,  Vilmar ,  Idiotikon  290,  Kehrein,  Volkssprache  in  Nassaul,  37. 
Südlich  vom  Main  ist  es  bezeugt  für  Otterburg,  Frey  und  Remling458,  und  Rodenbach 
bei  Kaiserslautern  oder  bei  Göllheim,  Weist.  V,  625.  —  8,  6  alsus  so/ich  noch  31,6. 

36,  17.  Dazu  vgl.  so  sulch  Rössel  S.  914,  als  sulchin  Baur  III,  1152,  ase  sulcli 
Höfer II,  123,  also  sulicli'La.c.ll,  537.542.  572. —  9,3  dorechtigcn  ist  nach  dem  Lat. 
in  dornechtigen  zu  bessern.  —  13,  1  willet  nur  hier;  sonst  lautet  die  3.  Sg.  wil 
22,  13.  24,  13.  36,  31  oder  wilt  14,  18.  15,11.  17,3-  38,  5,  auch  wylle  sie  33,  18; 
die  2.  Sg.  immer  wilt  2,  2.  6,  23  etc.  —  15,  11  geswcglichcr  für  gesweslicher; 
derselbe  Fehler  16,  14.  28,  9.  An  einen  Lautübergang  kann  ich  hier  ebenso  wenig 
denken  als  bei  -slaste  für  slahte  19,  16.  30,  24.  —  17,  6.  22  uzscheiungen.  Ist  das 
Fehlen  des  d  mehr  als  zufällig?  —  17,  23  antiuir;  vgl.  anhueder(re)  23,  9.  36,  16. 
39,  7  neben  entweder  32,  22.  —  19,  13  otmutkeide  ist  sicher  in  otmudge  zu  bessern. 

—  20,  21  uberenzikcidc ,  dazu  oberenzekeit  21,  28.  33,  14,  uberenzig  30,  14. 
Das  Wort  uberenzig  ist  specifisch  westmitteldeutsch.  Urkundlich  kann  .ich  es  belegen 
für    Kreuznach    (Arch.   f.    hess.    Gesch.  XV,  276),    Grünenberg   (Diefenbach-Wülcker 

5.  879).  Speyer  (Höfer  II,  35),  Mettlach  (Weist.  II,  6r),  sowie  uberenze  Adv.  für 
Cöln  (Lac.  III,  170).  Für  Aschaffenburg  bezeugt  das  Wort  Schindler  I2,  148,  für 
Hessen  Vilmar,  Idiotikon  420.  Uberenzig  ist  übrigens  gewiss  nicht  Compositum,  son- 
dern Ableitung  von  einem  Verbum  *uberenzen  ■=.  got.  *ufaratjan  in  ufarassus,  — 
21,  15  icclicheme  für  etlicheme.  Dieselbe  Vertauschung  noch  28,  18.  36,  4. 
39,  3;  die  Vorlage  wird  eclicheme  gehabt  haben.  Uebergang  von  unbetontem 
-entlich  in  -enclich  ist  in  den  rheinischen  Urkunden  ja  sehr  geläufig  (vgl.  Weinhold 
§  218).  —  22,  24  mildewoche;  ich  kenne  diese  Form  sonst  nicht.  Ist  es  bloss 
Schreibfehler?  —  23,  4  vollenbringen  nur  hier;  sonst,  1,  8.  3,  n.  6,  23  etc.,  natür- 
lich nur  brengen.  —  30,  7  varben;  vgl.  -pulbe  30,  18.  —  34,  24  gen  für  geben 
(F.    Vogt,     Salman    und    Morolf  C)    ist    rheinfränkisch    sehr    spärlich    belegt;      ich 


—     46     — 

finde  in  Otterburg  ein  gent,  Frey  und  Remling  458.  —  38,  16  funfzegisten 
hätte  vielleicht  nicht  in  funfzehinden  corrigirt  werden  sollen,  da  es  nach  S.  XI 
als  fnnfze(g)isten  gefasst  werden  kann.  Zu  den  von  K.  Schröder,  Germ.  XV,  423 
und  Weinhold  §338  aus  der  Mainzer  Gegend  und  der  Wetterau  beigebrachten  Belegen 
kann  ich  noch  nuntzehisten  Langenselbold ,  Weist.  III,  422,  und  achtzehensten 
Büdingen,  ib.  III,   432,  nachtragen. 


L.  Fr.  Fues'sche  Buchdruckerei  (Fues  &  Kostenbader),  Tübingen. 


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Sievers 


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Bene  di  c  tinerr e  sei 


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